Wer sich eine eigene Website bauen möchte, muss kein Programmierer sein: Mit speziellen Programmen, so genannten grafischen Editoren, können Interessierte die Grundlagen des Webauthorings in wenigen Tagen auch ohne Programmierkenntnisse erlernen. Die Kurse, die dafür angeboten werden, haben in der Regel eine hohe Qualität, sind aber oft zeitlich knapp bemessen.

Um eine Internetpräsenz mit einem grafischen Editor (Wysiwyg) selbst erstellen und später entsprechend pflegen zu können, braucht man neben technischem Know-how gestalterische, juristische und journalistische Grundkenntnisse. Für Einsteiger werden auf dem Weiterbildungsmarkt in der Regel Kurzseminare angeboten, die sich vor allem auf die Einweisung in die jeweiligen Programme konzentrieren. Viele dieser Angebote können durch Aufbauseminare ergänzt werden.

Einsteigerkurse unter der Lupe

Wir haben Einführungsseminare zu zwei gängigen Webauthoring-Programmen unter die Lupe genommen: Frontpage von Microsoft und Dreamweaver von Macromedia. Die Kurse dauerten ein bis drei Tage und sollten die Teilnehmer in die Lage versetzen, mit Hilfe des jeweiligen Programms eine Website planen, konstruieren und publizieren zu können. Getestet haben wir jeweils 9 Frontpage- und 9 Dreamweaver-Einführungskurse von insgesamt 17 Anbietern.

Dass es für ein solches Anwendungs-Know-how im privaten wie im professionellen Bereich Bedarf gibt, bestätigt die Statistik: Laut einer aktuellen Studie der Organisation für Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) hat kein Land weltweit so viele Websites pro Kopf wie Deutschland, 84,7 pro 1 000 Einwohner. Als Gründe für diese Vorreiterrolle gibt die OECD die relativ geringen Kosten an, die anfallen, um in Deutschland eine Internetpräsenz einzurichten. Vor allem die klein- und mittelständischen Unternehmen (KMU) betätigen sich laut Studie als Wachstumsmotor in diesem Bereich.

Massenmedium Internet

Tatsächlich ist das Internet in Deutschland längst zum Massenmedium geworden; eine eigene Website bietet auch KMU, Verbänden, Institutionen und unter Umständen Privatpersonen Wettbewerbsvorteile. Oft ist sie eine betriebswirtschaftliche Notwendigkeit. Doch professionelle Agenturen mit der Erstellung einer Website zu beauftragen, übersteigt die finanziellen Möglichkeiten vieler Unternehmen oder Institute. Umgekehrt sind solche Aufträge für die Agenturen häufig ökonomisch nicht attraktiv. Das schafft eine Nische zum Beispiel für Arbeitnehmer mit Computer-Kenntnissen, die Unternehmen vergleichsweise günstig eine Internetpräsenz in Eigenregie erstellen und so zum Beispiel ihre persönliche Stellung im Betrieb verbessern können. Auch freie Anbieter haben so die Möglichkeit, den Unternehmen ihre Dienste anzubieten.

Wir wollten wissen, ob die Dozenten es schaffen, den Teilnehmern in der knapp bemessenen Zeit einen ausreichenden Einblick in das jeweilige Programm zu gewähren. So sollten die Teilnehmer zum Beispiel die Programm-Oberfläche kennen lernen und in der Lage sein, Dateien zu erstellen und zu speichern. Sie sollten Bilder, Grafiken und Tabellen einfügen und formatieren können, um die fertige Website schließlich online zu stellen. Auch von Frames (Rahmen, die eine komplexere Struktur einer Website ermöglichen), der Programmiersprache Javascript und der Möglichkeit, Multimedia-Elemente auf einer Website einzusetzen, sollten die Teilnehmer nach einem Einführungskurs bereits gehört haben.

Technik ist nicht alles

Technik ist beim Webauthoring aber nicht alles: Wer eine Website in das World Wide Web schickt, kommt auch nicht ohne rechtliche Hinweise, etwa zum Urheberrecht, zur Anbieterkennzeichnung oder zu Verlinkungen, aus. Um die Inhalte der Seite auch konsumierbar zu machen, muss zum Beispiel Wissen um gestalterische Grundsätze vorhanden sein. Gerade diese so genannten nichttechnischen Inhalte konnten in den von uns getesteten Kurzseminaren nur kurz angerissen werden, um den Teilnehmern das Spektrum deutlich zu machen, um das es beim „Webpublishing“ geht. Deshalb ist es auch so wichtig, dass die Dozenten an die Zeit nach dem Kurs denken und auf weiter führende Informationsquellen, etwa einschlägige Websites, verweisen.

Neben der fachlichen Qualität der Kurse haben wir auch die Rahmenbedingungen, den Service und die Qualität der Kundeninformation untersucht. Hinzu kommt die Analyse der Allgemeinen Geschäftsbedingungen (AGB); sie ergab, dass nur ein einziger Anbieter keine unzulässige Klausel in seinen AGB aufgenommen hat (siehe Kasten). Außerdem haben wir einen Blick auf die didaktische Qualität der von uns besuchten Kurse geworfen (siehe Tabelle).

Preise variieren stark

Die Untersuchung hat gezeigt, dass die fachliche Qualität der getesteten Kurse im Allgemeinen hoch gewesen ist. Auffallend war jedoch die enorme Preisspanne: Sie betrug sowohl bei den Frontpage- als auch bei den Dreamweaver-Seminaren mehr als 1 000 Euro. Die Berliner Volkshochschule Treptow-Köpenick berechnete den Teilnehmern für ihre zweitägige Dreamweaver-Einführung 38,40 Euro. Für den  dreitägigen Frontpagekurs von Unilog Integrata Training mussten die Teilnehmer dagegen 1 252,80 Euro berappen. Die vorhandenen Qualitätsunterschiede allein rechtfertigen diese Preisunterschiede bei weitem nicht. Dennoch erzielten die jeweils teuersten Anbieter auch die besten Ergebnisse: Das ergiebigste Dreamweaver-Seminar bot die DTP Akademie, das beste Frontpage-Ergebnis erzielte Unilog Integrata.

Obwohl wir keinem der 18 untersuchten Kurse eine „niedrige" oder "sehr niedrige" fachliche Qualität bescheinigen müssen, fällt auf, dass sich die besseren Kurse meist über drei Tage erstreckten. Hier hatten die Teilnehmer genügend Zeit, das Erlernte in praktischen Übungen zu festigen. Übungen waren zwar in allen von uns untersuchten Seminaren Standard, aber ihr Umfang war in den dreitägigen Seminaren höher.

Mit den Argumenten Stofffülle und Zeitdruck lassen sich aber nicht alle fachlichen Mängel in vielen Seminaren erklären. Die Möglichkeit, die im Kurs erstellte Website auch wirklich ins Netz zu stellen, also „upzuloaden“, sollte in einem Webauthoring-Seminar zum Beispiel selbstverständlich sein. Aber nicht alle Anbieter machten dies möglich.

Kaum Informationen zu den Seminaren

Die komplexen Programme und die zu bewältigende Stofffülle wirkte sich auch auf den Seminar-Inhalt aus. So bot zum Beispiel das PC-College eine konzeptionell einwandfreie Dreamweaver-Einführung über zwei Tage; doch der Dozent verzichtete gänzlich darauf, die nichttechnischen Inhalte anzusprechen. Der Frontpage-Anbieter New Horizons schlug in seinem eintägigen Seminar die entgegen gesetzte Richtung ein: Während zentrale Inhalte zur Anwendung kaum zur Sprache kamen, legte der Dozent großen Wert auf rechtliche Hinweise.

Insgesamt konzentrierten sich die Dozenten der von uns untersuchten Kurse vor allem auf die Bewältigung des vorgegebenen Stoffs; nicht immer fanden sie Zeit, auf die Wünsche der Kursteilnehmer einzugehen. Im Allgemeinen fiel die große inhaltliche Variationsbreite der Kursprogramme auf, obwohl Einsteiger-Seminare eher wenig Spielraum für inhaltliche Sprünge bieten können.

Da die Qualität der Kundeninformation auf den Websites der Anbieter oft zu Wünschen übrig ließ, wurden die Unterschiede zwischen den Kursprogrammen zu einem echten Problem für den Verbraucher. Denn insbesondere bei den online verfügbaren Informationen zu den Seminaren zeigten die Anbieter große Schwächen. Die Beschreibungen der Seminare war meist knapp gehalten, häufig fehlten zum Beispiel Informationen zur verwendeten Software, zum Seminargegenstand, zu Lernzielen und Unterrichtsmethoden.

Anbieter-Websites mit Mängeln

Auch im Allgemeinen offenbarten die Websites der Anbieter Mängel. Was bei Weiterbildungsfirmen, die IT-Themen anbieten, auf den ersten Blick überraschend klingt, ist offenbar kein Einzelfall: Auch bei unserem Test zur Beratungsqualität zu Kursen, die zum Netzwerkspezialisten weiterbilden, mussten wir einigen Anbieter-Auftritten Mängel attestieren.

Was die Übersichtlichkeit, Navigation und Funktionalität der Websites angeht, scheint sich zumindest ein gewisser Standard bei der Gestaltung des Hauptmenüs durchgesetzt zu haben. Ein Menü war zum Beispiel auf allen untersuchten Internetauftritten immer sichtbar. In aller Regel war auch zu erkennen, in welchem Bereich der Internet-Präsenz man sich gerade befand. Eine Sitemap (Übersichtsplan) zur besseren Orientierung boten allerdings weniger als die Hälfte der untersuchten Anbieter.

Die privaten Anbieter waren im Allgemeinen um einen ansprechenden Service bemüht: Sie informierten auf ihren Websites umfangreich über ihr eigenes Unternehmen und waren für ihre Kunden erreichbar. Auch die Betreuung der Kunden vor Ort funktionierte in der Regel recht gut. Anders sieht das bei den öffentlichen Anbietern aus: Die Volkshochschulen (VHS) fielen gerade im Servicebereich ab. Allerdings sind sie mit kommerziellen Anbietern nur bedingt zu vergleichen. Volkshochschulen verfolgen keine ökonomischen Interessen, weshalb sie zum Beispiel Referenzen und Kooperationspartner oft nicht nennen.

Volkshochschulen fallen aus dem Rahmen

Auch das Zentrum für Graphische Datenverarbeitung (ZGDV) lässt sich als eingetragener Verein nicht mit privaten Anbietern vergleichen. Vor allem in Hinblick auf Rahmenbedingungen und Service fällt das ZGDV, das mit der Technischen Universität Darmstadt und dem Fraunhofer Institut kooperiert, gegenüber privaten Firmen ab. So wurden die Teilnehmer zum Beispiel in einem fensterlosen Raum geschult. Für einen Verein, der sich dem Technologietransfer zwischen Wissenschaft und Wirtschaft verschrieben hat, leistet sich die ZGDV zudem eine Website mit auffallend vielen Mängeln, insbesondere was Übersichtlichkeit, Navigation und Funktionalität angeht. Dennoch hat auch das ZGDV seine Vorzüge: Wie viele öffentlich geförderte Einrichtungen gewährt es bestimmten gesellschaftlichen Gruppen zum Teil erhebliche Preisrabatte ein, zum Beispiel Arbeitslosen und Studenten.

Vorurteile bestätigt

Dennoch sind die öffentlichen Anbieter konkurrenzfähig. So bestätigten etwa die Volkshochschulen zwar die gängigen Vorurteile, ihre Dozenten seien pädagogisch oft unzureichend geschult und ihr Service mäßig. Die VHS Frankfurt am Main macht aber stellvertretend die Vorzüge der öffentlichen Träger deutlich: Ihre zweitägige Dreamweaver-Einführung hatte ein hohes fachliches Niveau. Nur das fehlende Ansprechen der nichttechnischen Inhalte verhinderte eine bessere Einschätzung. Damit bewegte sich die VHS auf dem fachlichen Niveau von Anbietern wie Macromedia oder PC-College mit ihren ebenfalls zweitägigen Dreamweaver-Kursen. Schaut man aber auf den Preis, sieht die Sache anders aus. Die VHS Frankfurt war rund 600 bzw. 700 Euro günstiger als die Kontrahenten PC-College und Macromedia.

Dieser Artikel ist hilfreich. 822 Nutzer finden das hilfreich.