Husten ist nicht gleich Husten und unterschiedlich zu behandeln. Reizhusten wird unterdrückt, beim Erkältungshusten das Abhusten gefördert. Nie sollten Hustenstiller und Hustenlöser gleichzeitig eingenommen werden. Und wichtig ist vor allem viel Flüssigkeit.

Hildegard von Bingen, Heilkundige, später sogar heilig gesprochen, schrieb im 12. Jahrhundert hilfreiche Rezepte gegen viele Gebrechen auf: Zum Abhusten empfahl die Äbtissin aus der Pfalz einen Weinsud mit Fenchel und Dill. Fenchel steckt heute noch in Bronchialtees. Bei trockenem Reizhusten empfahl sie, Pflau­menkerne in Wein einzulegen, das aufge­quollene Innere aufzukochen und zu trinken – ein heute freilich antiquierter Hustenstiller mit einem Hauch von Blausäure.

Wichtigster Rat: Reichlich trinken

Stark vertreten am Markt der Hustenmittel sind heute Präparate wie ACC (Hexal) mit mehr als 14 Millionen verkauften Packungen im letzten Jahr sowie Mucosolvan und Gelomyrtol. Die großen finanziellen Ausgaben für Arzneien gegen den Husten sind erstaunlich, denn das wichtigste Mittel gegen diesen Störenfried ist praktisch kostenlos zu haben: Wasser. Wasser oder Tee, reichlich getrunken, 2 bis 3 Liter am Tag, kann bei Erkältungshusten festsitzenden Schleim verdünnen, das Abhusten von Sekret erleichtern. Reichlich trinken ist der wichtigste Rat für alle, die vom Erkältungshusten geplagt sind – Wasser als Arznei.

Hustenstiller und -löser: Nicht gleichzeitig

Ein akuter Husten wird fast immer durch Erkältungsviren ausgelöst. Am Beginn steht meist ein trockener, oft schmerzhafter Reizhusten. Erst auf dem Höhepunkt der Entzündung, nach zwei bis drei Tagen, wird der Husten „produktiv“. Anzeichen dafür sind gelbgrüner Auswurf und Husten über mehr als sieben Tage.

Beim Husten geht es zunächst um die Diagnose der Beschwerden und ihre Ursache. Fragen, die Sie dem Arzt und Apotheker beantworten sollten, sind: Ist der Husten „trocken“ oder „produktiv“? Seit wann besteht er? Gibt es Symptome wie Fieber, Schnupfen, Grippegefühl oder Gliederschmerzen? Ist der Schleim dünn- oder dickflüssig, eitrig oder blutig? Zwei Wirkstoffgruppen werden eingesetzt: Hustenstiller(-blocker; Antitussiva) unterdrücken den Hustenreiz. Ihr Einsatz ist vor allem bei unproduktivem Husten sinnvoll.

Hustenlöser (Expektorantien) fördern dagegen bei Erkältungshusten den Auswurf. Schleim verursacht Hustenreize und muss abgehustet werden. Starker Husten wiederum reizt die Schleimproduktion. Sinnvoll ist es, den Abtransport zusätzlich mit viel Flüssigkeit zu fördern.

Ein Wirkstoff genügt. Zwei der pharmakologischen Wirkprinzipien in einem Mittel zu vereinen, macht keinen Sinn. Ein Beispiel ist der Cito-Guakalin Hustensaft der Firma Stada: Das unterdosierte Guaifenesin gilt als Hustenlöser, das enthaltene Natriumdibunat als Hustenstiller. Wir sagen „Wenig geeignet“. Es besteht aber die Möglichkeit, tagsüber mit einem Hustenlöser und viel Flüssigkeit das Abhusten zu erleichtern und vor dem Einschlafen einen Hustenstiller zu nehmen, der den Hustenreiz blockiert. So kann für eine bessere Nachtruhe gesorgt werden. Aber dies geschieht im zeitlichen Abstand mit zwei Mitteln.

Hustenstiller sollten also nur bei trockenem Reizhusten und vorzugsweise abends eingenommen werden, um einen ruhigen Schlaf zu ermöglichen. Sobald sich Schleim löst, ist darauf zu verzichten. Werden Hustenstiller dann auch tagsüber angewendet, staut sich das Sekret in den Bronchien. Nie sollten Hustenstiller und Hustenlöser gleichzeitig eingenommen werden. Schleim kann dann nicht abgehustet werden.

Medikamente: Richtig auswählen

In den Tabellen sind mehr als 130 Hustenpräparate aufgeführt. Wer seine Auswahl trifft, sollte sich an den Aussagen zu den Wirkstoffen orientieren und am Preis. Denn es gibt zum Teil recht erhebliche Preisunterschiede.

Produktiver Husten: Hustenlöser sind Wirkstoffe wie Ambroxol und Azetylzystein. Wir bewerten sie als eingeschränkt geeignet. Ihre Wirksamkeit sollte noch besser belegt werden. Das gilt auch für Hustenmittel mit Efeu, Primel, Isländisch Moos oder Thymian.

Trockener Husten: Um Reizhusten zu lindern, eignen sich Hustenstiller mit dem Wirkstoff Clobutinol oder Dextromethorphan. Beide Substanzen wirken dämpfend auf das Hustenzentrum. Das tun auch rezeptpflichtige Hustenstiller mit Kodein (Bronchicum Mono Codein, Codipront mono), Kodeinphosphat (Codein phosphoricum Berlin-Chemie, Codein phosphoricum) oder Dihydrocodein (Paracodin, Remedacen).

Der Arzt sollte aufgesucht werden, wenn Husten mehr als zwei Wochen anhält, bei chronischer Bronchitis, bei gelbgrünem, eitrigem oder blutigem Auswurf bei Kindern, mit Husten und Fieber (Risiko Lungenentzündung), bei Ältereren und chronisch Kranken.

Schnupfen: Die Nase spülen

Medikamente können bei Schnupfen allenfalls die Symptome lindern. Emser Salz (Emser Nasentropfen) und Meerwasser (Rhinomer) sind geeignet, die Nasenschleimhaut zu befeuchten. Dem Meerwasser zugesetztes Dexpanthenol (mar plus Nasenspray) pflegt sie zusätzlich. Abschwellende Wirkung haben Alpha-Sympathomimetika. Dazu zählen Oxymetazolin (wie Wick Sinex), Naphazolin (wie Privin), Tetryzolin (wie Tetrilin), Tramazolin (wie Rhinospray) und Xylometazolin (wie Otriven, Olynth). Sie eignen sich auch zur kurzzeitigen Anwendung bei Nebenhöhlenentzündungen. Im Vordergrund sollte hier aber die Behandlung der eitrigen Infektion mit Antibiotika stehen.

Werden Nasentropfen mit abschwellender Wirkung länger als fünf bis sieben Tage eingesetzt, droht die „Nasentropfen-Nase“. Setzt man die Tro­p­fen ab, schwillt die Nasenschleimhaut an. In dem Glauben, der Schnupfen sei nicht vorbei, nutzt man sie erneut – ein Teufelskreis. Nasentropfen, Nasensprays und Gele auf Wasserbasis sind Salben überlegen, da nicht die Gefahr besteht, dass die Flimmerhärchen verkleben. Präparate mit Antihistaminika wirken vor allem bei allergischem Schnupfen. Im Handbuch Selbstmedikation der Stiftung Warentest werden Nasensprays und -tropfen bei kurzfristiger Anwendung meist als „geeignet“ zum Schleimhautab­schwellen bezeichnet. Präparate ohne Konservierungsstoffe sind vorzuziehen. „Geeignet bei Erkältungen als schmerzlinderndes und fiebersenkendes Mittel“ ist zum Beispiel Contac-Erkältungs-Trunk (600 Milligramm Parazetamol).

Erkältungsmittel: Wenig geeignete

„Wenig geeignet“ bei Schnupfen und Nasennebenhöhlenentzündung sind Mittel wie Sinupret (forte) Dragees und Tropfen („Therapeutische Wirksamkeit nicht ausreichend nachgewiesen. Nicht sinnvolle Kombination“) sowie Erkältungsmittel wie Doregrippin Tabletten, Grippocaps sine, Grippostad C, Grippostad Gute Nacht-Saft, Rhinotussal Kapseln, Wick DayMed Erkältungsgetränk für den Tag (Pulver und Kapseln) oder Wick MediNait Erkältungssaft für die Nacht („nicht sinnvoll zusammengesetzt“).

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