Das Landgericht Berlin hat den Vermittler Kai-Uwe Klug zu fünf Jahren Haft verurteilt. Der Verkäufer von völlig überteuerten Wohnungen als Geldanlage hat unerfahrene Kunden in den finanziellen Ruin getrieben. Ohne die fragwürdige Beteiligung von Notaren und einer Bank hätten die Kriminellen ihr Geschäft nicht aufziehen können, erklärte der Richter.

Ahnungslose Anleger über den Tisch gezogen

Viele unerfahrene Kunden sind den Vermittlern um Kai-Uwe Klug auf den Leim gegangen. Sie ließen sich überreden, eine „Partnerschaft für eine Immobilie“ in Berlin als Steuersparmodell zu übernehmen. In Wirklichkeit setzte zum Beispiel das Ehepaar Blaschek aus Thale im Harz die Unterschrift unter einen Kaufvertrag für eine Wohnung in Berlin, siehe Immobilien als Kapitalanlage: In der Ferne reingelegt. Kurze Zeit später erhielt die Familie einen Kreditvertrag der Deutschen Kredit Bank (DKB) zur Finanzierung der überteuerten Eigentumswohnung. Vermittelt hatte diese „Schrottimmobilie“ die Vertriebsfirma KK Royal Basement, in der Kai-Uwe Klug das Sagen hatte. Ebenso hatte er die Finger in der Firma „Steuerlupe“, die auch schon „Steuerfüchse“ hieß, und die Kunden das angebliche Steuersparmodell erklären sollte. Die Vermittler drängten auf einen schnellen Vertragsabschuss. Mit einem überstürzten Besuch bei einem Notar war die Beurkundung des Kaufs auch in der Regel schnell erledigt.

Landgericht Berlin verurteilt neun Immobilienbetrüger

Mit dieser Methode trieben Immobilienbetrüger Kai-Uwe Klug und seine acht Komplizen etliche Anleger in den Ruin. Für ihre Vermittlungen hatten sie etliche Firmen übernommen oder gegründet. Die Betrüger erzielten dabei Renditen zwischen 22 und 35 Prozent. Die Bande soll einen Gesamtschaden in Millionenhöhe verursacht haben. Das Landgericht Berlin verurteilte Klug zu fünf Jahren Haft, die anderen acht bekamen Freiheitsstrafen von bis zu drei Jahren und sechs Monaten. Nach Angaben der Richter soll das Urteil Signalwirkung auch für andere Betrüger mit ähnlicher Geschäftsidee haben. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig. Inzwischen ermittelt die Staatsanwaltschaft auch gegen die betreffenden Notare. Auch strafbares Verhalten bei Bauträgern und Banken werde geprüft.

Landgericht Berlin, Urteil vom 13. Juni 2012
Aktenzeichen: (536) 4 Wi Js 2/08 (8/11) (noch nicht rechtskräftig)

DKB finanzierte Vermittler

Finanztest hatte bereits in Heft 02/2011 über die Rolle der finanzierenden Bank DKB in diesen Geschäften berichtet: Dubiose Immobiliengeschäfte der DKB: Neue Fakten gegen die Bank. Die DKB wusste aus Sicht von Finanztest, dass die Vermittler-Firmen die Kosten zulasten der Kunden in die Höhe getrieben haben. So erlaubte die DKB Vermittlern seit Anfang 2008, die Höhe ihrer Provision durch einen Aufschlag auf die Bankkonditionen mitzubestimmen. Die Kunden wussten das jedoch nicht. Weiter gab ein Exmitarbeiter der DKB als Zeuge vor Gericht an, dass Berechnungen für die Darlehensfinanzierung, welche Vertriebsmitarbeiter für die Kunden aufstellten, sogar Bestandteil der Kreditakten der Bank wurden.

DKB bestreitet Mitwisserschaft

Die DKB wies die Vorwürfe gegenüber Finanztest damals zurück. Sie sieht sich nur als Kreditgeberin und will nicht für die Schäden ihrer Darlehenskunden einstehen. Für die Vermittlung und Beratung seien andere zuständig gewesen. Der Bank seien die Unterlagen lediglich zwecks Darlehensanfrage für die Immobilienfinanzierung per Internet übermittelt worden. Im Übrigen habe sie alle Kaufpreise nach einem „zertifizierten Bewertungsverfahren“ geprüft und keine Überteuerungen festgestellt.

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