Immobilien­kredite Meldung

Banken kassieren oft extrem hohe Entschädigungen von Kunden, die ihr Baudarlehen nach einem Haus­verkauf vorzeitig tilgen. Um Kreditnehmer vor ruinösen Forderungen zu schützen, fordert der Verbraucherzentrale Bundes­verband eine gesetzliche Begrenzung.

Immobilien­kredit als Kostenfalle

Ein Baukredit wird zunehmend zur Kostenfalle für Eigentümer, die ihre Immobilie während der Zins­bindung verkaufen und ihren Kredit vorzeitig ablösen. Das geht aus einer Unter­suchung des Verbraucherzentrale Bundes­verbands (vzbv) hervor, der 3 445 Bank­abrechnungen aus den Jahren 2007 bis 2013 ausgewertet hat. Danach forderten Banken in den Jahren 2012 und 2013 im Schnitt eine Entschädigung von fast 11 Prozent, in Spitzen sogar mehr als 30 Prozent der Rest­schuld. Jeder zweite musste über 10 000 Euro zahlen. Im Vergleich zu 2008 haben sich die Vorfälligkeits­entschädigungen damit verdreifacht.

Nied­rigzinsen treiben Entschädigung in die Höhe

Haupt­grund für die hohen Entschädigungen sind die stark gesunkenen Zinsen am Kapitalmarkt. Zahlt der Kreditnehmer sein Darlehen vor Ende der Zins­bindung zurück, darf die Bank einen Ausgleich verlangen, wenn sie das Geld nicht mehr zum vertraglich vereinbarten Zins­satz anlegen kann. Je größere der Abstand zwischen dem Vertrags­zins­satz und der Rendite für Hypthekenpfand­briefe zum Zeit­punkt der Rück­zahlung, desto mehr muss der Kreditnehmer zahlen. Extreme Nied­rigzinsen wie heute führen daher zu extrem hohen Vorfälligkeitschädigungen.

Viele Banken kassieren zu viel

Verstärkt wird das Problem dadurch, dass Banken oft mehr kassieren, als ihnen nach der Recht­sprechung zusteht. Zwei Drittel der untersuchten Bank­forderungen waren nach Auffassung der Verbraucherzentralen über­höht. In jedem achten Fall ergab die Über­prüfung eine um mindestens 20 Prozent zu hohe Entschädigung. Häufig wurden zum Beispiel Sondertilgungs­rechte des Kunden nicht berück­sichtigt, die den Zins­schaden der Bank erheblich verringern.

vzbv fordert gesetzliche Begrenzung

„Die aktuelle Höhe der Vorfälligkeits­entschädigungen ist für viele Verbraucher existenz­bedrohend“, sagt Dorothea Mohn, Team­leiterin Finanzen beim vzbv. Die Verbraucherschützer verlangen eine Begrenzung der Entschädigung auf höchs­tens 5 Prozent der Rest­schuld. Sie fordern außerdem klare gesetzliche Vorgaben für eine faire und trans­parente Berechnung der Entschädigung. Nötig sei auch ein fairer Ausgleich: In Zeiten steigender Zinsen profitieren Banken von einer vorzeitigen Kredittilgung, weil sie das Geld der Kunden zu höheren Zinsen wieder anlegen können. Diesen Vorteil sollen sie ihren Kunden erstatten.

Tipps

  • Kreditnehmer kommen oft auch ohne Entschädigung vorzeitig aus dem Vertrag, weil die Bank sie falsch über ihr Widerrufs­recht informiert hat. Unter www.test.de/kreditwiderruf finden Sie dazu ständig aktualisierte Informationen.
  • Kommen Sie um eine Entschädigung nicht herum, sollten Sie deren Höhe über­prüfen lassen. Finanztest bietet diesen Service für 70 Euro ( www.test.de/analyse-vorfaelligkeit).

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