Hyposensibilisierung

„Die Therapie packt das Übel an der Wurzel“

25.08.2021
Hyposensibilisierung - Was die Allergiebe­hand­lung bringt
Prof. Oliver Pfaar leitet die Sektion Rhinologie und Allergologie der HNO-Klinik am Uniklinikum Marburg. © Privat

Über Chancen und Grenzen der Hyposensibilisierung – auch All­ergen-Immun­therapie genannt – spricht Allergologe und HNO-Arzt Oliver Pfaar.

Inhalt
  1. Überblick
  2. „Die Therapie packt das Übel an der Wurzel“
  3. Mit Spritzen oder Tabletten?
  4. Artikel als PDF (4 Seiten)

Wenn die Lebens­qualität einge­schränkt ist

Wem empfehlen Sie die Hyposensibilisierung?

Vor allem Menschen, deren Lebens­qualität durch allergischen Schnupfen und teils auch allergisches Asthma stark einge­schränkt ist. Haben sie bislang nur rezept­freie Mittel genommen, sollte ein Allergologe eine Diagnostik durch­führen, die medikamentöse Behand­lung prüfen und optimieren. Sind die Beschwerden dann immer noch stark, ist die All­ergen-Immun­therapie zu empfehlen: Sie behandelt als einzige Therapieform nicht nur die Symptome, sondern packt das Übel an der Wurzel. Das fehl­gesteuerte Immun­system, das etwa Pollen fälsch­licher­weise als Feind erkennt, wird umerzogen.

Wie sieht es bei Kindern aus?

Gerade bei Kindern mit Allergien ist die Immun­therapie oft zu empfehlen. Denn die Beschwerden können sich im Laufe der Jahre verstärken, mehr antial­lergische Medikamente werden benötigt und weitere Allergien sowie allergisches Asthma können sich entwickeln. Daher ist es wichtig, Kinder mit Symptomen früh beim Allergologen vorzustellen – vor allem, wenn auch die Eltern Allergiker sind.

Weniger Symptome durch Hyposensibilisierung

Wie gut ist belegt, dass die Hyposensibilisierung weiteren Allergien und einer Ausweitung auf die Bronchien, also allergischem Asthma, vorbeugt?

Einige gut gemachte Studien sprechen dafür. Auch Versicherten­daten von Krankenkassen geben Hinweise auf einen gewissen vorbeugenden Effekt. Aber es braucht weitere klinische Lang­zeit­studien, um dies noch besser heraus­zustellen.

Was dürfen Allergiker von der Hyposensibilisierung erwarten?

Nicht alle Patienten sind danach beschwerdefrei. Aber es ist gut belegt, dass Allergiker bereits während und nach der dreijäh­rigen Therapie weniger Symptome haben. Sie brauchen wahr­scheinlich immer noch Medikamente, gerade an Tagen mit starkem Pollen­flug, aber deutlich weniger als vorher. Insgesamt belastet die Allergie die Patienten deutlich weniger.

Immun­therapie mit verschiedenen Präparaten

Was ist Patienten mit mehreren Allergien zu empfehlen?

Bei einer klinisch relevanten Mehr­fachal­lergie etwa gegen Gräser­pollen und Milben ist eine parallele Immun­therapie mit verschiedenen Präparaten möglich. Wichtig ist, dass diese nach­weislich wirk­sam sowie sicher sind und dass Patienten die Therapie konsequent durch­führen.

25.08.2021
  • Mehr zum Thema

    Heuschnupfen Diese Medikamente helfen und sind günstig

    - Blüten­pollen kommen immer früher und fliegen immer länger – wohl eine Folge des Klimawandels, die Heuschnupfen befördert. Die Heuschnupfen-Saison beginnt bereits im...

    Arznei­mittel Die 80 besten Medikamente für Kinder

    - Gerade bei Kindern ist es wichtig, auf kleine Leiden mit dem jeweils richtigen Medikament und der optimalen Dosierung zu reagieren. Die Arznei­mittel­experten der...

    Penicillin Die Allergie, die oft keine ist

    - Jeder zehnte Mensch glaubt laut Umfragen aufrichtig, gegen Penicillin allergisch zu sein. Warum nicht? Jeder Zehnte schläft schlecht, jeder Zehnte hat die Reisekrankheit,...