Gegen Triefnase, Fieber und Husten sollten wir vorbeugen, im Ernstfall neben Arznei auch auf Hausmittel setzen – und von etlichen Irrtümern Abschied nehmen: Dann kommen wir auch glimpflich durch die Erkältungssaison.

Viele Arzneimittel gegen Erkältungskrankheiten werden überschätzt. Wer eine Erkältung hat, kauft oft Präparate, die nicht unbedingt geeignet sind (siehe Tabelle: Auf einen Blick: Erkältungskrankheiten). Abwarten und Tee trinken ist oft sinnvoller, als Erkältungssymptomen mit teuren „Grippemitteln“ zu Leibe zu rücken.

Wichtig: Die Grippeschutzimpfung

Grippe unterscheidet sich vom grippalen Infekt vor allem durch den Schweregrad. Charakteristisch: der plötzliche Beginn mit hohem Fieber, das schwere Krankheitsgefühl mit Kopfschmerzen, Kältegefühl, Muskelschmerzen. Impfen lassen sollte sich jetzt, wer über sechzig Jahre alt, chronisch krank, immunge­schwächt ist oder in Einrichtungen mit Publikumsverkehr arbeitet. Auch Kinder sollten ge­impft werden. Die Impfung kostet etwa 20 Euro. Wird nur geimpft und nicht beraten, fällt keine Praxisgebühr an. Erkundigen Sie sich bei der Krankenkasse, ob sie die Kosten übernimmt (meist bei Menschen ab dem 60. Lebensjahr, bei Chronikern, Kranken und medizinischem Personal). Auch in Betrieben wird geimpft. Älteren, chronisch Kranken und Geschwächten wird noch zur Impfung gegen Pneumokokken geraten, den Erregern von Lungen- und Hirnhautentzündung.

Den Organismus: Abhärten

Um Erkältungen vorzubeugen gelten regelmäßige Saunabesuche als hilfreich, ebenso warmkalte Wechselduschen, Wassertreten (zwei Minuten in der Badewanne durch kaltes Wasser laufen), Trockenbürstenmassagen (im Uhrzeigersinn zum Herzen hin), kalte Kniegüsse: Wasserstrahl von der Außenseite des Fußes über die Wade, Kniekehle und die Innenseite des Unterschenkels zum Fuß führen.

Das Immunsystem: Stärken

Husten, Schnupfen, Heiserkeit Meldung

Ecchinacea: Für die Immunabwehr?

Extrakte aus den Sonnenhutarten (Echinacea), von Arnikawurzel oder Lebensbaum sollen die Abwehrkräfte stimulieren.

Echinacea: Extrakte aus Kraut oder Wurzel des roten Sonnenhuts sollen die Schleimhäute unempfindlicher gegenüber Krankheitserregern machen und das Immunsystem anregen. Dabei besteht aber das Risiko, dass ruhende Autoimmunprozesse aktiviert werden, bei denen das Abwehrsystem körpereigene Zellen und Gewebe angreift (zum Beispiel Multiple Sklerose, Rheuma). Einige Studien zeigen, dass Echinacea das geschwächte Immunsystem aktivieren kann. Wichtig: Das Mittel bei ersten Krankheitssymptomen einsetzen. Eine neue Studie zieht diese Empfehlung aber in Zweifel: Bei akuten Atemwegsinfektionen von Kindern wurde kein Unterschied im Krankheitsverlauf im Vergleich zu einem Scheinmedikament festgestellt. Außerdem: Vorsicht bei Personen mit Allergien. Es wurden bereits schwere allergische Reaktionen gemeldet.

Umckaloabo

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Umckaloabo: Es gibt erste Studien.

Raketengleich hat dieses Mittel in kurzer Zeit die Verkaufscharts in der Apotheke gestürmt. Es wird als „Infektabwehr für die ganze Familie“ vermarktet. Umckaloabo (Tropfen, 20 ml, 9,30 Euro, 3 x täglich) soll die Bakterienvermehrung hemmen, die Virenabwehr verstärken. Das Mittel wird aus einem Extrakt der in Südafrika angebauten Kapland-Pelargonie gewonnen. Der Wirkmechanismus ist weitgehend unklar. Experimentelle Befunde zeigen, dass der Extrakt die Anbindung von Erregern an die Schleimhaut erschwert. Die beanspruchte therapeutische Wirksamkeit als „pflanzliches Antibiotikum“ bei Infektionen ist jedoch nicht ausreichend nachgewiesen.

Grippostad, WickMedinait und andere

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Grippostad: Typisches „Grippemittel“.

Typische „Grippemittel“ sind aus Wirkstoffkombinationen gegen eine Vielzahl von Erkältungssymptomen zusammengesetzt. Dieses „Gießkannenprinzip“ erhöht die Möglichkeit unerwünschter Wirkungen oder es werden Wirkstoffe eingenommen, die gar nicht benötigt werden.

Grippostad Gute Nacht Saft enthält die Wirkstoffe Parazetamol und Dextrometorphan sowie 18 Prozent Alkohol. WickDayMed Erkältungskapseln für den Tag besteht aus Parazetamol, Norephedrin, Dextrometorphan. Wick MediNait Erkältungssaft für die Nacht beinhaltet Parazetamol, Doxylamin, Ephedrin, Dextrometorphan und ebenfalls 18 Prozent Alkohol. Wick DayMed Erkältungsgetränk für den Tag enthält Parazetamol, Phenylephrin, Guaifenesin und Vitamin C. Parazetamol lindert Schmerzen und senkt Fieber. Dextromethorphan dämpft den Hustenreiz. Das ist aber nur sinnvoll, wenn der Husten noch nicht „produktiv“ ist, also Schleim abgehustet wird, und zur Nacht, damit der Husten die Nachtruhe nicht stört. Ephedrin und ähnliche Stoffe wirken schleimhautabschwellend, sollen verstopfte Nasen frei machen. Nasentropfen mit schleimhautabschwellenden Stoffen machen das schonender.

Die Wirkstoffe können zum Teil starke Nebenwirkungen wie Herzrasen und Blutdruckanstieg haben. Solche Risiken sind bei Erkältungen und nicht ausreichend nachgewiesener therapeutischer Wirksamkeit nicht akzeptabel. Antihistaminika, in der Regel bei allergischen Reaktionen eingesetzt, sollen verhindern, dass Schleimhäute anschwellen. Dadurch kann sich der Schleim in den Bronchien aber auch verfestigen und nicht mehr so gut abgehustet werden. Diese Wirkstoffe machen auch müde. Alkoholzusätze (Vorsicht, Kinder) können zu unvorhersehbaren Wechselwirkungen führen.

Nasentropfen: Besser als Tabletten

Bei Schnupfen sollen Nasentropfen oder Sprays wegen ihres geringeren Nebenwirkungsrisikos (etwa Herzrasen oder Blutdruckanstieg) Tabletten vorgezogen werden. Wer Nasentropfen mit abschwellender Wirkung länger als fünf bis sieben Tage einsetzt, dem droht aber die „Nasentropfen-Nase“. Nasenöle sind nicht zu empfehlen, weil sie die Flimmerhaare der Nasenschleimhaut verkleben.

Arzneimittel gegen Rachenbeschwerden bestehen häufig aus Desin­fektionsmittel, lokal betäubenden Mitteln, lokal wirkenden Antibiotika. Bei virusbedingten Hals-Rachen-Erkrankungen helfen sie nicht. Schmerzhafte Entzündungen der Gaumenmandeln mit Fieber werden häufiger durch Bakterien hervorgerufen. Hier sind Antibiotika angezeigt. Bei akuten Halsschmerzen bei Kindern zum Arzt gehen.

Bei Erkältungskopfschmerzen kann auch das Einreiben der Schläfen mit Pfefferminzöl ebenso helfen wie Parazetamol. Gegen Kopf- und Gliederschmerzen sind Azetylsalizylsäure (ASS), Parazetamol oder Ibuprofen geeignet. Aber Achtung: Kein ASS für Kinder bis zu 12 Jahren bei virusbedingten Infektionen mit Fieber.

Fieber bei Kindern: Als Heilmittel

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Fieber: Um 37,5° C spricht man von erhöhter Temperatur, ab 38 ,5° C von Fieber. Gefährlich ist ein Anstieg auf 41° C.

Fieber hat eine wichtige Funktion. Ob man es nutzen oder mit Medikamenten oder Wadenwickeln regulieren sollte, hängt vor allem vom Zustand des Kindes ab. Manche Kinder sind bei einer Temperatur von 38° C schon stark beeinträchtigt, andere erst ab 39° Celsius.

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