Selbstständig statt arbeitslos - fast 250 000 Wagemutige entschieden sich im vergangenen Jahr für die staatlich geförderte Existenzgründung als Überbrückungsgeld- oder Existenzgründungszuschuss-Empfänger, hat die Bundesagentur für Arbeit (BA) gemeldet. Für beide Förderinstrumente zusammen stellte die Gerster-Behörde insgesamt rund 1,7 Milliarden Euro zur Verfügung, gut 268 Millionen Euro davon für die „Ich-AGs“.

3012 Gründer gaben wieder auf

Für die BA ist die „Ich-AG“ - offizieller Titel: Existenzgründungszuschuss - schon jetzt ein Erfolgsmodell. Mit bundesweit rund 93 000 Empfängern im Jahr 2003 wurden die Erwartungen zumindest quantitativ deutlich übertroffen. Ob das auch für die Qualität der Gründungen gilt, wird die Zukunft zeigen: Die Zahl der „Ich-AG“-Gründungen, die scheitern, dürfte einer der entscheidenden Gradmesser für Erfolg oder Misserfolg der Maßnahme sein. Bislang haben laut BA-Statistik 3012 der neuen Selbstständigen ihr Unternehmen wieder aufgegeben und die Förderung abgebrochen. Sollte diese Zahl im laufenden Jahr deutlich wachsen, wird auch den Kritikern der „Ich-AG“-Regelung mehr Gehör geschenkt werden. Umstritten ist zum Beispiel, ob die Geschäftsmodelle der „Ich-AG“-Gründer von einer sachkundigen Stelle, zum Beispiel einem Steuerberater oder einer Kammer, beurteilt werden sollten oder nicht. Hintergrund: Während „Ich-AGler“ auf ein Gutachten verzichten können, sind Überbrückungsgeld-Empfänger gezwungen, eine Stellungnahme vorzulegen.

Monatlicher Zuschuss an die Firmenkasse

Ob mobiler Reisemarkt, Blumenladen, Hausmeister-Dienst oder Grußkarten-Gestalter - Kreativität und Einfallsreichtum sind bei den neuen Ein-Personen-Firmen kaum Grenzen gesetzt. Die „Ich-AGs“ gehören zu den viel diskutierten Förderinstrumenten der Hartz-Reformen, die seit Januar 2003 greifen. Bedingungen für Antragsteller: Sie müssen Arbeitslosengeld beziehen, eine gute Geschäftsidee und obendrein viel Eigeninitiative haben. Dann belohnt Nürnberg die Firmenkasse im ersten Jahr mit einem monatlichen Zuschuss von 600 Euro, im zweiten Jahr sind es 360, im dritten noch 240 Euro. Alle Pflichtversicherungen allerdings müssen die „Ich-AG“-Chefs dann selbst zahlen. Außerdem gilt: Sie dürfen jährlich nicht mehr als 25 000 Euro Gewinn machen. Eine andere Bedingung ist mittlerweile aufgehoben worden: Durften zunächst nur Familienmitglieder für eine „Ich-AG“ tätig sein, ist es jetzt auch erlaubt, Dritte einzustellen.

Beliebte Alternative: Überbrückungsgeld

Eine andere Finanzquelle für Gründer in spe ist das Überbrückungsgeld. Wie schon bei der „Ich-AG“ haben Arbeitslose, die alle Voraussetzungen erfüllen, seit dem 1. Januar 2004 einen Rechtsanspruch auf diese Förderung. Anders als der Existenzgründungszuschuss wird sie maximal für sechs Monate und nicht als Festbetrag gezahlt: Die Höhe richtet sich nach dem Arbeitslosengeld, das vorher bezogen wurde, plus einem pauschalen Sozialversicherungsbeitrag für die Zahlungen zur gesetzlichen Renten-, Kranken- und Pflegeversicherung. Für Arbeitslose, die vor dem Jobverlust ein relativ hohes Einkommen hatten, kann Überbrückungsgeld also durchaus lukrativer sein - „durchrechnen lohnt sich“, raten Existenzgründungs-Experten. Laut BA-Angaben stieg die Zahl der Empfänger von Überbrückungsgeld im vergangenen Jahr deutlich: Insgesamt machten sich 156 966 Personen auf diesem Wege selbstständig - das sind rund 34 000 Personen mehr als noch im Jahr 2002. Entsprechend stiegen die Ausgaben für die Förderung um rund 40 Prozent auf rund 1,4 Milliarden Euro. Weitere Informationen rund um das Thema „Existenzgründung aus der Arbeitslosigkeit“ finden Sie auch im Spezial-Heft „Finanztest extra Existenzgründung“.

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