Der Bundesgerichtshof (BGH) urteilte im April, dass auch Immobilienkäufer zur Finanzierung aufgenommene Darlehen widerrufen können. Vorausgesetzt, sie wurden zu Hause überredet und nicht auf ihr Widerrufsrecht hingewiesen (Az. XI ZR 91/99). Sinnvoll wäre ein solcher Widerruf aber zumeist nur, wenn neben der Kredit-Rückabwicklung auch die Immobilie zurückgegeben werden könnte. Nur so hätten geneppte Käufer den Ärger wirklich vom Hals. Ein Rückgaberecht erscheint nach der aktuell versandten Urteilsbegründung nun aber die Ausnahme.

Aufgrund einer ersten BGH-Pressemitteilung berichteten wir in Finanztest vorsichtig, dass mit dem Widerruf manchmal auch der Ausstieg aus dem Immobilienkauf klappen könnte. In der Urteilsbegründung hat der BGH die Messlatte hierfür nun sehr hoch gelegt. Kredit und Kauf seien „grundsätzlich nicht als zu einer wirtschaftlichen Einheit verbundene Geschäfte anzusehen“. Selbst Laien wüssten, dass beim Immobilienkauf Verkäufer und Kreditgeber nichts miteinander zu tun hätten. Deshalb soll der Widerruf des Kredits nicht die Wirksamkeit des Kaufs aufheben. Mit anderen Worten: Kunden bleiben meist auf der Immobilie sitzen – auch wenn sie ihnen gleichzeitig mit dem kündbaren Darlehensvertrag aufgeschwatzt wurde.

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