Immobilien

„Finanz­amt bewertet häufig zu hoch“

18.05.2021
Immobilien - Wie Finanz­ämter den Verkehrs­wert ermitteln
Maria Endeward ist Architektin und Sach­verständige für Immobilienbe­wertung in Berlin. © Pablo Castagnola

Wer mit der Immobilienbe­wertung des Finanz­amts nicht zufrieden ist, kann sich an öffent­lich bestellte und vereidigte Sach­verständige wenden. Maria Endeward ist eine von ihnen. Hier erklärt sie, wie sie arbeitet.

Inhalt

Sach­verständige dürfen nied­rigeren Wert nach­weisen

Wann kommt es auf eine unabhängige Bewertung von Immobilien bei Schenkung oder Erbschaft an?

Jedenfalls immer dann, wenn der Wert, den das Finanz­amt ermittelt hat, über­prüft werden soll. Wenn der Begüns­tigte die Schenkung oder Erbschaft ange­zeigt hat, fordert ihn das Finanz­amt auf, eine Steuererklärung abzu­geben und erlässt darauf­hin den Steuer­bescheid. Der Wert, der diesem zugrunde liegt, stimmt nicht zwangs­läufig mit dem in der Steuererklärung angegebenen Wert über­ein. Spätestens jetzt kommt der öffent­lich bestellte und vereidigte Sach­verständige ins Spiel, der einen nied­rigeren Verkehrs­wert nach­weisen darf.

Wie beur­teilen Sie die Vorgehens­weise des Finanz­amts?

Das Finanz­amt bewertet auf Grund­lage des Bewertungs­gesetzes in einem vereinfachten Verfahren. Es findet keine Besichtigung der Immobilie statt, keine Einsicht­nahme ins Grund­buch und es wird auch kein Sach­verständiger hinzugezogen. Besonderheiten des Objekts, die beispiels­weise den Wert mindern, können in einem solchen Verfahren nicht berück­sichtigt werden. Daher sind die Werte des Finanz­amts häufig zu hoch.

Besonderheiten berück­sichtigen

Was machen Sie anders oder besser als das Finanz­amt?

Ein öffent­lich bestellter und vereidigter Sach­verständiger ermittelt den Verkehrs­wert auf Basis der Immobilien­wert­ermitt­lungs­ver­ordnung. Diese sieht auch die drei Bewertungs­verfahren vor, die das Finanz­amt nutzt. Sie gibt dem Sach­verständigen aber viel mehr Möglich­keiten, Besonderheiten des Objekts und Markt­lage zu berück­sichtigen. Ein weiterer Plus­punkt gegen­über dem Finanz­amt: Ein Sach­verständiger besichtigt jedes Objekt. Dazu ist er sogar verpflichtet.

Wie lange brauchen Sie für ein Gutachten?

Für das Gutachten eines Einfamilien­hauses brauche ich etwa zwei bis drei Tage, für ein Wohn- und Geschäfts­haus eine Woche, für größere Immobilien länger.

IHK führt Sach­verständigen­liste

Wie finde ich einen Gutachter und wie hoch sind die Kosten?

Die Industrie- und Handels­kammer etwa führt im Internet eine Liste mit Sachverständigen. Das Honorar für private Gutachten ist frei verhandel­bar. Es orientiert sich am Verkehrs­wert und beträgt zur Deckung der Grund­kosten in der Regel mindestens 1 500 Euro netto. Bei einem Verkehrs­wert von 750 000 Euro sind es rund 2 500 Euro.

18.05.2021
  • Mehr zum Thema

    Schenkung­steuer Vater bleibt Vater

    - Schenken Eltern ihren Kindern Vermögen, bleiben bis zu 400 000 Euro steuerfrei. Alles, was darüber hinaus­geht, wird nach Steuerklasse I gemäß Erbschaft­steuergesetz...

    Immobilien Kaufen oder Mieten?

    - Mit dem Finanztest-Rechner können Sie ermitteln, ob Sie als Mieter oder Käufer einer Immobilie güns­tiger fahren. Die Berechnung ist kompliziert, aber mit unserem Rechner...

    Erbschaft­steuer Frei­beträge nutzen, Steuer sparen

    - Dank hoher Frei­beträge bleiben Erbschaften im Familien­kreis oft steuerfrei. Wir erklären, wie Sie auch große Vermögen steuerfrei über­tragen – mit Erbschafts­steuer­rechner.