Widerrufs­recht richtig nutzen: Schritt für Schritt raus aus teuren Krediten

  • Prüfung. Lassen Sie prüfen, ob Sie Ihren Kredit­vertrag jetzt noch widerrufen können. Die Prüfung bieten viele Verbraucherzentralen und spezialisierte Rechts­anwalts­kanzleien an. Bei der Verbraucherzentrale Hamburg zum Beispiel kostet das 70 Euro. Kredit­kunden erhalten dafür eine fundierte und verständlich erklärte Begründung für das Ergebnis der Prüfung.
  • Kassen­sturz. Schauen Sie nach, wie viel Rest­schuld Sie noch haben. Wenn Sie Ihre Raten bisher plan­mäßig gezahlt haben, können Sie das im Zahlungs- und Tilgungs­plan zu Ihrem Kredit nach­schauen. Eine Abschät­zung erlaubt der aktuelle Auszug zum Kredit­konto. Fragen Sie im Zweifel bei der Bank nach. Widerrufen Sie auf keinen Fall, wenn Sie nicht wissen, wie viel Geld Sie zahlen müssen, wenn die Bank den Widerruf akzeptiert.
  • Anschluss­finanzierung. Suchen Sie nach einer Anschluss­finanzierung, wenn Sie ohne neuen Kredit nicht genug Geld flüssig machen können, um die Rest­schuld abzu­lösen. Wenn eine Bank Sie fragt, verschweigen Sie nicht, dass Sie sich von Ihrem aktuellen Vertrag durch Widerruf lösen wollen. Sie brauchen eine Finanzierungs­zusage, die mindestens vier, besser sechs Wochen wirk­sam bleibt. Beachten Sie: Einen bestimmten Zins­satz sichern Immobilien­finanzierer nur für ein oder zwei Tage zu. Die Zusage, Ihnen einen Kredit zu tages­aktuellen Bedingungen zu geben, können Banken länger aufrecht­erhalten. Unter­schreiben Sie einen neuen Kredit­vertrag erst, wenn Ihre alte Bank Sie gehen lässt.
  • Immobilien­verkauf. Bei einem Verkauf Ihrer Immobilie steht erst nach notarieller Beur­kundung des Kauf­vertrags fest, wann der Käufer den Kauf­preis zahlt. Das Geld brauchen Sie wahr­scheinlich für die Ablösung des Kredits. Wichtig für die Terminplanung: Nach Zugang des Widerrufs bei Ihrer Bank müssen Sie den Betrag, der nach Abrechnung Ihres Kredits offen ist, binnen 30 Tagen bezahlen.
  • Widerruf. Sobald Sie ein güns­tiges Angebot für die Anschluss­finanzierung haben oder fest­steht, dass Sie das Geld vom Käufer der Immobilie recht­zeitig bekommen, können Sie Ihren alten Kredit­vertrag widerrufen. Verwenden Sie dazu unseren Musterbrief. Beachten Sie die Hinweise dort und in Fragen und Antworten.
  • Hilfe. Sie sollten sofort einen Rechts­anwalt einschalten, wenn die Bank Ihnen den Widerruf verweigert oder sich nicht inner­halb der von Ihnen gesetzten Frist meldet. Auch wenn Ihre Bank wunsch­gemäß abrechnet oder Ihnen ein Angebot macht, sollten Sie das von einem Anwalt prüfen lassen. Wahr­scheinlich wird die Bank Ihnen nicht auf Anhieb alles gewähren, was Ihnen zusteht. Sofern die Bank Sie bei ihrer Abrechnung zu Unrecht benach­teiligt, muss sie auch die Anwalts­kosten über­nehmen.
  • Anwalts­suche. Suchen Sie nach einem Fach­anwalt für Bank- und Kapitalmarkt­recht. Am besten sind Kanzleien geeignet, die schon möglichst viele Widerrufs­fälle erfolg­reich abge­wickelt haben. Besonders günstig ist es, wenn sie sich bereits gegen Ihre Bank durch­setzen konnten. Finanztest berichtet im Internet über den aktuellen Stand und nennt dort auch Rechtsanwälte mit nachgewiesenen Erfolgen. Sie brauchen nicht unbe­dingt einen Rechts­anwalt in Ihrer Nähe. Streitig­keiten um Kredit­verträge lassen sich gut auch per Telefon, Internet und Post abwi­ckeln. Schnell muss der Anwalt allerdings zur Stelle sein, wenn Sie Ihre Immobilie verkauft haben und die Bank sich weigert, Sie gehen zu lassen.
  • Opfer­ver­einigung. Vorsicht vor Interes­sengemeinschaften, Opfer­verbänden und ähnlichen Vereinen. Beim Widerruf von Kredit­verträgen können sie Ihnen nicht helfen. Zuweilen sind sie außerdem bloß ein Mittel für unseriöse Rechts­anwälte, um an neue Mandanten heran­zukommen.

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