Immobiliendarlehen in Schweizer Franken Riskantes Geschäft

15.05.2007

Die Hypovereinsbank bietet seit April variabel verzinsliche Immobiliendarlehen in Schweizer Franken an. Der Kunde nimmt das Darlehen in Franken auf und bekommt den Gegenwert in Euro ausgezahlt. Zinsen und Tilgung muss er vierteljährlich in der Schweizer Währung leisten.

Der Zinssatz beträgt derzeit 3,54 Prozent (Stand: 25. April). Dazu kommt eine einmalige Bearbeitungsgebühr von 1 Prozent der Kreditsumme. Jeweils zum Ende eines Quartals wird der Zinssatz an die Entwicklung des „Dreimonats-Libor“ für die Schweizer Währung angepasst. Das ist der Zinssatz, zu dem sich Banken am Londoner Geldmarkt Franken für drei Monate leihen. Den Kredit muss der Kunde mit mindestens 4 Prozent pro Jahr tilgen. Ab einer Kreditsumme von 75 000 Euro finanziert die Hypovereinsbank mit dem Franken-Darlehen bis zu 80 Prozent des Kaufpreises.

Vorteile: Weil die Zinsen in der Schweiz niedriger sind als in Deutschland, ist der Zinssatz anfangs niedriger als für ein Euro-Darlehen. Der Kreditnehmer kann alle drei Monate beliebig hohe Sondertilgungen leisten oder den Kredit umschulden. Sinkt der Kurs des Franken, muss er einen kleineren Euro-Betrag zurückzahlen, als er bekommen hat.

Nachteile: Der Zinssatz kann sich kurzfristig erhöhen. Selbst dramatische Zinserhöhungen sind nicht ausgeschlossen. So kletterte der Zinssatz für Dreimonatsgeld in Franken zwischen 1988 und 1990 von 1,5 auf knapp 10 Prozent. Dazu kommt das Kursrisiko. Steigt der Wert des Franken, steigen die Euro-Schulden. Schon ein kleiner Kursanstieg von nicht einmal einem Cent im Jahr würde den Zinsvorteil zunichte machen. Weitere Risiken lauern in den Vertragsbedingungen: Nach einem Kursanstieg des Franken um mehr als 15 Prozent darf die Bank den Kredit ohne Rücksprache in ein Euro-Darlehen umwandeln. Zinsanpassungen sind außerdem nur für die ersten fünf Jahre klar geregelt. Danach behält sich die Bank vor, die Konditionen zu ändern.

Fazit: Im Vergleich zu einem günstigen Euro-Darlehen mit 10 oder 15 Jahren Zinsbindung bietet das Franken-Darlehen der Hypovereinsbank nur einen Zinsvorteil von nicht einmal 1 Prozentpunkt – Zusatzkosten für den Devisentausch und höhere Grundbuch- und Notarkosten nicht einmal eingerechnet. Dafür lohnt es nicht, ein so hohes Risiko einzugehen. Eine flexible Tilgung gibt es auch bei vielen Festzinsdarlehen.

15.05.2007
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