Immobilien­kredite Forwarddarlehen oft vorzeitig künd­bar

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Kreditnehmer, die mit ihrer Bank schon Jahre vor Ablauf der Zins­bindung einen Zins­satz für die Anschluss­finanzierung vereinbaren, können den Vertrag zehn Jahre nach Abschluss der Vereinbarung kündigen. Sie müssen nicht warten, bis die Zins­bindung für dieses Forwarddarlehen endet. Das hat das Land­gericht Bochum in einem Urteil gegen die Sparda West klar­gestellt (Az. I-1 O 68/15).

Zeit­punkt der Vereinbarung entscheidend

Hintergrund: Kreditnehmer dürfen zehn Jahre nach der Kredit­auszahlung mit einer Frist von sechs Monaten kündigen. Vereinbaren sie für die Zeit nach Ende der Zins­bindung einen neuen Zins­satz, tritt laut Gesetz der Zeit­punkt dieser Vereinbarung an die Stelle des Auszahlungs­termins – nicht etwa der Beginn der neuen Zins­bindung. Die Bochumer Richter sahen keinen Anlass, bei Forwarddarlehen von dieser eindeutigen gesetzlichen Regelung abzu­weichen.

Beispiel: Der Kunde hat für sein Darlehen am 30. November 2005 einen neuen Zins­satz für die Zeit vom 1. Dezember 2008 bis zum 30. November 2018 vereinbart. Er kann bereits zum 1. Juni 2016 kündigen – zehn Jahre nach Abschluss der Vereinbarung (1. Dezember 2015) plus sechs Monate Kündigungs­frist.

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Profilbild Stiftung_Warentest am 15.11.2017 um 12:50 Uhr
Kfw Darlehen

@Psychodad: Es kommt drauf an. Die 10-Jahresfrist (mit anschließender 6-Monatsfrist) beginnt bei Neuabschlüssen mit dem vollständigen Empfang der Darlehenssumme, bei einer (vorzeitigen) Verlängerung des Darlehens mit dem Datum der neuen Zinsvereinbarung – in letzterem Fall könnten Sie bereits fünf Jahre nach Beginn des neuen Zinssatzes kündigen. Entscheidend ist, ob das Forwarddarlehen im konkreten Fall lediglich eine Verlängerung des bestehenden Darlehensvertrags war oder als ein Neuvertrag zu sehen ist (mit Einräumung eines neuen Kapitalnutzungsrechts). Die Abgrenzung kann im Einzelfall schwierig sein. Deshalb sollten Sie das von der Verbraucherzentrale oder einem Anwalt prüfen lassen (www.verbraucherzentrale.de). (TK)

Psychodad am 14.11.2017 um 19:13 Uhr
Kfw Darlehen

Ich habe ein KfW Darlehen mittels Forward-Darlehen abgelöst. Das Forward-Darlehen ist nicht von der KfW, aber von der Sparkasse, über die auch das KfW Darlehen gelaufen ist/ wo auch das KfW Darlehen geführt wurde.
Das Forward Darlehen wurde 5 Jahre im Voraus festgelegt. Wann kann ich es kündigen, ohne Vorfälligkeitseintschädigung bezahlen zu müssen. Die Zinsbindung beträgt 10 Jahre.

horst.ceglarski am 22.10.2016 um 18:34 Uhr
Kündigung meines Forwarddarlehen

Ich habe am 25.05.2007 eine Anschlußfinanzierung bei meiner Bausparkasse mit der Auszahlung zum
1.07.2010 abgeschlossen. Nach dem ich das Urteil vom Landgericht Bochum gelesen habe ich mich entschlossen mein Forwarddarlehen zu kündigen. Ich habe meine Kündigung mit entsprechender
Kündigungsfrist bei der Bausparkasse eingereicht, diese erkennt die kündigung jedoch nicht an.
Ich habe einen Rechtsanwalt mit eingeschaltet die Bausparkasse akzeptiert die Küntigung nicht.
Wer kann mir einen Tipp geben, wie ich weiter verfahren soll.

Profilbild Stiftung_Warentest am 31.05.2016 um 09:52 Uhr
Urteil ohne 6-monatige Kündigungsfrist?

@silversmith: Die gesetzliche Regelung ist eindeutig: Die Kündigung des Darlehens ist frühestens möglich „nach Ablauf von zehn Jahren nach dem vollständigen Empfang unter Einhaltung einer Kündigungsfrist von sechs Monaten; wird nach dem Empfang des Darlehens eine neue Vereinbarung über die Zeit der Rückzahlung oder den Sollzinssatz getroffen, so tritt der Zeitpunkt dieser Vereinbarung an die Stelle des Zeitpunkts des Empfangs“. In diesem Fall also: 10 Jahre nach der neuen Zinsvereinbarung zuzüglich 6 Monate Kündigungsfreist. Warum das Gericht in dem angesprochenen Urteil die Wirksamkeit der Kündigung nach zehn Jahren akzeptiert hat (ohne die 6-monatige Kündigungsfrist), wissen wir nicht Das Gericht hat sich dazu im Urteil nicht geäußert. (AK)

silversmith am 29.05.2016 um 02:23 Uhr
Urteil ohne 6-monatige Kündigungsfrist?

Habe mir gerade das Urteil einmal näher angesehen (https://openjur.de/u/867565.html), dort wurde scheinbar ohne sechstmonatige Kündigungsfrist gekündigt (Zitat: A. Abschluss Forward-Vertrag 29.05.2006, B. Kläger/KN "Die Beklagte (Bank) wurde aufgefordert, den Endtermin des Darlehens und damit den Rückzahlungstermin zum 31.05.2016 zu bestätigen." sowie C. Urteil "Es wird festgestellt, dass die Vereinbarung zur Darlehensverlängerung zwischen den Parteien, Darlehensnummer ...# vom 29.05.2006 in Folge der Kündigung des Klägers vom 22.05.2014 am 30.05.2016 endet.").
Habe ich irgendetwas übersehen, oder ist neuerdings auch eine Kündigung bereits schon mit Wirkung zum [Datum Neuvereinbarung Sollzinssatz] + 10 Jahren nach 9,5 Jahren möglich??
Kann das jemand qualifiziert aufklären.
Danke und Gruß