INTERVIEW Meldung

Dr. Cornelia Nowack ist Projektleiterin Versicherungen bei der Stiftung Warentest.

Wer eine Versicherung gegen Über­schwemmungen braucht, bekommt keine.

Hurrikans in den USA, Herbststürme hier: Viele Hausbesitzer wollen sich gegen Naturkatastrophen versichern.
Dafür gibt es die Elementarschadenversicherung, die unter anderem bei Überschwemmungen, Erdbeben, Erdrutsch oder auch bei Lawinen greift.

Was kostet das?
Für ein durchschnittliches Einfamilienhaus etwa 40 bis 400 Euro pro Jahr. Den Vertrag gibt es aber nur zusätzlich zur Wohngebäudeversicherung.

40 Euro? Das gilt wohl nur für Gebiete, wo es sowieso keine Überschwemmungen gibt?
Das ist das Problem. Die Versicherer teilen das Bundesgebiet in vier Gefährdungsklassen auf. In den Klassen 4 und 3, wo es statistisch gesehen einmal alle zehn beziehungsweise alle 50 Jahre ein Hochwasser gibt, ist fast kein Vertrag zu bekommen. Anders ausgedrückt: Der Versicherungsschutz gegen Hochwasser wird für Häuser angeboten, für die ohnehin kaum Gefahr besteht.

Deshalb wird immer wieder eine Pflicht­versi­cherung vorgeschlagen, die für alle Hausbesitzer verbindlich sein soll.
Ja, aber laut Versicherungswirtschaft liegen weniger als fünf Prozent aller Häuser in den Klassen 3 und 4. Die allermeisten gehören in Klasse 1, wo es seltener als alle 200 Jahre ein Hochwasser gibt. Und dem Gedanken einer Pflichtversicherung liegt eigentlich zugrunde, dass sich das versicherte Risiko auch wirklich bei allen Kunden realisieren kann. Das wäre bei einer reinen Hochwasserpflichtpolice jedenfalls nicht so.

Aber wenigstens vor Sturmschäden kann man sich mit einer Wohngebäudeversiche­rung schützen.
Richtig, und einen solchen Vertrag können alle Hausbesitzer bekommen. Der Versicherungsschutz bei Sturm/Hagel ist vor allem dort wichtig, wo es öfter schwere Stürme gibt.

Wie schwer müssen die denn sein?
Die Versicherer zahlen ab Windstärke 8. Ob die erreicht wurde, kann man bei der nächsten Wetterstation erfahren. Als Indiz gilt auch, wenn mehrere Häuser in der Nachbarschaft stark beschädigt wurden. Aber der Schutz vor Naturkatastrophen ist längst nicht alles: Die Hauptgefahr für Hausbesitzer ist Feuer. Deshalb empfehlen wir eine Feuerversicherung. Diese Police sollte jeder unbedingt haben.

Dieser Artikel ist hilfreich. 392 Nutzer finden das hilfreich.