Kredit­vertrag: Gesetzliches Kündigungs­recht macht den Ausstieg schwer

Ist im Kredit­vertrag nichts anderes vereinbart, gelten die gesetzlichen Kündigungs­regeln für Immobilien­kredite. Sie machen den vorzeitigen Ausstieg aus dem Kredit teuer – oder unmöglich.

Ohne Entschädigung. Eine ordentliche Kündigung ist mit einer Frist von einem Monat erst zum Ende der Zins­bindung möglich. Eine Ausnahme gibt es nur für Darlehen mit einer Zins­bindung von mehr als zehn Jahren: Sind seit der Auszahlung zehn Jahre vorbei, darf der Kreditnehmer jeder­zeit mit einer Frist von sechs Monaten kündigen. Auch beliebig hohe Sondertilgungen sind dann kurz­fristig möglich. Bei einer Vertrags­verlängerung beginnt die Zehn-Jahres-Frist mit dem Datum der neuen Zins­ver­einbarung.

Mit Entschädigung. Hat der Kreditnehmer ein „berechtigtes Interesse“, kann er mit einer Frist von drei Monaten auch während der Zins­bindung kündigen. Er ist aber verpflichtet, der Bank den Schaden zu ersetzen, den sie durch die vorzeitige Rück­zahlung hat. Sind die Zinsen am Kapitalmarkt seit Vertrags­abschluss gesunken, fällt die Entschädigung oft extrem hoch aus. Ein berechtigtes Interesse hat der Bundes­gerichts­hof vor allem Kredit­kunden zugestanden, die ihr Haus verkaufen wollen. Aus welchem Grund, ist egal.

Umschuldung. Kein Kündigungs­recht haben Kreditnehmer, die ihr Darlehen während der Zins­bindung umschulden wollen, weil die Zinsen gesunken sind. Viele Banken sind zwar bereit, den Kunden gegen ein „Aufhebungs­entgelt“ aus dem Vertrag zu entlassen. Die Ablösesumme ist aber meist so hoch, dass sich die Umschuldung nicht lohnt.

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