Immobilienfinanzierung 50 plus Test

Vom Eigenheim haben Monika Erle (56) und Gerd Gröver (66) lange geträumt und über Jahre Kataloge von Hausbaufirmen gewälzt. Jetzt haben sie es fast geschafft. Innen müssen sie noch ein paar Räume ­tapezieren, streichen und das Bad fliesen. Dann können sie einziehen.

Mit über 50 Jahren noch ein Eigenheim finanzieren? Warum nicht! Unsere Stichprobe zeigt: Banken und Kreditvermittler machen günstige Angebote mit schneller Anfangstilgung und flexibler Rückzahlung.

Monika Erle und Gerd Gröver aus Berlin haben den Bau ihres Hauses lange vorbereitet. Vor zehn Jahren haben sie sich in Wildenbruch ein Baugrundstück gekauft, rund 20 Kilometer südwestlich der Berliner Stadtgrenze. Jetzt ist Erle 56 Jahre und Gröver 66 Jahre alt.

Als die Bankangestellte Erle im vergangenen Jahr in den Vorruhestand ging und die Bauzinsen auf ein Rekordtief gesunken waren, dachten sie sich: „Jetzt oder nie!“ – und nahmen den Bau in Angriff.

Seitdem verbringt Gröver, der gelernte Gerüstbauer, viel Zeit auf der Baustelle. Durch seine Eigenleistungen hat das Paar eine Menge Geld gespart. Mehr als die Hälfte der Baukosten konnten die beiden aus eigenen Mitteln bezahlen. Den Rest haben sie mit einem Bankkredit finanziert.

Für das Darlehen zahlen sie nur eine Rate von 500 Euro im Monat – trotz einer hohen Tilgung von 5 Prozent. Ihr Kreditvertrag erlaubt ihnen zusätzliche Zahlungen, sogenannte Sondertilgungen, bis zu 2 400 Euro im Jahr. Wenn sie das schaffen, werden sie pünktlich am Ende der zehnjährigen Zinsbindung schuldenfrei sein.

So wie Monika Erle und Gerd Gröver entschließen sich immer mehr Bundesbürger im reiferen Alter noch für die eigenen vier Wände. Knapp 2 Millionen Menschen über 50 Jahre denken derzeit über den Kauf eines Eigenheims nach. Davon schmieden 400 000 schon konkrete Pläne, ergab eine Umfrage des Beratungsunternehmens empirica.

Viele aus der Generation 50 plus können sich die eigenen vier Wände ohne weiteres leisten. In den Jahren vor der Rente ist ihr Einkommen oft überdurchschnittlich hoch. Und im Schnitt haben die 50- bis 59-Jährigen doppelt so viel Vermögen wie die 30- bis 39-Jährigen – entsprechend ­weniger Schulden müssen sie für den Immobilienkauf machen.

Schnell runter mit den Schulden

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Kurz vor dem Einzug. Monika Erle entfernt hartnäckige Klebereste, die die Schutzfolien auf den neuen Fenstern hinterlassen haben.

Wenn die frischgebackenen Eigenheimbesitzer in Rente gehen, müssen die meisten allerdings mit einem deutlichen Einkommensknick rechnen ­­­­­­­­– vor allem, wenn sie neben der gesetzlichen Rente keine oder nur geringe Zusatzeinkünfte erwarten können.

Deshalb ist es wichtig, die Schulden bis zum Renteneintritt so weit wie möglich abzubauen. Im Idealfall hat der Hauseigentümer den Kredit bis dahin vollständig zurückgezahlt.

Dieses Ziel erreichen Kreditnehmer ­jenseits der 50 aber nur mit einer hohen monatlichen Belastung. Um ein 100 000-Euro-Darlehen in zehn Jahren zu tilgen, ist zum Beispiel bei einem Zins von 5 Prozent eine Monatsrate von 1 061 Euro nötig (siehe Tabelle „So hoch muss die Rate sein“). Das ist rund doppelt so viel, wie für ein gleich hohes Darlehen mit 30 Jahren Laufzeit fällig wäre.

So hohe Raten kann sich nicht jeder leisten. Dann sollten die Schulden bis zur Rente zumindest so weit abgebaut werden, dass die Monatsrate anschließend problemlos gesenkt werden kann.

Wenig Rente – wenig Rate

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Fachmann. Als gelernter Gerüstbauer kennt sich Gerd Gröver am Bau aus. Er hat vieles selbst gemacht.

Besonders geeignet sind Kredite, die eine lange Zinsbindung mit einer flexiblen Rate kombinieren. So können Kreditnehmer mit einer hohen Tilgung starten und die Rate nach Rentenbeginn senken. Gleichzeitig sichern sie sich die heute niedrigen Zinsen langfristig für 10 bis 20 Jahre.

Wir haben Banken und Vermittler nach flexiblen Angeboten für ein 57-jähriges Ehepaar gefragt, das in fünf bis acht Jahren in Rente gehen wird (siehe Tabelle „Flexible Baukredite mit Ratenanpassung“). Wichtig waren das vertragliche Recht auf mindestens eine Ratensenkung während der Zinsbindung und jährliche Sondertilgungen bis zu 5 Prozent der Kreditsumme.

Solche Kredite gehören noch nicht zum Standardrepertoire der Banken. Doch es gibt immer mehr günstige Angebote.

Die Gladbacher Bank beispielsweise hat ihr Darlehen „BaufiFlex 50 Plus“ speziell auf die Altersgruppe der über 50-Jährigen ausgerichtet. Anders als bei üblichen Baukrediten verringert sich die Rate mit zunehmender Tilgung. Das soll Kunden mit sinkendem Einkommen gerecht werden.

Der Kunde kann zudem zweimal in der Zinsbindung den Tilgungssatz zwischen 1,0 und 7,5 Prozent der ursprünglichen Kreditsumme neu festlegen und das Recht auf Sondertilgungen vereinbaren.

Auch die Zinsen stimmen. In der Variante mit 15 Jahren Zinsbindung war die Gladbacher Bank Mitte Mai günstigster Anbieter im Test. Niedrige Zinsen für flexible Kredite boten auch die meisten Kreditvermittler, aber auch Regionalinstitute wie die PSD Banken Kiel und Koblenz.

Alte Lebensversicherung einbinden

Bauherren über 50 Jahre haben oft schon vor Jahrzehnten eine Kapitallebensversicherung abgeschlossen, die in einigen Jahren fällig wird. Oder sie haben Ansprüche aus einer betrieblichen Altersvorsorge, die sie sich bei Rentenbeginn auf einen Schlag auszahlen lassen können.

Sie sollten sich die Möglichkeit offenhalten, dieses Vermögen nach der Auszahlung zur Schuldentilgung zu verwenden. Wird zum Beispiel eine Versicherung mit einer Auszahlung von 50 000 Euro schon in fünf Jahren fällig, sollte der Hauskäufer einen Teilkredit in Höhe von 50 000 Euro nur mit fünf Jahren Zinsbindung abschließen. Denn während der Zinsbindung sind so hohe Sondertilgungen in der Regel nicht möglich.

Oft wird es auch sinnvoll sein, der Bank eine bestehende Lebensversicherung als Sicherheit anzubieten. Ein hoher Rückkaufswert senkt das Kreditrisiko der Bank erheblich – und wird häufig mit einem niedrigeren Zinssatz belohnt.

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