Aktivieren Sie Ihren Impfschutz. Diese Gesundheitsvorsorge ist einfach, sicher und wirksam. Sie macht Ihr Immunsystem fit, um schwere Erkrankungen abzuwehren.

Nur jeder vierte Erwachsene ist durch Impfungen vor Diphtherie geschützt. In den alten Bundesländern haben 70 Prozent der Frauen über 60 Jahre zu wenig Abwehrstoffe gegen Wundstarrkrampf. Doch schon durch kleine Verletzungen kann man sich mit Tetanusbakterien infizieren. Sie kommen in der Erde, im Straßenstaub, an Holzsplittern und rostigen Nägeln vor. Die Erreger von Tetanus und Diphtherie sind mit Antibiotika nicht ausreichend zu bekämpfen, denn nicht die Bakterien sind gefährlich, sondern giftige Stoffwechselprodukte, die sich im Körper ausbreiten.

Krankheitserreger können lebenslange Folgeschäden verursachen oder das Leben bedrohen. Dank der Impfungen haben viele Infektionskrankheiten ihren Schrecken ver­­loren. Doch das hat teilweise zu Impfmüdigkeit geführt. So erhalten in Deutschland mehr als 90 Prozent aller Kinder die erste Masernimpfung, aber nur noch knapp 30 Prozent die zweite.

Nur wenn möglichst viele Menschen geimpft sind, können Infektionsketten unterbrochen und einzelne Krankheitserreger regional unschädlich gemacht und schließlich weltweit ausgerottet werden. Für Kinderlähmung soll dies bis zum Jahr 2005 erreicht sein, für Masern voraussichtlich bis 2010.

Überwiegend bestehen Schutzimpfungen aus Krankheitserregern oder deren Bestandteilen in abgeschwächter oder abgetöteter Form. Der Geimpfte erkrankt dadurch nicht, aber sein Immunsystem bildet gegen die Infektion gerichtete Antikörper. Bei Kontakt mit dem Krankheitserreger kann die Immunabwehr gezielt reagieren und den Ausbruch der Krankheit verhindern.

Nicht stichhaltig: Gegenargumente

Moderne Impfstoffe sind in der Regel gut verträglich. Wie bei fast allen Medikamenten kann es aber durch Schutzimpfungen zu unerwünschten Wirkungen kommen. Gravierende Nebenwirkungen gibt es jedoch nur in seltenen Fällen. Impfgegner führen sie als Argument gegen das Impfen an. Dem gegenüber stehen jedoch mögliche schwere Komplikationen bei den Erkrankungen, gegen die geimpft wird.

Heute kann mit einer Spritze in vielen Fällen mehreren Infektionskrankheiten vorgebeugt werden. Mehrfach­im­pfungen stellen keine zusätzliche Belastung für das Immunsystem dar, wie medizinische Studien zeigen. Kein Impfstoff ist jedoch zu 100 Prozent erfolgreich, auch wenn die meisten Routineimpfungen in der Kindheit über 95 Prozent der Geimpften schützen. Mitunter können deshalb auch Geimpfte erkranken.

Auch wenn inzwischen in Industrieländern durch das Impfen viele Krankheiten fast ausgelöscht wurden, ist das kein Grund, nicht mehr zu impfen. Wenn Reisende diese Krankheiten aus anderen Teilen der Welt importieren, könnten sich diese in einer ungeimpften Bevölkerung rasch ausbreiten.

Kostenlos: Empfohlene Impfungen

Empfehlungen für Schutzimpfungen gibt in Deutschland die ständige Impfkommission (STIKO) heraus. Wichtigste Änderungen in diesem Jahr: In Zukunft sollen Kinder im zweiten Lebensjahr routinemäßig gegen Windpocken und Erwachsene mit engem Kontakt zu Säuglingen gegen Keuchhusten geimpft werden. Die Kosten für die empfohlenen Impfungen übernehmen in der Regel die Krankenkassen oder bei beruflicher Indikation der Arbeitgeber. Da es sich um eine Vorsorge­leistung handelt, muss für einen Impftermin keine Praxisgebühr gezahlt werden. Bei akuten, behandlungsbedürftigen Erkrankungen oder bekannten Allergien gegen Bestandteile des Impfstoffs sollte nicht geimpft werden.

Welche Impfungen Kinder und Erwachsene unbedingt benötigen, ist den Tabellen (Stand: August 2004) zu entnehmen. Weitere Impfungen sind für Menschen mit bestimmten Vorerkrankungen oder in bestimmten Berufszweigen empfohlen, zum Beispiel im Gesundheitswesen oder in der Kinderbe­treuung.

Möglich: Rötungen, Übelkeit

Folge der Auseinandersetzung des Körpers mit dem Impfstoff können Rötungen und Schwellungen an der Injektionsstelle sein. Über Schmerzen klagt jeder zehnte Geimpfte. Fieber, Übelkeit, Erbrechen oder Schläfrigkeit und allergische Reaktionen sind möglich. Bei Säuglingen können bei einem von 1 000 bis 100 000 Geimpften Fieberkrämpfe vorkommen, die aber in der Regel folgenlos abklingen. Nach einer Impfung mit abgeschwächten lebenden Viren können Symptome der Krankheit auftreten, gegen die geimpft wurde, jedoch in sehr reduzierter Form.

Selten: Ernste Komplikationen

Selten kommt es zu ernsten Komplikationen. Einige Beispiele für seltene Impfkomplikationen (weniger als ein Fall auf 10 000 bis 100 000 Geimpfte):

  • Erkrankungen des peripheren Nervensystems (Nervenentzündungen).
  • Anaphylaktischer Schock, also allergische Sofortreaktionen – je nach Impfstoff oder Kombination von Impfstoffen.
  • Kurzzeitiger schockähnlicher Zustand (allgemeine Schlaffheit, Nichtansprechbarkeit, Blässe), der sich schnell und folgenlos zurückbildet.

Für einzelne Komplikationen, die in zeitlichem Zusammenhang mit der Impfung beschrieben sind, ist der ursächliche Zusammenhang nicht erwiesen.

Impfung: Wovor sie schützt

Den Impfrisiken stehen die gefährlichen Symptome und Komplikationen der Krankheiten und die möglichen, daraus resultierenden Folgeschäden gegenüber. Die meisten Krankheiten werden durch Tröpfcheninfektion (Atemluft) übertragen. Hier einige Beispiele für schwerwiegende Krankheitsrisiken:

Diphtherie: Zuschwellen der Atemwege, Lähmungen, Herzversagen. Sterblichkeits­­rate weltweit bei bis zu zehn Prozent, bei Kindern unter 5 und Erwachsenen über 40 Jahren bei bis zu 20 Prozent.

Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME): Erkrankungen des Zentralnervensystems. Bei Erwachsenen führt sie in etwa 30 Prozent der Fälle zu lang anhaltenden oder bleibenden Schäden. Bis zu zwei Prozent der Erkrankten sterben. Übertragung: infizierte Zecken. Impfung wird bei naturnahen Reisen in Risikogebiete (jährlich neu festgelegt) empfohlen.

Grippe (Influenza): Mittelohrentzündung, Verschlimmerung bestehender Erkrankungen wie Herzschwäche, Erhöhung der Anfälligkeit für weitere Erkrankungen wie Lungenentzündung oder Bronchitis. In Deutschland 10 000 Todesfälle pro Jahr, 80 Prozent davon über 65-Jährige.

Haemophilus influenzae Typ b: Kehlde­ckelentzündung mit Erstickungsge­fahr. Eitrige Hirnhautentzündung, nach der Hörschäden (bei zehn Prozent der Erkrankten) und Entwicklungsstörungen zurückbleiben können und an der fünf Prozent der Erkrankten sterben. Gefährdet sind vor allem Kleinkinder.

Hepatitis A: Lang andauernde Erkrankungen. Etwa zwei Prozent der älteren Patienten – insbesondere mit Vorerkrankungen – sterben an der Leberentzündung. Übertragung: verunreinigte Nahrungsmittel und Wasser. Impfung bei Reisen in Risikogebiete (vor allem Länder mit niedrigem Hygienestandard) empfohlen.

Hepatitis B: Bei bis zu 10 Prozent der Erwachsenen und 60 bis 90 Prozent der erkrankten Kleinkinder wird die Krankheit chronisch. Jeder zweite dieser chronisch Kranken muss mit einer Leberzirrhose rechnen, die zu Leberkrebs führen kann. Übertragung: Blut (Verletzungen), ungeschützte Sexualkontakte. Impfung bei längeren Aufenthalten in Risikogebieten oder zu erwartendem engeren Kontakt mit der Bevölkerung.

Keuchhusten (Pertussis): Mittelohrentzündung, Lungenentzündung, Krämpfe bei bis zu drei Prozent der Patienten, bleibende Gehirnschäden bei mehr als einem von 10 000 Fällen. Atempausen, die bei Säuglingen in weniger als einem von 100 000 Fällen tödlich enden. Impfung wird auch für Erwachsene mit engem Kontakt zu Säuglingen empfohlen.

Kinderlähmung (Polio): Etwa fünf Prozent der Erkrankten sterben, Lähmungen treten bei jedem zweiten Überlebenden auf. Übertragung durch Tröpfchen- und Schmierinfektion, verunreinigte Nahrungsmittel und Wasser. Eine Impfung wird für ungeimpfte Erwachsene empfohlen, eine Auffrischung bei Reisen in Länder mit Polio-Vorkommen (vor allem in Afrika und Asien).

Masern: Häufig Mittelohrentzündungen, Lungenentzündungen (bei einem von 20 Erkrankten). Bei einem von 1 000 Erkrankten kommt es zu Hirnhautentzündungen, die zu bleibenden Hirnschäden und in bis zu 30 Prozent der Fälle zum Tod führen können. Eines von 10 000 erkrankten Kindern stirbt. Impfung empfohlen bei Reisen in Entwicklungsländer, wenn man als Kind nicht geimpft wurde.

Meningokokken-Hirnhautentzündung: Blutvergiftung bei 10 bis 15 Prozent der Erkrankten, die tödlich enden kann. Bleibende Nervenschäden. Impfung bei Reisen in Risikogebiete empfohlen.

Mumps: Hirnhautentzündung (bei bis zu zehn Prozent klinisch auffällig), Innenohrschwerhörigkeit (bei einem von 10 000 Erkrankten), Entzündungen verschiedener Organe: Bei jugendlichen und erwachsenen Männern häufiger (bei 20 bis 50 Prozent) auftretende Hodenentzündung kann in 20 bis 30 Prozent dieser Fälle zu Unfruchtbarkeit führen. Bei einer auf das Gehirn übergreifenden Entzündung können Schäden zurückbleiben (Taubheit: einer von 20 000 Erkrankten).

Pneumokokken (Erreger der Lungenentzündung und anderer Krankheiten): Pro Jahr 10 000 Todesfälle in Deutschland, vor allem unter Älteren und Geschwächten.

Röteln: Entzündungen verschiedener Organe wie des Herzens. Schädigung des Ungeborenen zwischen 25 und 90 Prozent, vor allem in den ersten drei Monaten. Übertragung durch Tröpfcheninfektion/Atemluft und über frisch infizierte Gegenstände. Impfung empfohlen für un­geimpfte oder bisher nicht erkrankte Frauen mit Kinderwunsch.

Tollwut: Wenn ausgebrochen, dann tödlich. Übertragung: Bissverletzung durch infizierte Tiere. Impfung wird Tierärzten, Forstpersonal und Reisenden in tollwutgefährdete Gebiete empfohlen. Impfung schützt auch noch nach Kontakt mit einem tollwütigen Tier.

Windpocken (Varizellen): Komplikationen sind bakterielle Zweitinfektionen der Haut, Entzündung der Lunge, der Gelenke, der Leber, der Nerven, des Gehirns (einer von 4 000 Erkrankten). Wiederauftreten als Gür­telrose. Schädigung des Ungeborenen in den ersten drei Schwangerschafts­­mo­na­ten. Komplikationen häufiger bei Jugendlichen und Erwachsenen. Übertragung durch Tröpfcheninfektion bei direktem Kontakt mit Kranken. Impfung empfohlen für ungeimpfte oder bisher nicht erkrankte Frauen mit Kinderwunsch und Patienten mit Neurodermitis.

Neu: Kinder im zweiten Lebensjahr sollen künftig routinemä­ßig gegen Windpocken geimpft werden.

Wundstarrkrampf (Tetanus): Muskelkrämpfe, Kreislauf- und Atemversagen, in 10 bis 20 Prozent der Fälle tödlich. Infektion durch Verletzungen, auch kleinere.

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