Hypothekenzinsen Meldung

Für Baufinanzierer ist es die Gretchenfrage: Sollen sie den Zins 5 oder 10 Jahre festschreiben oder besser gleich 15 Jahre? Lange Fristen bieten mehr Sicherheit und kosten derzeit nur einen niedrigen Aufpreis.

Für vorsichtige Baufamilien ist die aktuelle Zinssituation günstig: Eine lange Festschreibung der Zinsen kostet nur wenig mehr als eine kurze. Bei zehn Jahren Bindung beispielsweise ist für ein Baudarlehen derzeit nur etwa ein Viertelprozentpunkt mehr fällig als bei fünf Jahren. In der Vergangenheit betrug dieser Abstand oft einen vollen Prozentpunkt. Wer noch einmal zwei Zehntel drauflegt, kann sich die niedrigen Zinsen sogar für 15 Jahre sichern. Und selbst Kredite mit 20 Jahre festgezurrtem Zins kosten unter 7 Prozent ­ deutlich weniger als der langjährige Durchschnitt für Hypothekendarlehen, der bei rund 8 Prozent liegt.

Für den geringen Aufpreis bieten lange Zinsfestschreibungen ein hohes Maß an Sicherheit. Und außerdem: Nach zehn Jahren hat jeder Kunde ein gesetzlich verbrieftes Ausstiegsrecht.

Beispiel: Familie Müller schreibt ein Darlehen zu 7 Prozent auf 15 Jahre fest. Nach zehn Jahren sind die Zinsen am Kapitalmarkt gefallen und Müllers bekämen einen Anschlusskredit mit fünf Jahren Festschreibung schon für 6,5 Prozent. Sie können nun mit einer Kündigungsfrist von sechs Monaten ihr Altdarlehen kündigen und auf das neue, zinsgünstigere umsteigen.

Lange Festschreibungen haben aber auch Nachteile: Wenn Haus oder Wohnung vor Ablauf der Frist wieder verkauft werden, verlangt die Bank eine Vorfälligkeitsentschädigung. Und die ist umso teurer, je länger die Zinsbindung noch läuft. Da können leicht einige Tausend Mark zusammenkommen.

Ob sich die kurze oder die lange Festschreibung am Ende lohnt, zeigt ein Rechenexempel. Beispiel für einen 100.000-Mark-Kredit:

• 15 Jahre Zinsbindung, Zinssatz 6,49 Prozent effektiv, Tilgung 1 Prozent, Monatsrate 608,33 Mark. Der Schuldenstand nach zehn Jahren beträgt 86.118,67 Mark.

• 10 Jahre Zinsbindung, Zinssatz 6,27 Prozent effektiv, Tilgung 1,2 Prozent, Monatsrate ebenfalls 608,33 Mark. Die Restschuld nach zehn Jahren beträgt 83.522,67 Mark.

Zwar hat der Zinsoptimist mit der kürzeren Festschreibung rund 2.600 Mark weniger Schulden nach zehn Jahren. Doch dann muss er einen günstigen Anschlusskredit finden. Und der darf bei unveränderter Ratenhöhe nicht mehr kosten als 7,29 Prozent, sonst liegt seine Restschuld nach 15 Jahren höher als bei der ­ anfangs zwar teureren ­ 15-jährigen Zinsfestschreibung. Und wie gesagt: Der langjährige Durchschnittszins für Hypodarlehen liegt bei 8 Prozent.

Es kommt aber auch auf die Tilgung an. Standardmäßig sehen Hypothekendarlehen der Banken und Sparkassen einen anfänglichen Tilgungssatz von 1 Prozent der Darlehenssumme vor. Wer mehr aus seinem laufenden Einkommen erübrigen kann, sollte zum Beispiel 2 oder 3 Prozent wählen. Denn je höher die Tilgung, desto niedriger die Restschuld am Ende der Zinsfestschreibung. Ein Zinsanstieg wirkt sich dann nicht mehr so drastisch aus. Der Vorteil der langen Bindung kommt damit nicht mehr so zum Tragen. Faustregel: Eine kürzere Zinsbindung ist umso attraktiver, je größer der finanzielle Spielraum des Baufinanzierers. Und umgekehrt: Je weniger Geld er in die Tilgung stecken kann, desto größer ist der Vorteil einer langen Festschreibung.

Tipp: Versuchen Sie, sich Sondertilgungen vertraglich offen zu halten. Dann können Sie außer der Reihe tilgen, falls Ihnen während der Zinsbindung doch einmal eine größere Summe zur Verfügung steht. Viele Banken akzeptieren zumindest begrenzte Zahlungen.

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