Immobilienfonds der Volksbanken Meldung

Beraten und verkauft. Die Südwestbank vermittelte Heinz-Jürgen Franz Anteile an riskanten Immobilienfonds. Ihre Beratung hält sie für korrekt.

20 000 Anleger haben auf die Beratung ihrer Volks-und Raiffeisenbanken vertraut und Anteile an Immobilienfonds gekauft. Jetzt droht vielen Fonds die Pleite.

„Ich habe meiner Beraterin von der Südwestbank zu 100 Prozent geglaubt“, erklärt Heinz-Jürgen Franz aus Weingarten. Die Frau habe ihm 1995 die Investition in die Seniorenresidenz Oberursel als „absolut sichere Renditeperle“ für die Altersvorsorge verkauft.

Franz war so überzeugt von dieser und weiteren vorgestellten Immobilien, dass er nicht nur einen, sondern gleich sechs Anteile an verschiedenen geschlossenen Immobilienfonds (siehe „Stichwort“) kaufte.

Inzwischen liegen dem Mann seine Beteiligungen schwer im Magen. Die Fonds sind in Schwierigkeiten und nach Franz' Meinung bald pleite. „Dann habe ich etwa 100 000 Euro verloren“, sagt er.

Die Immobilienfonds hat die DG Anlage aufgelegt, eine Tochterfirma der DG Bank (heute DZ Bank). Die DZ Bank ist eines der beiden Zentralinstitute der 1 250 Volksbanken und Raiffeisenbanken. Auch die Südwestbank gehörte damals dazu.

Die Ortsbanken des Finanzverbundes vermittelten die Fonds der damaligen DG Bank. Nun haben mindestens 10 der 50 Fonds, die Anlegern in den 90er Jahren verkauft wurden, Probleme.

Bisher sind 20 000 Anleger von der Misere betroffen. Sie haben etwa 500 Millionen Euro investiert. Ausschüttungen sehen sie schon lange nicht mehr. Die Mieterträge der Immobilien reichen oft nicht mal, um die Kredite der Fonds zu bedienen. Die Kredite dienten neben dem Anlegergeld zur Finanzierung der Immobilien.

Klare Sicherheitsmerkmale

Überzeugt hatte Franz seine Beraterin und der Prospekt zur Seniorenresidenz (Fonds 36). Dort war von einer „wertbeständigen Anlage“ mit „attraktiven Ausschüttungen“ und „klaren Sicherheitsmerkmalen“ die Rede. Das „hohe Sicherheitspotenzial“ ergebe sich aus einem Pachtvertrag für 20 Jahre mit einem erfahrenen Betreiber, hieß es. Die Pacht für das Seniorenheim sei zudem durch eine Bankbürgschaft in Höhe von 5 Millionen Mark abgesichert. Für die Errichtung der Gebäude habe die Fondsgesellschaft eine Garantie vereinbart. Doch fast nichts klappte. Weder wurde die „Renditeperle“ pünktlich fertiggestellt, noch konnten die erwarteten Pachterträge erzielt werden. Der erfahrene Pächter fiel aus. Die Bank will trotz Bürgschaft nicht zahlen. Ausschüttungen erhält Franz bis heute nicht.

Franz und seine Leidensgenossen werfen den Banken Falschberatung und Prospektbetrug vor: Der Prospekt enthalte irreführende Angaben zu Garantien, zu personellen und wirtschaftliche Verflechtungen sowie über die Risiken der Fonds.

Die Anleger fordern Schadenersatz: Die DZ Bank habe als Gründungs- und Treuhandkommanditistin für die geschlossenen Fonds der DG Anlage fungiert und müsse für die Schäden geradestehen.

Um ihre Forderungen besser durchsetzen zu können, haben sich Geschädigte in der Schutzvereinigung für Kapitalanleger zusammengeschlossen. Im September 2007 protestierten sie vor der DZ Bank in Frankfurt am Main.

Parallel wollen Hunderte Betroffene die Banken verklagen. Anwältin Petra Brockmann von Hahn Rechtsanwälte Partnerschaft in Bremen, die Franz und weitere rund 900 DG-Fonds-Geschädigte vertritt, will sowohl gegen die DZ Bank als auch gegen die Volks- und Raiffeisenbanken und die Südwestbank vorgehen.

Banken weisen Vorwürfe zurück

Die DZ Bank bestreitet alles. Von „mangelhafter Beratung vor Ort“ will sie genauso wenig etwas wissen wie die Volks- und Raiffeisenbanken oder die Südwestbank. Die Südwestbank hat den Finanzverbund inzwischen verlassen. „Eine zusätzliche fondsgestützte private Altersvorsorge war und ist keineswegs unüblich. Und konnte somit von den Beratern (...) analog zu den Prospekten damals guten Gewissens angeboten werden“, meint die DZ Bank.

Aus Sicht der DZ Bank enthalten alle Prospekte ausführliche Risikohinweise. Sie hat tatsächlich mehrere Prozesse zu möglichen Prospektfehlern gewonnen. Über weitere 100 Klagen von Betroffenen müssen die Gerichte noch entscheiden.

Sicherheiten für ihre Fondsbeteiligungen seien Anlegern nicht gewährt worden, schreibt die Bank. Für die im Fondsprospekt gegebenen Garantien will sie nicht zuständig sein. Solche Garantien seien lediglich Teil des Fondskonzepts gewesen.

Zwar räumt die Bank ein, dass es zu Einnahmeausfällen gekommen sei, weil sich Vertragspartner nicht vertragskonform verhalten hätten. Verluste ließen sich aber trotz vorheriger gewissenhafter Prüfung im Wirtschaftsleben nicht ausschließen.

Die negative Entwicklung des ostdeutschen Immobilienmarktes sowie der Wegfall der Berlin-Förderung seien für die Schieflage der Fonds mitverantwortlich, argumentiert die Bank weiter. Doch Oberursel (Fonds 36) liegt in Hessen. Ein Objekt des DG-Fonds 35 steht in Frankfurt am Main selbst. Weitere Fonds halten zwar Objekte in Berlin, aber auch in Essen und Frankfurt am Main. Die DZ Bank hebt zudem hervor, dass sie und die Ortsbanken den Fortbestand der Fondsgesellschaften zunächst mit einem dreistelligen Millionenbetrag gesichert hätten. Seit 2007 habe sie auf ihre Treuhandgebühren verzichtet.

Obwohl die DZ Bank bei sich keine Schuld sieht, hat sie ein Angebot gemacht. Sie will die Fondsanteile von den Anlegern zurückkaufen. Ihre Bedingung: Die Banken müssen ihren Kunden die Anteile zuvor abkaufen und sich unterschreiben lassen, dass die Anleger auf Schadenersatz verzichten.

Etwa 75 Prozent ihrer Einlage hätten Anleger wie Franz dann zurück, kalkuliert die DZ Bank. Ein Großteil davon wären die Ausschüttungen und Steuervorteile, die sie bereits erhalten haben.

Anwältin Brockmann hält das Angebot für eine Zumutung. „Das ist angesichts der rechtlichen Erfolgschancen viel zu wenig. Bei außergerichtlichen Vergleichen ist schon wesentlich mehr herausgekommen“, erklärt sie. Sie rät ihren Mandanten ab. Franz hat seine Beziehungen zur Südwestbank ohnehin längst abgebrochen.

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