Wandel­anleihen des welt­weit tätigen Ölkonzerns Schlum­berger bietet eine ICB Group aus Zürich an. Zur Auswahl stehen drei „Editionen“ mit Lauf­zeiten von einem bis fünf Jahren. Anlegern winken erstaunliche Renditen von 6,25 bis 9,25 Prozent pro Jahr. Der Haken an der Sache: Schlum­berger hat gar keine Anleihen mit den beschriebenen Konditionen.

Mindest­investment 10 000 Euro

Mitarbeiter einer ICB Group aus Zürich haben Anleger in Deutsch­land angerufen und ihnen die Wandel­anleihen schmack­haft gemacht. Interes­senten haben sie dann einen Zeichnungs­schein für die Papiere der „Schlum­berger N.V. (Ltd.) New York“ mit den genauen Konditionen zuge­schickt. Solche Anleihen können in Aktien des jeweiligen Unter­nehmens umge­wandelt werden. In diesem Fall sollten die Anleger aber wider­sprechen und einfach nur die Zinsen einstreichen dürfen. Bedingung: Anleger müssten mindestens 10 000 Euro investieren. Anleihen bis zu einem Volumen von 100 Millionen stünden zur Verfügung.

Schlum­berger hat keine Anleihen mit diesen Konditionen

Für unbe­darfte Anleger ein vermeintlich tolles Angebot: In „nicht unternehmerischer Weise“ könnten sie sich an „Projekten aus dem Bereich eines erdölexplorierenden Unter­nehmens“ beteiligen, schrieb die ICB Group. Die Realität sieht jedoch anders aus: Anleger, die auf das ICB-Angebot eingehen, können über­haupt nicht von irgend­welchen Aktivitäten des Welt­konzerns profitieren. Malcolm Theobald, Manager für Investoren­angelegenheiten bei Schlum­berger, hat auf Nach­frage von test.de mitgeteilt, die Anleihen seien „kein Angebot, das von Schlum­berger stammt. Wir haben keinerlei Produkte mit den beschriebenen Bedingungen angeboten“.

Rätselraten um die ICB Group

Der ominösen ICB Group ist derweil nicht auf die Schliche zu kommen. Im Schweizer Handels­register findet sich nur eine Firma ähnlichen Namens mit asiatischem Hintergrund, die aber an anderer Adresse in der Schweiz ihren Sitz hat. Auf den von der ICB Group verwendeten Zeichnungs­scheinen sind zwar leitende Mitarbeiter der asiatischen ICB genannt. Doch das asiatische Unternehmen weist jegliche Verbindung zur ICB Group zurück. Es sei in der Schweiz nicht operativ tätig und biete keine Wandel­anleihen von Schlum­berger an. Die ICB Group selbst äußerte sich auf Anfrage nicht zu den Ungereimtheiten. Offen bleibt damit die Frage, was mit dem Geld geschieht, das Anleger in die Nieder­lande über­weisen sollten. Die ICB Group setzt die Stiftung Warentest auf ihre Warnliste Geldanlage: Unseriöse Firmen und Produkte.

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