Hygrometer (Feuchtigkeitsmesser) Test

Die Justierung der Zeiger beim Hersteller ist gut, die Kontrolle zu Hause ist besser.

Wer zu Hause prima Klima will, braucht ein Hygrometer. Es zeigt, ob die Luft zu trocken ist. Und vor allem warnt es vor zu hoher Feuchte und Schimmelgefahr. Aber Vorsicht: Viele Geräte sind schlecht eingestellt und zeigen falsche Werte an.

Schimmelpilze sind auf dem Vormarsch. Ihre Sporen erobern immer mehr Häuser. Alarmmeldungen der Bewohner häufen sich bei Hausärzten und Umweltmedizinern.

Zahlreiche Hilferufe erreichen auch die Stiftung Warentest: Wie lässt sich das Ausmaß der Belastung analysieren? Und wie kann man die hässlichen dunklen Flecken an Wänden und Decken wirkungsvoll bekämpfen?

Wenn die Schimmelpilze eine Wohnung okkupieren, nutzen sie immer wieder eine Schwachstelle: zu viel Feuchtigkeit. Der vollgelaufene Keller, das undichte Dach oder die beschädigte Fassade sind häufige Ursachen. Oft setzen sich die Sporen erfolgreich an Wänden fest, die unzureichend gedämmt sind und im Winter auskühlen. Auf der Innenseite kondensiert dann die Luftfeuchtigkeit und Schimmelflecken breiten sich aus.

Vielen Menschen ist gar nicht bewusst, wie viel Wasser ihre Wohnung belastet. So können in einem Neubau noch Hunderte oder Tausende Liter Wasser als „Baufeuchte“ stecken. Auch normales Bewohnen erhöht die Luftfeuchtigkeit in erschreckendem Maße: Schwitzen, Schlafen, Duschen, Baden, Putzen, Kochen, Waschen und Blumengießen sorgen dafür, dass in großen Haushalten pro Tag oft bis zu zehn Liter Wasser verdunsten.

Hygrometer: Schimmelwächter

Hygrometer (Feuchtigkeitsmesser) Test

Hässliche und gefährliche Schimmelflecken müssen nicht sein. Hygrometer helfen, Probleme aufzudecken – die Voraussetzung, um die Ursachen zu bekämpfen.

Ob eine Wohnung zu feucht ist, kann jeder Verbraucher leicht selbst überprüfen – mit einem Luftfeuchtigkeitsmessgerät. Doch der große Nutzen solcher Hygrometer ist vielen nicht bekannt. Selbst diejenigen, die sich dafür interessieren, müssen im Handel erst einmal suchen. Und stehen dann vor einem etwas verwirrenden Angebot. Die billigsten Geräte kosten zirka 6 Euro, für teure sollen sie mehr als das Zehnfache zahlen.

In unseren Test haben wir sowohl die klassischen Hygrometer mit Zeiger als auch die modernen mit Digitaldisplay einbezogen. Die elektronischen Geräte messen die Luftfeuchtigkeit mithilfe eines Sensors, die analogen arbeiten mit echten Haaren, Synthetikfasern oder beschichteten Spiralfedern. Dabei nutzen sie den Effekt, dass sich die Materialien bei zunehmender Feuchte ausdehnen und sich diese Bewegung feinmechanisch auf den Zeiger übertragen lässt.

Vorsicht: Neu und verstellt

Hygrometer (Feuchtigkeitsmesser) Test

Mechanische Hygrometer (hier Fischer 111.01) müssen von Zeit zu Zeit neu justiert werden.

Wer erwartet, mit jedem neu gekauften Zeiger-Hygrometer könne er zu Hause sofort munter drauflosmessen, unterliegt einem Irrtum. Denn eines der wichtigsten Ergebnisse unseres Tests lautet: Die angezeigten Werte waren von der Wirklichkeit oft weit entfernt. Die Abweichungen erreichten teilweise deutlich mehr als 10 und im Extremfall sogar 20 Prozent relativer Luftfeuchte. Dass sich die Feinmechanik bei Transport und Lagerung im Handel mitunter verstellt, kann passieren. Ärgerlich wird es für den Kunden, wenn er nicht oder kaum auf dieses Problem hingewiesen wird. Fehleinschätzungen mit fatalen Konsequenzen können die Folge sein.

Tipp: Überprüfen Sie ein neues Zeiger-Hygrometer immer vor dem ersten Einsatz und stellen Sie es bei Bedarf exakt ein. Wie das mit einem feuchten Handtuch geht, steht in den Tipps.

Auch unsere Prüfer justierten die Geräte mit Zeiger vor den weiteren Feuchtemessungen. Viele Produkte verbesserten sich daraufhin in puncto Messgenauigkeit enorm. Das Hygrometer Fischer 111.01, dessen Anzeige zuvor sehr zu wünschen übrig ließ, schaffte sogar den Sprung an die Spitze der Tabelle.

Die wichtigsten Erkenntnisse unserer Feuchtemessungen:

  • Im Schnitt erzielten die elektronischen Geräte bei allen Feuchtigkeitsstufen im Test eine bessere Messgenauigkeit als die mechanischen.
  • Während die Unterschiede bei den bateriebetriebenen Instrumenten relativ gering sind, liegen zwischen den einzelnen Zeigergeräten Welten: Die Urteile reichen von „sehr gut“ bis „mangelhaft“.
  • Ob die Geräte mit Naturhaar, Synthetikfaser oder Spirale arbeiten, war nicht allein ausschlaggebend für die Genauigkeit. Der Testsieger arbeitet zwar mit echtem Haar, doch andere Haarhygrometer schnitten schlechter ab. Die relativ billigen Spiralhygrometer dominieren zwar den hinteren Teil der Tabelle. Aber zwei Geräte beweisen, dass auch mit dieser Bauart gute Werte erreichbar sind.
  • Einige Hygrometer reagierten etwas störanfällig auf Feuchteschwankungen. Zwei Spiral-Hygrometer kollabierten sogar bei hoher Luftfeuchtigkeit.
  • Die Reaktionsgeschwindigkeit hängt unter anderem von Lage und Größe der Luftlöcher im Gehäuse ab. Je besser der Luftaustausch klappt, desto schneller erscheint der aktuelle Wert. Im günstigsten Fall dauert das weniger als ein Viertelstündchen, oft aber auch 60 Minuten.

Tipp: Wenn Sie in der Wohnung mit einem Hygrometer an verschiedenen Stellen Feuchte detektivisch aufspüren möchten, sollten Sie ein reaktionsschnelles Gerät bevorzugen.

Ein Ärgernis sind oftmals die mitgelieferten Verbraucherinformationen. Mehrfach fehlten sie ganz. Wurde eine Anleitung mitgeliefert, erwies sie sich oft als wenig hilfreich. So suchten wir optimale Empfehlungen über den anzustrebenden Luftfeuchtigkeitsbereich häufig vergeblich. Und auch der für mechanische Geräte extrem wichtige Hinweis, die Genauigkeit der Anzeige nach dem Kauf und auch später immer wieder selbst zu überprüfen und gegebenenfalls neu zu justieren, fehlte oft oder war zu unpräzise. Durch derartige Schlamperei machen sich Anbieter mitverantwortlich dafür, dass viele Verbraucher in der Praxis falschen Anzeigewerten vertrauen.

Wer in seiner Wohnung Feuchte- und Schimmelprobleme befürchtet, sollte schnell handeln. Denn eine Ursache ist oft die miserable Fassadendämmung. Doch der schädliche Effekt von Wärme­brücken ist mithilfe von Temperatur- und Feuchtemessungen nur optimal nachweisbar, solange es draußen sehr kalt ist. Tipp: Nutzen Sie die kalten Tage.

Klein, aber oho

Hinsichtlich der Hygrometer empfehlen wir: Kaufen. „Gute“ gibts schon für etwa 20 Euro. Selten bietet eine Investition so große Chancen. Zum einen für die Gesundheit und fürs Wohlfühlen. Zum anderen für die Brieftasche, wenn es etwa um Baumängel oder Mietminderung geht. Wo mit einer solchen kleinen Spürnase ein schwerer Schaden vermieden oder früh bekämpft werden kann, lassen sich oft einige Tausend Euro sparen.

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