Bauspardarlehen: Warum der Bauspar-Effektivzins täuscht

Die Bausparkassen geben den Effektivzins für ihre Bauspardarlehen nach der Preisangabenverordnung an. Trotzdem passt er oft nicht zur Realität. Mal ist er höher, mal niedriger als der Effektivzins, den der Bausparer tatsächlich zahlen muss (Tabelle).

Ungenaue Grundlage. Zur Berechnung des Effektivzinses unterstellen die Kassen, dass der Bausparer bis zur Kreditauszahlung exakt das Mindestguthaben (meist 40 oder 50 Prozent der Bausparsumme) anspart. Das können Bausparer jedoch nicht einmal theoretisch erreichen. Sie sparen stets über das Mindestguthaben hinaus.

Gebühr falsch verrechnet. Die Abschlussgebühr von 1,0 oder 1,6 Prozent der Bausparsumme geht anteilig in den Effektivzins für das Darlehen ein. Beträgt der Kredit bis zu 60 Prozent der Bausparsumme, werden 60 Prozent der Abschlussgebühr den Darlehenskosten zugeschlagen. Doch die Gebühr hat der Bausparer längst bezahlt. Für ihn ist entscheidend, ob die Kasse die Gebühr bei Darlehensverzicht erstattet oder nicht. Ist das Geld in jedem Fall verloren, hat es mit der Kreditaufnahme gar nichts zu tun – und deshalb im Effektivzins nichts zu suchen. Bekommt der Bausparer die Gebühr dagegen zurück, wenn er auf das Darlehen verzichtet, müsste sie nicht nur anteilig, sondern in voller Höhe in den Effektivzins eingehen.

Bonus nicht berücksichtigt. Bei einigen Tarifen erhält der Bausparer rückwirkend ab Vertragsbeginn einen höheren Guthabenzins, wenn er nach einer Mindestsparzeit von sieben Jahren auf ein Darlehen verzichtet. Oft geht es dabei um mehr als 1 000 Euro. Die Bonuszinsen, die dem Bausparer verlorengehen, sind indirekte Kosten des Darlehens. Im Bauspareffektivzins sind sie jedoch nicht berücksichtigt.

Ohne Zwischenkreditzinsen. Ist der Bausparvertrag noch nicht zugeteilt, muss der Bausparer die Wartezeit bis zur Zuteilung mit einem Zwischenkredit in Höhe der Bausparsumme überbrücken. In der Regel wird die Bausparfinanzierung dadurch teurer. Denn der Bausparer muss nicht nur das Bauspardarlehen, sondern auch das im Bausparvertrag gebundene Guthaben zwischenfinanzieren. Das kostet ihn die Differenz zwischen den Guthabenzinsen von meist nur 1 bis 2 Prozent und den höheren Zinsen für den Zwischenkredit. Diese Zusatzkosten sind im gesetzlichen Effektivzins für das Bauspardarlehen ebenfalls nicht enthalten.

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