Hygiene im Haushalt: Antibakterielle Ausrüstung

Beispiele: Gebräuchliche Produkte mit antibakterieller Ausstattung

25.05.2000
Inhalt

Allzweckreiniger

"Der General Antibakteriell": Für den Reiniger wird eine "hochwirksame Hygieneformel" reklamiert, erzielt durch die "Hygienische Kraft der Minze", die einen "Starken Auftritt für die antibakterielle Kraft" verspricht. Das Minzöl, durchaus "antimikrobiell" wirksam, ist jedoch nicht der tragende Wirkstoff des Produkts, sondern das in der Produktbeschreibung nicht erwähnte Quat Benzalkoniumchlorid.

Auf Anfrage legte die Firma Henkel mikrobiologische Tests vor. Es fiel auf, dass sie nicht mit den von Henkel empfohlenen Anwendungskonzentrationen (0,6% oder 0,9%) durchgeführt wurden, sondern mit einem vierprozentigen Ansatz. Damit erzielt "Der General Antibakteriell" in fünf Minuten bei vier verschiedenen Bakterienarten eine desinfizierende Wirkung.

Welche Wirkung bei der Dosierung besteht, die der Hersteller vorsieht, wurde nicht klargestellt. Welche Wirkstoffmengen im Produkt enthalten sind, ist unbekannt. Mit Benzalkoniumchlorid und Minzöl enthält "Der General Antibakteriell" mindestens zwei allergisierende Substanzen. Der Hersteller weist nicht auf Schutzmaßnahmen (zum Beispiel Handschuhe) hin.

Textilien

"Antimikrobielle" Textilien haben einen festen Marktanteil. Besonders verbreitet sind sie im Sport- und Outdoorbereich. Beispielsweise sind die Produktqualitäten Polartec 100 und wahrscheinlich auch

Polartec 200 "antimikrobiell" ausgerüstet. Die Schaumstoffpolster von Radhosen sind fast durchweg "antimikrobiell" gestaltet. Kürzlich standen in Deutschland Sporttextilien mit einer vermuteten TBTO-Ausrüstung (Tributylzinnoxid) im Mittelpunkt des Interesses. Tributylzinnoxid ist ein starkes Umweltgift, wirkt schon bei relativ geringer Konzentration hautreizend und kann das Immunsystem beeinflussen. In einer Radlerhose wurde TBTO in einer Konzentration von 100 Milligramm pro Kilo Textil nachgewiesen. Dieses Textil war sogar mit dem Öko-Tex-100-Label versehen.

Zahncremes

Die Grenze zwischen Arzneimittel- und Lebensmittel und Bedarfsgegenständegesetz ist seit der Vermarktung "antimikrobieller" Zahncremes hauchdünn geworden: Für die Produkte wird mit medizinischen Studien geworben. Beschrieben werden vorbeugende Effekte wie Kariesprophylaxe und sogar heilende bei Zahnfleischentzündungen. Colgate Total (Colgate-Palmolive) und Blend-a-med complete (Procter & Gamble) enthalten Triclosan. Triclosan wird sehr gut resorbiert und bei der Anwendung auch verschluckt. Es wird in diesem Bereich kontrovers diskutiert. Aus Deos ist es (in höheren Dosierungen) fast vollständig verschwunden. Zwar ist Triclosan zu seiner akuten toxikologischen Wirkung recht gut untersucht und gilt als risikoarm, doch einige Fragen sind bis heute noch ungeklärt: Beispielsweise greift Triclosan in das Entgiftungssystem der Leber ein. Selten sind dagegen allergische Reaktionen.

Handspülmittel

Hier gibt es bereits ein großes "antibakterielles" Sortiment. Zwei Produkte, schon länger am Markt, sind zum Beispiel Palmolive Antibakteriell (Colgate-Palmolive) und Fairy Ultra Antibakteriell (Procter & Gamble). Bei der recht eindringlich formulierten Werbung für Fairy Ultra Antibakteriell ("... für Bakterien das Aus!") fiel das Statement des Herstellers überraschend aus: Das Produkt würde keinerlei Desinfektionsmittel enthalten(!) und die bakteriostatische Wirkung ginge von den Tensiden und einer geringen Menge Geraniol aus.

Palmolive Antibakteriell enthält mit D-Limonen ebenfalls einen Wirkstoff, der bei Alterung ein beträchtliches allergenes Potenzial in sich birgt ­ im angebrochenen Produkt innerhalb von Wochen bis wenigen Monaten.

Der Hersteller hat Unterlagen über mikrobiologische Tests nach Freiburg gesandt. Demnach kann das pure(!) oder um 50 Prozent verdünnte Produkt desinfizieren. Für die vorgesehene Anwendungskonzentration von fünf Milliliter pro Liter wurden keine Versuchsergebnisse vorgelegt. Aus den Formulierungen war jedoch zu schließen, dass es sich vermutlich um eine die Bakterienvermehrung hemmende (bakteriostatische) Wirkung handelt.

Matratzenschonbezüge

Inkontinenzartikel oder spezielle Bezüge für Neurodermitiker oder Milbenallergiker enthalten "antimikrobielle" Ausrüstungen. Beispiele: der Matratzenschonbezug Laxol®-Anti-bac (HAPEKA GmbH), der eine Arsenverbindung(!) enthält, und der für Milbenallergiker vorgesehene Bezug Acb Pristine (Dr. Beckmann) mit einem Silanquat. Überraschenderweise trug auch das arsenhaltige Produkt eine Öko-Tex-100-Zertifizierung. Auf Anfrage gab das Öko-Tex-Sekretariat die Auskunft, Bettwäsche gehöre in die Gruppe der "Ausstattungsmaterialien", eine Biozidausrüstung sei daher zulässig.

Arbeitsflächen / Möbel / Keramik

Corian AB ist ein Polyacrylmaterial der Firma DuPont, das vor allem für das Gesundheitswesen vermarktet wird. Der Wirkstoff von Corian AB ist kationisches Silber (Silberionen). Keramik von Villeroy & Boch: Der antibakterielle Effekt soll durch Zusatz von Silbersalzen erzielt werden.

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