Immobilien­kredite Special

Die Widerrufs­belehrungen zu zahlreichen Kredit­verträgen sind fehler­haft. Solche Verträge können Verbraucher auch Jahre nach Vertrags­schluss widerrufen. Das bringt wegen der inzwischen dramatisch gesunkenen Zinsen einen Vorteil von meist rund 15 Prozent der Kreditsumme. Allerdings: Das Widerrufs­recht für bis 10.06.2010 abge­schlossene Immobilien­kredit­verträge mit fehler­hafter Widerrufs­belehrung ist inzwischen erloschen. Danach abge­schlossene Verträge sind weiterhin widerruflich, wenn die Widerrufs­belehrung falsch ist.

Widerrufs­recht seit 2002

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Der Audio-Podcast zum Special (Stand Juni 2014).

Recht­licher Hintergrund: Seit November 2002 steht Verbrauchern auch bei Abschluss von Immobilien­kredit­verträgen immer ein Widerrufs­recht zu. Die Banken müssen über das Widerrufs­recht und vor allem den Beginn der Widerrufs­frist deutlich, richtig und verständlich informieren. Das klingt einfach, ist es aber ganz und gar nicht. Die recht­lichen Zusammenhänge sind kompliziert.

Tausende Verträge geprüft

Die Verbraucherzentralen haben inzwischen fast 50 000 Widerrufs­belehrungen zu Baukrediten geprüft. 80 Prozent davon waren fehler­haft und damit unwirk­sam. Die meisten fehler­haften Widerrufs­belehrungen stammen aus den Jahren bis 2010. Für bis 10. Juni 2010 abge­schlossene Immobilien­kredit­verträge ist das Widerrufs­recht inzwischen erloschen, nachdem der Bundes­tag im Februar auf Wunsch der Kredit­wirt­schaft eine Gesetzes­änderung verabschiedet hat. Doch auch in von 11. Juni 2010 an abge­schlossenen Immobilien­kredit­verträgen finden sich noch in zahlreichen Widerrufs­belehrungen Fehler. Solche Verträge können Verbraucher weiterhin widerrufen. Raten­kredit­verträge ohne Grund­buch­absicherung sind ohne Einschränkungen widerruflich, wenn die Widerrufs­belehrung fehler­haft ist.

Gewinn durch Widerruf

Für betroffene Kreditnehmer erfreuliche Folge einer fehler­haften Widerrufs­belehrung: Sie können ihren Vertrag auch Jahre nach Vertrags­schluss noch widerrufen. Selbst nach Umschuldung, Tilgung oder sons­tiger Abwick­lung bleibt der Widerruf zulässig. Er bringt Betroffenen fast immer viele Tausend Euro; gar nicht selten sind 30 000 Euro oder sogar mehr drin. Haupt­grund: Die Zinsen jetzt sind viel nied­riger als in den vergangenen Jahren. Beispiel: Wer jetzt noch 100 000 Euro Rest­schuld und eigentlich noch fünf Jahre Zins­bindung hat und monatlich 800 Euro zahlt, hat nach weiteren fünf Jahren genau 12 323,62 Euro weniger Rest­schuld, wenn er den Vertrag jetzt widerruft und ab sofort 1,2 statt 4,5 Prozent Zinsen zahlt.

Erstattung der Vorfälligkeits­entschädigung

Wer seinen Kredit etwa wegen des Verkaufs von Haus oder Wohnung gekündigt hat, musste oder muss noch eine Vorfälligkeits­entschädigung zahlen. Sie soll der Bank den Verlust der bis zum Ende der Zins­bindungs­frist fälligen Zinsen ausgleichen. Die Höhe der Vorfälligkeits­entschädigung hängt vor allem vom Unterschied zwischen vereinbartem und aktuell üblichem Zins­satz sowie der verbleibenden Dauer der Zins­bindung ab. Beispiel: Für vor Jahren abge­schlossene und zu Juni 2014 gekündigte typische 200 000 Euro-Baukredite errechnete Finanztest Vorfälligkeits­entschädigungen von bis zu fast 40 000 Euro. Die Vorfälligkeits­entschädigung fällt weg, wenn Kreditnehmer ihren Vertrag wirk­sam widerrufen. Ist die Vorfälligkeits­entschädigung bereits gezahlt, hat die Bank den Betrag zu erstatten.

Zusatz­chance Rück­abwick­lung

Zusätzlich stehen Kreditnehmern nach Widerruf des Vertrags über die Ersparnis von Zinsen oder Vorfälligkeits­entschädigung hinaus noch Tausende von Euro zu. Der Vertrag ist dann nämlich rück­abzuwickeln. Im Special erklärt Finanztest, wie Kunden auf diese Weise einen oft fünf­stel­ligen Betrag zurück­bekommen.

Fort­laufend aktualisierte Bericht­erstattung

Was bei der Durch­setzung des Widerruf­rechts zu beachten ist, erklärt Finanztest in den Fragen & Antworten zum Thema. test.de hat außerdem in Zusammen­arbeit mit der Verbraucherzentrale Hamburg eine Liste mit Rechtsanwälten zusammen­gestellt, die bereits Verbraucher in Widerrufs­fällen erfolg­reich vertreten haben. Außerdem gibt es eine Liste mit verbraucherfreundlichen Urteilen zu Widerrufsfällen. test.de und Finanztest werden die Bericht­erstattung fort­laufend aktualisieren.

Hinweis: Dieses Special basiert auf einem Artikel aus Finanztest 7/2014, der am 17. Juni 2014 auf test.de veröffent­lich wurde. Seit dieser Zeit wurde auch dieses Special regel­mäßig aktualisiert und ergänzt, zuletzt am 22. Juni 2016. Ältere Kommentare beziehen sich auf frühere Fassungen des Specials. Weitere Aktualisierungen finden Sie auf der Seite Chronik der Ereignisse. Auch die Liste mit gerichtlichen und außergerichtlichen Erfolgen aktualisieren wir fort­laufend.

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