Erstellen Kreditinstitute vor der Finanzierung einer Immobilie ein Wertgutachten, dürfen sie die Kosten nicht auf den Kunden abwälzen. Das will die Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen in einem Musterprozess gegen die Wüstenrot Bausparkasse durchsetzen.

Die Bausparkasse hatte von einem Kunden 520 Euro dafür kassiert, dass sie vor der Kreditvergabe den Wert der finanzierten Eigentumswohnung ermittelt hat. Sie berief sich dabei auf eine Vertragsklausel. Der Kunde durfte nicht einmal Einsicht in das von ihm bezahlte Gutachten nehmen.

Solche Klauseln sind bei Banken und Bausparkassen üblich. Häufig kassieren sie Schätzgebühren von 0,2 bis 0,5 Prozent der Darlehenssumme. Die Verbraucherzentrale hält das für unzulässig, weil dem Entgelt keine Gegenleistung für den Kunden gegenüberstehe. Die Wertermittlung diene ausschließlich dem Interesse des Kreditinstituts, das Risiko für das Darlehen einzuschätzen.

Nach Auffassung der Verbraucherzentrale können Kreditnehmer bereits gezahlte Schätzkosten auch nach vielen Jahren noch zurückfordern. Zwar verjähren solche Ansprüche nach drei Jahren. Die ­Verjährungsfrist beginnt aber erst am Ende des Jahres, in dem der Kreditnehmer weiß oder zumindest wissen müsste, dass solche Schätzkostenklauseln nicht zulässig sind.

Tipp: Weitere Infos und Musterbriefe, mit denen Sie den Schätzkosten widersprechen oder Gebühren zurückfordern können, finden Sie unter www.vz-nrw.de.

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