Immobilienkäufer, die zu Hause einen Kredit für eine völlig überteuerte Immobilie abgeschlossen haben, können diesen noch Jahre später wieder loswerden. Das ist die Folge eines Urteils des Europäischen Gerichtshofs (EuGH).

Das Gericht in Luxemburg hat entschieden, dass Immobilienkreditverträge, die in einer Haustürsituation abgeschlossen wurden, unter das siebentägige Widerrufsrecht nach der Haustürgeschäfterichtlinie der Europäischen Union fallen (Az. C 481/99). Wer darüber nicht aufgeklärt wurde, kann seinen Vertrag noch einen Monat nach Zahlung der letzten Kreditrate widerrufen.

Nach Auffassung des EuGH ist die deutsche Rechtsprechung nicht mit dem Gemeinschaftsrecht vereinbar. Der Gerichtshof korrigierte die deutsche Rechtsprechung, wonach mit Hypotheken und Grundschulden abgesicherte Immobilienkredite (Realkredite) nach dem Verbraucherkreditgesetz nicht widerrufen werden können.

Der Gerichtshof entschied zugunsten eines deutschen Ehepaars gegen die "Bayerische Hypo- und Vereinsbank AG" in München. Das Ehepaar war 1993 von einem Immobilienmakler, der sie aus eigener Initiative zu Hause besucht hatte, zu einem Kreditvertrag bei der "Hypo- und Vereinsbank" überredet worden. Mit der Begründung, dass ihnen ihr Widerrufsrecht nicht bekannt gewesen sei, klagten sie auf Auflösung des Vertrags. Der letztinstanzlich angerufene Bundesgerichtshof setzte das Verfahren aus und ließ die strittige Frage vom EuGH klären.

Nach der jetzt vorliegenden EuGH-Entscheidung können Verbraucher alle ab 1991 abgeschlossenen Darlehensverträge bei ihrer Bank widerrufen, sofern sie schlüssig machen können, dass sie in einer Haustürsituation zustande kamen. Eine Haustürsituation liegt vor, wenn der Vertrag zu Hause oder am Arbeitsplatz des Kreditnehmers abgeschlossen wurde. Geschädigte Immobilienkäufer können auf die komplette Rückabwicklung ihres Kreditvertrags hoffen. Im Gegenzug wird dann die Immobilie an die Bank zurückübertragen.

Dieser Artikel ist hilfreich. 356 Nutzer finden das hilfreich.