Effektivzins mit Tücken

Immobilienfinanzierung Test

Der von den Versicherern genann­te Effektivzins verschleiert die wirklichen Kreditkosten.

Die Versicherer bieten Baugeld meist nur unter der Bedingung an, dass der Kunde bei ihnen auch eine Kapitallebensversicherung als Tilgungsersatz abschließt. Versicherung und Darlehen sind fest aneinander gekoppelt und bilden wirtschaftlich eine Einheit.

Doch in der Werbung und im Kreditvertrag geben die Anbieter – neben Versicherern auch Banken und Kreditvermittler –­ stets nur den Effektivzins des tilgungsfreien Darlehens an. Weil darin keine Versicherungsbeiträge berücksichtigt sind, täuscht die Effektivzinsangabe über den tatsächlichen Preis der Finanzierung. Inklusive Beiträge liegt der Effektivzins oft einen halben bis einen Prozentpunkt höher.

Verstoß gegen Verbraucherrecht?

Udo Reifner, Direktor des Instituts für Finanzdienstleistungen in Hamburg, sieht in dieser Praxis einen Verstoß gegen die EU-Richtlinie zum Verbraucherkredit und die entsprechenden Regelungen im Bürgerlichen Gesetzbuch. In einem Rechtsgutachten für die Stiftung Warentest kommt er zum Ergebnis, dass der Effektivzins bei solchen Kombinationsfinanzierungen beide Kostenbestandteile enthalten muss. Die Konsequenz wäre: Da die Anbieter den Effektivzins der Finanzierung in der Regel zu niedrig angeben, können Kunden nachträglich eine Zinsreduzierung verlangen.

Die Auffassung ist allerdings umstritten und wird von den Versicherern und Kreditinstituten rundweg abgelehnt. Und eine eindeutige Regelung gibt es weder in der maßgeblichen EU-Richtlinie noch im Verbraucherkreditgesetz. Eine Entscheidung des Bundesgerichtshofs, die Klarheit bringen könnte, ist nicht in Sicht. Kreditnehmer können aus dem Streit aber zumindest eine Lehre ziehen: Die Effektivzinsangaben der Versicherer sind nur die halbe Wahrheit.

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