Hyaluronsäure Bewirkt Sie etwas gegen Falten?

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Hyaluronsäure - Bewirkt Sie etwas gegen Falten?
Hyaluron-Injektion. Wird Hyaluronsäure in die Haut gespritzt, kann sie Gesichts­züge heben und Falten auffüllen. © Adobe Stock

Hyaluronsäure wird als Anti-Aging-Stoff der Stunde gehandelt. In Cremes, Trinkampullen und Spritzen soll sie gegen Falten helfen. Spritzen sind aber nicht ungefähr­lich.

Inhalt

Was ist Hyaluronsäure?

Hyaluronsäure ist ein natürlicher Bestand­teil des menschlichen Körpers. Sie kommt im Bindegewebe vor, in Gelenk­schmiere, Knorpeln und Bändern. Sie wird häufig auch als Hyaluronan bezeichnet und hat die Fähig­keit, große Mengen Wasser zu binden. Dadurch hält sie menschliche Haut straff, gibt ihr Stabilität und Form.

Der Körper bildet Hyaluronsäure selbst. Doch mit dem Alter, durch UV-Strahlung und andere Umwelt­einflüsse nimmt der Gehalt in der Haut ab – sie verliert an Elastizität, erschlafft und sinkt ab. Die Folge sind Falten, hängende Mund­winkel und Wangen oder Tränen­rinnen.

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Früher aus Hahnenkämmen, heute aus Bakterien

In Kosmetik­produkten kam Hyaluronsäure erst­mals in den 1980er-Jahren als Inhalts­stoff zum Einsatz. Damals wurde sie über­wiegend aus Hahnenkämmen gewonnen, in denen sie von Natur aus vorkommt.Heute wird sie in der Regel biotechnologisch mithilfe von bestimmten Bakterien­stämmen hergestellt.

Wie soll Hyaluron in Kosmetik wirken?

Die Kosmetikbranche hat Hyaluronsäure – oft nur Hyaluron genannt – als Anti-Aging-Inhalts­stoff entdeckt. Sie soll als Feuchtig­keits­speicher etwa in Hyaluron-Creme, Hyaluron-Serum, Tagescremes oder Augen­creme dem natürlichen Alterungs­prozess entgegen­wirken.

In Pfle­gepro­dukten für trockene Haut, Bodylotions oder Sonnencremes kommt Hyaluronsäure ebenfalls zum Einsatz. Auch zertifizierte Naturkosmetik kann Hyaluronsäure enthalten. In der Inhalts­stoff­liste ist sie an der Bezeichnung Hyaluronic Acid oder Sodium Hyaluronate erkenn­bar.

Hyaluron-Varianten wirken unterschiedlich

Kosmetik­hersteller setzen verschiedene Formen von Hyaluronsäure ein: lang- und kurz­kettige.

  • Lang­kettige (oder hoch­molekulare) Formen legen sich wie ein Film auf die Haut. Dieser Film versorgt vor allem oberflächliche Hautschichten mit Feuchtig­keit und soll vor Austrock­nung schützen.
  • Kurz­kettige (oder nieder­molekulare) Hyaluronsäure soll in die Haut eindringen und so Falten von innen aufpols­tern.

In der Inhalts­stoff­liste von Kosmetika lässt sich nicht erkennen, welche Variante enthalten ist.

Nicht zu viel erwarten

Wie effektiv Hyaluron in Kosmetik tatsäch­lich gegen Falten wirkt, ist fraglich. Professorin Claudia Borelli, Vorsitzende der Arbeits­gemeinschaft Ästhetische Dermatologie und Kosmetologie, dämpft die Erwartungen: „Trägt man Hyaluronsäure auf die Haut auf, kann sie nicht dasselbe leisten wie eine Hyaluronsäure, die man in die Haut spritzt.“ In bisherigen Tests enttäuschten Antifaltencremes, darunter auch solche mit Hyaluronsäure.

Was ist Hyaluronsäure zum Trinken?

Auch die Hersteller von Nahrungs­ergän­zungs­mitteln haben Hyaluronsäure für sich entdeckt: Sie bieten Beauty-Drinks und Trinkampullen, aber auch Kapseln und Tabletten mit dem Inhalts­stoff an. Wer Falten nicht wegcremen kann, hofft mit diesen Mitteln die Haut von innen verjüngen zu können.

Hinweise für Wirkung bei trockener Haut

Eine japanische Studienanalyse legt nahe, dass Hyaluronsäure zum Einnehmen bei Menschen mit trockener Haut feuchtig­keits­spendend wirkt und dadurch den Haut­zustand verbessern könnte.

Doch wirkt einge­nommene Hyaluronsäure auch gegen Falten? Hier wird manchmal auf eine weitere Studie aus Japan verwiesen: Deren Ergeb­nisse deuten darauf hin, dass dadurch tatsäch­lich Falten gemildert werden könnten. Doch diese Studie ist wenig aussagekräftig: An ihr nahmen nur 60 Probanden teil und die Autoren waren bei einem Unternehmen angestellt, dass unter anderem Hyaluronsäure für Nahrungs­ergän­zungs­mittel herstellt.

Für Hyaluronsäure sind keine Werbeaussagen zugelassen

Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) hat die Studien­lage zu Hyaluronsäure und Haut bewertet. Aussagen wie „Erhalt einer guten Hautfeuchtig­keit“ beur­teilte sie als nicht bewiesen. Es wurden ihr keine Human­studien vorgelegt, die nachgewiesen hätten, dass durch die Einnahme von Hyaluronsäure die Haut vor Austrock­nung geschützt wird. Werbung wie „zum Schutz der Haut gegen Austrock­nung“ ist für Hyaluronsäure in Nahrungs­ergän­zungs­mitteln gemäß der EU-Verordnung 1066/2013 somit unzu­lässig.

Manche Kosmetik-Anbieter weichen auf andere, zugelassene Werbeaussagen aus, die sich auf zugesetzte Vitamine und Mineralstoffe beziehen. Beispiele sind:

  • Vitamin A, Niacin, Biotin und Zink „trägt zur Erhaltung normaler Haut bei“
  • Vitamin C „trägt zu einer normalen Kollagen­bildung für eine normale Funk­tion der Haut bei“

Wie gefähr­lich sind Hyaluronsäure-Spritzen?

Wer jünger oder frischer aussehen möchte, kann sich Hyaluronsäure gegen Falten spritzen lassen. Solche ästhetischen Eingriffe boomen. In der Corona-Pandemie stieg die Nach­frage weiter an, auch bei Männern.

Nach Botox-Behandlungen liegen Hyaluron-Behand­lungen an der Spitze der minimalinvasiven Eingriffe von ästhetisch-plastischen Chirurgen in Deutsch­land. Dazu kommen Falten­unter­sprit­zungen mit Hyaluronfil­lern durch Dermatologinnen und Dermatologen, für die keine statistischen Zahlen vorliegen.

Pols­tert auf, ist aber teils riskant

Hyaluronsäure - Bewirkt Sie etwas gegen Falten?
Typische Anwendungs­gebiete. Mit Hyaluronsäure lassen sich etwa Nasolabialfalten füllen. In anderen Bereichen gibt sie Volumen. © Stiftung Warentest; Getty Images

Wird biotechnologisch hergestellte Hyaluronsäure in die Haut gespritzt, bekommt sie wieder mehr Volumen. Anders als Permanent-Auffüller bauen sich die Mittel nach einigen Monaten ab. Das Injizieren ist in bestimmten Bereichen aber sehr riskant, erfordert Fachkennt­nis und Erfahrung.

Tipp: Erste Anlauf­stelle sind Fach­ärzte und -ärztinnen für Dermatologie sowie für Plastische und Ästhetische Chirurgie. Sie sollten eine Weiterbildung für ästhetische Injektions­behand­lungen absol­viert haben. Nutzen Sie die Arzt­suche auf den Webseiten von Fachgesell­schaften wie der Arbeitsgemeinschaft Ästhetische Dermatologie und Kosmetologie, der Vereinigung der Deutschen Ästhetisch-Plastischen Chirurgen oder der Deutschen Gesellschaft für ästhetische Botulinum- und Fillertherapie.

Risiko für Erblindung bei Hyaluron

Manche Webseiten von Schön­heits­kliniken und -zentren preisen die Unter­sprit­zungen als risiko- und neben­wirkungs­arm an. Dem stehen erschre­ckende, wenn auch sehr seltene Fälle von Erblindung und Schlag­anfall gegen­über. Dazu kann es kommen, wenn Hyaluronsäure versehentlich in Blutgefäße gelangt, die Auge oder Gehirn versorgen.

Hyaluronsäure: Zum Aufpols­tern und Heben 

Präparate

Medizin­produkte der höchsten Risikoklasse III (implantierte, resorbier­bare Produkte ohne medizi­nische Zweck­bestimmung).1 Es gibt mehr als 100 zugelassene Präparate, neuere enthalten lokal betäubende Substanzen. Patientinnen und Patienten müssen einen Implantatpass sowie Informationen über das verwendete Präparat erhalten.

Effekte

Füllt Falten auf und hebt Gesichts­züge, die im Zuge des Alterungs­prozesses abge­sunken sind. Gibt Volumen etwa in Wangen, Stirn oder Lippen. Unterstützt den Kollagen­aufbau in der Haut mit gewisser haut­verjüngender Wirkung. 

Grenzen

Nicht jedes Produkt erzielt dieselben Effekte. Die Produkt­wahl hängt von Behand­lungs­ziel und Injektions­tiefe ab. 

Dauer der Wirkung

Die Wirkung hält etwa 4 bis 9 Monate an, teils auch ein Jahr oder länger – je nach Gesichts­partie, Injektions­tiefe und Patient.

Mögliche Neben­wirkungen

Für wenige Tage: Blut­ergüsse, Schwel­lungen, Knötchen, Rötungen, Einblutungen, Verhärtungen, Haut­verfärbungen, Juck­reiz, leichte Schmerzen, Taub­heits­gefühl. 

Risiken, insbesondere bei nicht fachgerechter Durch­führung

Abszesse (durch mangelnde Desinfektion oder nach­trägliche Entzündung). Wird die Substanz aus Versehen in ein Gefäß gespritzt, können Gewe­beareale des Gesichts absterben, es kann auch zu Schlag­anfall und Erblindung kommen. Injektionen im Bereich der Zornesfalte und des Nasenrü­ckens sind besonders riskant. 

Preise

Etwa 200 bis 500 Euro.2

1
Gemäß der aktuellen EU-Medizin­produkte­ver­ordnung müssen diese Produkte durch eine staatlich auto­risierte Stelle CE-zertifiziert sein. Die Verwendung nicht zertifizierter Produkte ist nicht erlaubt.
2
Orientierungs­rahmen für eine Falten­unter­sprit­zung, abhängig von Material und Menge, laut Deutscher Gesell­schaft für Ästhetisch-Plastische Chirurgie.

Implantatpass für Hyaluronsäure-Filler

Mittel mit Hyaluronsäure sind nicht so gut untersucht wie solche mit Botulinumtoxin. Die Produkte sind frei erhältlich. Seit Mai 2021 müssen alle Füll­materialien, die unter die Haut gespritzt werden, als Medizin­produkt zertifiziert sein. Dafür sind Sicher­heits­daten vorzuweisen. Für Sicherheit soll auch ein Implantatpass sorgen, den alle Behandelten erhalten müssen. Er enthält Informationen zum verwendeten Produkt.

Kosmetikerin darf nicht spritzen

Medizi­nische Laien wie Kosmetikerinnen dürfen keine Falten unter­spritzen, das haben Gerichts­urteile bestätigt. Heilpraktiker dürfen kein Botox, aber Hyaluronsäure injizieren. Fachleute raten jedoch davon ab: Nur qualifizierte Ärztinnen oder Ärzte haben die erforderlichen Anatomiekennt­nisse und dürfen bei Komplikationen rezept­pflichtige Medikamente wie Hylase nutzen, das Hyaluronsäure abbauen kann.

Was Hyaluronsäure-Spritzen kosten

Die Preise für Hyaluronsäure-Behand­lungen variieren und sind von verschiedenen Faktoren abhängig, etwa vom genutzten Material, von der zu behandelnden Gesichts­region, von der verwendeten Menge sowie von den jeweiligen Praxen und Kliniken. Die Deutsche Gesell­schaft für Ästhetisch-Plastische Chirurgie gibt als Orientierung Kosten von etwa 200 bis 500 Euro für eine Falten­unter­sprit­zung an.

Zeit nehmen für die Entscheidung

Interes­sierte sollten die Risiken der freiwil­ligen Anti-Aging-Eingriffe nicht unterschätzen, sich für Arzt­wahl und Beratung Zeit nehmen. Zudem sollten sie sich klar machen, dass für lang­fristige Effekte regel­mäßige Behand­lungen nötig sind: Das bedeutet auf Dauer hohe Kosten – und bei jeder Behand­lung wieder ein Risiko.

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