Immobiliendachfonds Meldung

Die Idee von Immobiliendachfonds, nämlich Geld in verschiedene offene Immobilienfonds zu investieren, ist nicht aufgegangen. Als im Zuge der Finanz­krise zahlreiche offene Immobilienfonds geschlossen und abge­wickelt wurden, gerieten auch die Dachfonds in Nöte.

Im Zuge der Finanz­krise gerieten einige offene Immobilienfonds in Schwierig­keiten und wurden abge­wickelt. Auch Dachfonds, die in offene Immobilienfonds investiert haben, mussten schließen und aufgelöst werden. Einige sind jetzt vom Markt. Für Anleger ist das mit Verlusten verbunden. test.de beleuchtet die aktuelle Lage und sagt, was Anleger jetzt noch tun können.

Am 11. Dezember ist Schluss

Das Ende des Immobiliendachfonds DWS Immo­Flex Vermögens­mandat (DE000DWS0N09) ist beschlossene Sache: Am 11. Dezember 2017 verschwindet der Fonds vom Markt. Das restliche Geld wird an die Anleger ausgezahlt. Die noch verbliebenen Zielfonds, in die der Dachfonds investierte, sind verkauft. Es handelte sich dabei um offene Immobilienfonds in Auflösung. Anteile an Immobilienfonds in Auflösung können nicht an die Fonds­gesell­schaft zurück­gegeben werden. Wer verkaufen will, kann das zum Beispiel über die Börse tun, muss dabei aber einen hohen Preis­abschlag hinnehmen.

Sechs­jahres­frist ist abge­laufen

Anfang April 2012 hat DWS die Rück­nahme und Ausgabe von Anteilen an ihrem Fonds DWS Immo­Flex Vermögens­mandat einge­stellt. Nach sechs Jahren – gerechnet ab dem Tag, als die Anteils­rück­nahme ausgesetzt wurde – läuft die Frist für die Auflösung ab. Das hat die Aufsichts­behörde Bafin bestätigt. Dann muss der Fonds abge­wickelt sein. Der DWS Immo­Flex Vermögens­mandat hatte zuletzt noch Anteile unter anderem an den Fonds CS Euroreal und SEB Immoinvest. Das Management hat die Fonds auf dem Zweitmarkt verkauft. „Die erzielten Verkaufs­erlöse lagen meist auf dem Niveau der aktuellen Börsen­preise der Zielfonds, teils sogar leicht darüber“, schreibt DWS im Liquidations­bericht vom 16. November 2017.

Verluste mehr als 20 Prozent

Anleger, die den Fonds seit Ankündigung der Schließung Anfang April 2012 gehalten haben, haben nach Angaben der DWS seither einen Verlust von knapp 24 Prozent erlitten. Dieser sei vor allem auf die negative Entwick­lung der Zielfonds zurück­zuführen, heißt es bei DWS. Ein anderer Dachfonds aus dem Haus der Deutschen Bank, der DWS Immo­Flex (DE000DWS0N90) ist bereits im Mai 2017 aufgelöst worden. Mit diesem Fonds haben Anleger, die bei Schließung im Mai 2011 investiert waren, knapp 28 Prozent Verlust gemacht.

Auch Allianz Flexi Immo aufgelöst

Der Allianz Flexi Immo (DE0009797340), ebenfalls ein Immobiliendachfonds, wurde Ende September 2017 aufgelöst. Die Fonds­gesell­schaft Allianz Global Investors (AGI) verkaufte die verbliebenen Zielfonds über ein Bieter­verfahren. Der Verkauf erfolgte mit einem Abschlag auf den Nettoinventar­wert von rund 29,5 Prozent. Der Nettoinventar­wert ist der von der Fonds­gesell­schaft angegebene Wert des Fonds. Auch an der Börse wäre mit hohen Abschlägen zu rechnen gewesen, gerade beim Verkauf größerer Volumina, wie Marc Savani von AGI betont. Seit der Schließung des Fonds am 17. April 2012 haben Anleger nach Angaben von Allianz rund 25,5 Prozent Verlust gemacht.

Möglicher­weise Ansprüche aus Falsch­beratung

Anleger, die einen Immobiliendachfonds gekauft und Geld damit verloren haben, können unter Umständen auf Falsch­beratung klagen. Das sagt Rechts­anwalt Stefan Schweers von der Berliner Kanzlei Dr. Storch Rechts­anwälte. Die Berater hätten die Anleger auf das Risiko hinweisen müssen, dass ein offener Immobilienfonds schließen kann. Aber nicht nur das: In einigen Fällen war es sogar so, dass bereits bei Verkauf der Dachfonds­anteile einige der Zielfonds bereits geschlossen waren, die Risiken sich also schon verwirk­licht hatten. Darauf hätte der Berater ebenfalls aufmerk­sam machen müssen.

Drei Jahre Verjährungs­frist

Ansprüche aus Falsch­beratung verjähren drei Jahre, nachdem Anleger Kennt­nis davon erlangt haben. Dass die Immobiliendachfonds geschlossen und schließ­lich gekündigt wurden, das ist schon Jahre her. Anleger mit Dachfonds haben das in der Regel mitbekommen, zumal die Fonds­gesell­schaften darüber informieren müssen. Doch das heißt noch nicht, dass die Anleger auch wissen, warum das passiert ist. „Aus der Schließung der Dachfonds können Anleger nicht schluss­folgern, dass die Zielfonds bei Erwerb teil­weise schon geschlossen waren“, sagt Rechts­anwalt Schweers. Anleger müssen den konkreten Beratungs­fehler erkannt haben, erst dann beginnt die Verjährung.

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