Ikea Uppleva: TV-Heimkino-Kombination Schnelltest

Besta Uppleva von Ikea

Alles in einem: Fernseher, Stereoanlage, Blu-ray-Spieler. Mit Uppleva will Ikea Kabelsalat verhindern. Das klappt nicht ganz.

Ab heute bietet Ikea sein neues Möbelstück Uppleva auch in Deutschland an. Es handelt sich um eine Kombination aus Fernseher, Blu-ray-Heimkino-Anlage. In Schweden gibt es Uppleva schon etwas länger. Die Stiftung Warentest konnte es dank seiner europäischen Partner­organisationen bereits vor dem offiziellen Verkaufsstart in Schweden einkaufen und testen. test.de verrät, wie das Urteil der Experten ausfällt.

Angebot: Nur in Berlin

Die Idee ist charmant: Fernseher, Blu-ray-Spieler und 2.1 Soundsystem vereint in einem Möbelstück. „Kabelsalat adé“ bringt der schwedische Erfinder des Billy-Regals die Vorteile seines neuen Produktes „Uppleva“ auf den Punkt. „Uppleva“ bedeutet frei übersetzt „Erfahrung“. Die hat Ikea mit Unterhaltungselektronik bisher kaum. Die technischen Komponenten kommen allesamt vom chinesischen Hersteller TCL. Seit heute (Montag, 2. Juli) bietet Ikea das Multifunktionsmöbel in Deutschland an, bisher nur in einem Markt in Berlin-Lichtenberg. Ab Oktober soll das Gerät dann auch in Berlin-Spandau zu kaufen sein. Ab 2013 in ganz Deutschland. Im Heimatland Schweden gibt es das Gerät schon länger in einem Ikea-Markt zu kaufen, Die Stiftung Warentest konnte es daher mit Hilfe ihrer europäischen Partner schon vor dem offiziellen Verkaufsstart in Deutschland einkaufen und testen. Das Urteil der Experten fällt durchwachsen aus.

Fernseher: Mittelmaß

Der Full-HD-Fernseher hat eine Bilddiagonale von 102 Zentimetern. Er ist das Kernstück von Uppleva. Die Bildqualität ist nur durchschnittlich. Im so genannten Home-Mode, also der Bildvoreinstellung für zuhause, ist eine Bewegtbildkompensation eingeschaltet. Die erzeugt zwar ein flüssigeres Bild, zeigt bei Bewegungen aber digitale Artefakte (Klötzchen). Der Kontrast ist annehmbar. Die Farbwiedergabe ist leicht gelbstichig. Es zeigt sich teilweise Nachziehen. Fazit: Das Bild des Ikea-Fernsehers ist keine Katastrophe, aber auch keine Offenbarung. Der Produktfinder Fernseher enthält deutlich bessere Geräte.

Kabelsalat: Immer noch möglich

Der Fernseher verfügt unter anderem über vier HDMI-Anschlüsse, zwei USB-Anschlüsse, einen analogen Cinch-Eingang und einen Kopfhörerausgang. Die meisten Anschlüsse sind seitlich angebracht. „Kabelsalat adé“ sieht anders aus, denn so können Kabel durchaus sichtbar sein. Der Fernseher kann sowohl über ein Netzwerkkabel als auch per mitgelieferten WLan-Dongle, der per USB angeschlossen wird, mit dem Internet verbunden werden. So können Zuschauer dann auch auf das Smart-TV-Angebot des Fernsehers zurückgreifen. Die Handhabung lässt hier aber zu wünschen übrig (siehe unten). Vom Einschalten bis zum stabilen Bild braucht der Uppleva-Fernseher 15 Sekunden. Beim Umschalten vergehen gute drei Sekunden. Das schaffen andere Fernseher schneller, allerdings gibt es auch viele die langsamer sind.

Heimkino-System: Wenig Stereo

Das Heimkino-System besteht aus einem Blu-ray-Spieler und einem 2.1-Soundsystem. Das heißt: Zwei Stereo-Frontlautsprecher, die direkt unter dem Fernseher fest verbaut werden, und ein Subwoofer für die tiefen Basstöne sorgen für den Sound. Praktisch: Der Subwoofer empfängt das Tonsignal kabellos. Er kann daher gut versteckt werden. Wo genau er im Raum steht ist für das Hörerlebnis in der Regel nicht so entscheidend. Da die beiden Stereolautsprecher direkt nebeneinander platziert sind, hält sich das Stereoerlebnis aber doch in Grenzen. Es wäre deutlich stärker, wenn der rechte und der linke Lautsprecher weiter auseinander stünden.

Subwoofer: Matschiger Klang

Auch der Subwoofer zeigt Schwächen. Die Bässe sind zu stark und klingen unpräzise. Gerade wenn der Subwoofer in einer Ecke des Raumes versteckt wird, kann das zu einem mulmigen, nicht zufriedenstellenden Ton führen. Das ist ein echter Nachteil im Vergleich zu anderen Heimkino-Systemen, deren Subwoofer sich mit Reglern auch an solch kritische Aufstellorte anpassen lässt. Insgesamt ist die Tonqualität wenig zufriedenstellend. Im Vergleich zum Sound der direkt aus den schmalen Fernsehboxen kommt, ist der Stereosound aber deutlich besser. Grundsätzlich ist der Anschluss einer Stereoanlage also keine schlechte Idee. Das Heimkinosystem verfügt nur über einen HDMI-Anschluss und der ist für die Verbindung zum Fernseher belegt. Nutzer eines zusätzlichen Aufnahmegerätes stellt das vor Probleme. Der Blu-ray-Spieler des Systems spielt alle gängigen Formate ab. Für das Starten einer bereits eingelegten Blu-ray braucht er 24 Sekunden aus dem Standby, bis der erste Ton kommt vergehen 30 Sekunden im Fernsehbetrieb. Das ist Durchschnitt.

Handhabung: Hakelig

Eine kinderleichte Bedienung verspricht Ikea in seinem Uppleva-Werbespot. Tatsächlich ist es ein echter Vorteil, nur eine Fernbedienung für zwei Geräte zu haben. Zwar liefert Ikea zwei Fernbedienungen mit, eine zum Fernseher, eine zur Heimkinoanlage, die sind aber identisch. Praktisch: Zuschauer können unabhängig davon, in welchem Schaltmodus die Fernbedienung gerade ist, die Lautstärke der 2.1-Anlage regulieren. Ansonsten überzeugt die Menüführung nicht. Sie ist verwirrend arrangiert. Außerdem reagiert das Menü langsam und verspätet auf Eingaben. Das ist nervig. Neben zahlreichen Apps für Youtube, Facebook oder für die Mediatheken verschiedener Sender, gibt es auch einen vollständigen Internetbrowser. Wer damit durchs Netz surfen will, gibt aber wahrscheinlich schnell auf: Zu schlecht erkennt der Nutzer, welches Seitenelement einer Webseite er gerade ausgewählt hat. Die Eingabe von Internetadressen oder Suchwörtern ist zudem generell ein Problem beim Smart-TV, da die vollständige Tastatur fehlt.

Aufbau: Besser zu zweit

Wer das schwedische Möbelhaus kennt, weiß: Vor das Vergnügen hat Ikea-Gründer Ingvar Kamprad den Aufbau gestellt. Für erfahrene Kunden stellt der kein Problem dar. Uppleva lässt sich sogar alleine aufbauen. Die Experten empfehlen aber den Aufbau zu zweit. In unseren Paketen waren alle Teile und nötigen Werkzeuge enthalten. Weniger toll ist allerdings die Gebrauchsanleitung, beziehungsweise die verschiedenen Anleitungen, denn Ikea liefert für jedes einzelne Teil auch eine eigene, verwirrend. Außerdem bestehen sie nur aus Bildern, wie bei Ikea üblich. Ein kurzer Erklärtext fehlt. Gerade unerfahrenen Ikea-Neulingen könnte das Schwierigkeiten bereiten. Das Komplett-System bietet noch einen weiteren Nachteil: Die einzelnen Elektronik-Komponenten lassen sich nicht ohne weiteres austauschen. Immerhin: Ikea bietet auf Uppleva 5 Jahre Garantie.

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