Im Urlaub versichert Test

Reisegepäckversicherung, Mallorca-Police, Schutzbrief fürs Auto – speziell für den Urlaub gibt es viele Versicherungsangebote. Nur wenige davon sind wirklich wichtig.

Was ist eigentlich, wenn uns im Ausland etwas passiert? Zwischen Kofferpacken und Auffüllen der Reiseapotheke durchzuckt der Gedanke an den Versicherungsschutz den Kopf.

Doch es gibt keinen Grund zur Panik: Der Schutz vieler Policen für den Alltag zuhause ist bei einem zwei- oder dreiwöchigen Urlaub mit im Gepäck. Was fehlt, gibt es meist noch kurz vor der Abreise.

Unfall mit Folgen

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Reisende, die eine Berufsunfähigkeitsversicherung oder eine private Unfallversicherung haben, können sich auch im Sommerurlaub auf den Schutz verlassen. Sollte ein Versicherter bei einer Radtour in Italien so schwer stürzen, dass er invalide wird und seinen Beruf nicht mehr ausüben kann, hat er Ansprüche gegen die Versicherer. Wo er gestürzt ist, spielt in aller Regel keine Rolle.

Tipp: Wenn Sie noch keinen Unfallschutz haben, ist es sinnvoller, eine private Unfallversicherung zu wählen, die in verschiedenen Lebenslagen einspringt, als eine reine Reiseunfallversicherung.

Hat der Urlauber bei der Radtour jemanden verletzt, gilt in aller Regel auch im Ausland der Schutz der Privathaftpflichtversicherung. Die Police, die für den Schaden des anderen aufkommt, sollte jeder haben.

Tipp: Eine Reisehaftpflichtversicherung, die Ihnen womöglich in einem Versicherungspaket speziell für den Urlaub angeboten wird, brauchen Sie nicht noch dazu.

Krank auf Reisen

Manche Unglücksraben können ihren Urlaub gar nicht erst antreten. Dann sorgt eine Reiserücktrittskostenversicherung dafür, dass nicht gleich die ganzen Ausgaben verloren sind. Viele Versicherer tragen die Stornogebühren nicht nur, wenn wegen der Windpocken der Tochter die Reise ins Wasser fällt, sondern auch, wenn ein Reisender plötzlich arbeitslos wird.

Wer den Schutz will, hat meist nicht viel Zeit zum Überlegen: Viele Versicherer verlangen, dass der Vertrag binnen zwei Wochen nach Reisebuchung geschlossen wird.

Tipp: Sinnvoll ist der Schutz bei teuren Reisen und bei Reisen mit Kindern. Der Preis richtet sich nach dem Wert der Reise.

Ein Muss ist für gesetzlich krankenversicherte Urlauber die Auslandsreise-Krankenversicherung. Ohne sie ist die Gefahr groß, dass der Patient zumindest auf einem Teil der Behandlungskosten im Ausland und den Kosten für den Krankenrücktransport sitzenbleibt. Der Schutz der deutschen Krankenkasse reicht nur begrenzt.

Tipp: Den passenden Zusatzschutz gibt es schon für unter 10 Euro im Jahr. Sie können ihn bis kurz vor der Reise abschließen.

Hausrat unterwegs geschützt

Urlauber, die eine Hausratversicherung haben, nehmen diesen Schutz bei vorübergehenden Auslandsaufenthalten mit. Der Versicherer springt ein, wenn zum Beispiel das Gepäck aus der verschlossenen Ferienwohnung gestohlen wird oder Räuber den Versicherten auf der Straße überfallen. Haben Reisende grob fahrlässig gehandelt und das Fenster der Ferienwohnung nicht verschlossen, werden sie den Schaden aber oft nicht voll erstattet bekommen.

Tipp: Nach einem Schaden müssen Sie zur Polizei gehen und den Versicherer unverzüglich informieren.

Eine Reisegepäckversicherung ist für Urlauber mit Hausratversicherung überflüssig. Auch für alle anderen wird sie sich kaum lohnen. Denn dieser Schutz für den Fall des Diebstahls oder der Beschädigung ist vergleichsweise teuer und die Versicherer zahlen nur unter strengen Auflagen.

Mit dem eigenen Auto ins Ausland

Urlauber, die mit dem eigenen Auto ins Ausland reisen, sollten die Grüne Karte des Versicherers im Handschuhfach haben. Der kostenlose Versicherungsnachweis ist für Reisen in viele Länder Europas zwar keine Pflicht mehr, er kann aber beispielsweise nach einem Unfall sehr hilfreich sein.

Eine nützliche Ergänzung zur eigenen Haftpflichtversicherung ist eine Auslands-schadenschutzpolice. Sie hilft dem Versicherten, wenn er im Ausland ohne eigene Schuld in einen Unfall verwickelt wird.

Zwar muss der gegnerische Versicherer für den Schaden aufkommen, doch häufig zahlen ausländische Versicherer weniger als die deutschen. Mit der zusätzlichen Police wird der Urlauber so gestellt, als sei der Unfallverursacher bei einem deutschen Anbieter versichert.

Tipp: Vor Vertragsabschluss ist ein Blick in die Bedingungen wichtig, denn oft gilt der Schutz nicht für alle europäischen Länder. Erkundigen Sie sich beim Versicherer zudem, ob der Kaskoschutz für Ihr Fahrzeug auch im Reiseland gilt. Bei manchen Tarifen sind Einschränkungen möglich.

Gibt es nach einem Auslandsunfall Streit, trägt die Verkehrsrechtsschutzversicherung Anwalts- und Gerichtskosten. Spezieller Reiserechtsschutz ist dafür nicht nötig.

Hilfreich kann ein Autoschutzbrief sein: Die Versicherer bieten organisatorische Hilfe nach Unfällen oder Autopannen.

Fahrten mit dem Mietwagen

Wenn Urlauber spontan einen Mietwagen nehmen und damit einen Unfall verursachen, kann der Ausflug teuer werden: Unter Umständen müssen sie einen Teil der Kosten selbst tragen, denn selbst in klassischen Urlaubsländern wie Griechenland oder Spanien sind die Versicherungsleistungen so niedrig, dass sie womöglich nicht zur Deckung eines schweren Schadens reichen.

Urlauber, die in ihrer Kfz-Haftpflichtversicherung die „Mallorca-Police“ mit eingeschlossen haben, entgehen dem Problem: Mit der Police gelten auch für Mietwagen im Ausland höhere Deckungssummen.

In sehr günstigen Haftpflichttarifen kann der Schutz fehlen. Dann lohnt es sich, ihn vor der Reise extra abzuschließen.

Tipp: Sie können auch von zuhause aus ein Auto bei einem Anbieter mieten, der deutschen Versicherungsschutz bietet.

Schutz für das Zuhause

Einen ordentlichen Schrecken gibt es bei der Rückkehr, wenn während der Abwesenheit zum Beispiel ein Wasserrohr geplatzt ist, sodass jetzt im Eigenheim die Wände feucht sind. In so einem Fall trägt die Wohngebäudeversicherung die Kosten, wenn Leitungswasserschäden mitversichert sind.

Hat das Wasser Möbel beschädigt, springt der Hausratversicherer ein. Dieser Versicherer ist auch gefragt, wenn Diebe beispielsweise das Gartenhäuschen aufgebrochen und Geräte gestohlen haben.

Tipp: Über den Sommerurlaub müssen Sie den Hausratversicherer nicht vorab informieren. Sagen Sie ihm aber Bescheid, wenn Ihr Zuhause länger als etwa zwei Monate leer steht.

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