Immobilienrente Test

In Deutsch­land neu: die Umkehr­hypothek. Sie ermöglicht es Haus- und Wohnungs­eigentümern im Renten­alter, ihre Immobilie zu Geld zu machen und damit ihre Rente zu verbessern. Der Clou: Sie können zu Hause wohnen bleiben. test.de informiert über die ersten Angebote.

Zu diesem Thema bietet test.de einen aktuel­leren Test: Immobilienrente.

Hypothek ohne Zins und Tilgung

Viele Rentner leben in ihrem abbezahlten Eigenheim, verfügen aber nur über eine geringe Rente. Es fehlt an Geld - etwa für Modernisierungen oder größere Anschaffungen. Dennoch lehnen es die meisten Ruhe­ständler ab, ihr Haus zu Lebzeiten zu verkaufen. Eine Lösung für finanzielle Engpässe kann die Verrentung der Immobilie sein - etwa durch eine Umkehr­hypothek. Und so funk­tionierts: Der Eigentümer erhält einen Kredit auf seine Immobilie, für den er weder Zinsen noch Tilgung zahlen muss. Je nach Angebot bekommt er das Geld als Rente, Einmalzahlung oder Misch­form. Erst wenn der letzte Eigentümer stirbt, das Haus verkauft oder dauer­haft auszieht wird der Kredit plus Zinsen fällig. Der Kredit­geber bekommt sein Geld aus dem Verkaufs­erlös der Immobilie. Oder die Erben tilgen die Schulden und behalten das Haus. Umkehr­hypotheken gibt es derzeit bei der Deutschen Kredit­bank (DKB) und voraus­sicht­lich ab Januar 2010 bei der Förderbank Schleswig-Hostein.

Immorentenplus der Deutschen Kredit­bank (DKB)

Die Immokasse mit Sitz in Grün­wald bietet mit Immorentenplus eine Umkehrhypothek der DKB an. Bedingungen: Der Eigentümer muss mindesten 65 Jahre alt sein, eine schuldenfreie oder nur gering belastete Immobilie besitzen, sie selbst nutzen und instandhalten. Die Immokasse zahlt den Kredit als Einmalbetrag aus. Die Kreditsumme hängt vom Alter des Rentners und vom Immobilienwert ab. Sie liegt bei höchs­tens 15 bis 35 Prozent des Immobilienwerts. Das Darlehen ist relativ teuer. Durch Zinsen, Gebühren und Pauschalen verdoppelt sich die Kreditschuld bereits nach zehn Jahren. Dies verdeutlich auch die Grafik Immobilienrente der DKB anhand eines Beispiels. Ziehen die Eigentümer nach einigen Jahren in ein Pflegeheim, müssen sie diese weit­aus höhere Kreditsumme zurück­zahlen. Immerhin: Eine Überschuldung müssen sie oder ihre Erben nicht befürchten. Grund: Nur die Immobilie sichert die Rückzahlung des Kredits ab.

Förder-Immorente der Investitions­bank Schleswig-Holstein

Das ist bei der Förder-Immorente, die die Investitions­bank Schleswig-Holstein in ihrem Bundesland ab 2010 anbieten will, anders. Der Haus­besitzer haftet mit seinem Vermögen für die Rückzahlung des Kredits. Durch eine vorsichtige Bewertung der Immobilie soll das Risiko aber minimiert werden. Das Darlehen gibt es meist als monatliche Rente. Eine Einmalzahlung ist nur zweckgebunden möglich und lässt sich mit einer Rente kombinieren. Bedingungen für das Darlehen: Der Eigentümer muss mindestens 60 Jahre alt sein und seine Immobilie instandhalten. Der Kreditnehmer entscheidet sich entweder für eine höhere Rente bis zum Ende seiner statistischen Lebenserwartung oder eine nied­rigere Rente bis zum 110. Lebens­jahr. Die Rentenhöhe richtet sich nach dem Alter des Eigentümers, dem Immobilienwert und der Rentenvariante. Im Vergleich zum Wert des Hauses fällt sie bescheiden aus, das Darlehen ist teuer. Dies verdeutlich auch die Grafik Förder-Immorente. Der Effektivzins liegt oft über 10 Prozent.

Alternative: Zustifterrente der Stiftung Liebenau

Einen anderen Weg beschreitet die Stiftung Liebenau. Sie vergibt keine Darlehen, sondern kauft älteren Menschen ihr Haus gegen ein lebenslanges Wohnrecht ab. Sie über­nimmt die Instandhaltung. Die Ex-Eigentümer erhalten - je nach Wunsch - eine befristete oder lebenslange Rente, eine Einmalzahlung oder eine Kombination aus Rente und Einmalbetrag. Die Zeitrente ist ihnen auch sicher, falls sie ausziehen. Im Todesfall fließt sie an die Erben weiter. Bei Auszug oder Tod gibt es zudem eine vorher vereinbarte Abfindung für das Wohnrecht. Doch auch die Zustifterrente ist teuer: Mit Vertragsschluss verliert der Rentner sofort rund 30 Prozent seines Vermögen - für Gebühren, künftige Instandhaltungskosten und einen kräftigen Sicherheitsabschlag. Dafür bekommt er ein Rente, die zusammen mit den ersparten Instandhaltungskosten höher ausfällt als bei einer Umkehrhypothek. Nur wenn er früh auszieht oder stirbt, ist die Zustifterrente im Vergleich zur Umkehrhypothek nach­teilig.

Verrentung oder Verkauf

Die Verrentung ihrer Immobilie ist vor allem für Hauseigentümer interes­sant, die in jedem Fall in ihrem Haus bleiben wollen und keine nahestehenden oder aber gut versorgte Erben haben. Mit einer Umkehrhypothek können sie einen Teil ihrer Immobilie zu Lebzeiten zu Geld machen. Das Darlehen ist aber teuer. Deshalb sollten sie vor Vertrags­schluss den Verkauf der Immobilie zumindest erwägen - je nach gesundheitlicher und finanzieller Ausgangs­situation.

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