Hundekranken­versicherung

Interview: „Tier­arzt­kosten sind gestiegen“

17.08.2021
Hundekranken­versicherung - OP- und Voll­schutz im Vergleich
Ralph Rückert, Tier­arzt und Tiermedizin-Blogger. © Ralph Rückert

Viele denken nicht an die Kosten für eine medizi­nische Behand­lung, wenn sie sich einen Hund anschaffen. Das kann schief­gehen, sagt Tier­arzt Ralph Rückert.

Hundekranken­versicherung

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Risiko Haustierkauf

Im Corona­jahr 2020 haben Hundert­tausende von Menschen sich einen Hund ange­schafft. Wo kommen die alle her?

Auf dem Höhe­punkt der Coronakrise waren Hunde in Deutsch­land „ausverkauft“, und noch immer müssen Interes­senten teil­weise lange Warte­zeiten in Kauf nehmen, wenn sie einen Rassewelpen vom deutschen Züchter wollen.

Gleich­zeitig kommen Zigtausende Hunde über den illegalen Welpen­handel aus Osteuropa nach Deutsch­land. Erwachsene Tiere werden häufiger über den Auslands­tier­schutz vermittelt.

Wer ein Tier übers Internet kauft, weiß oft nichts über seine Herkunft und Vorgeschichte. Bringen solche Hunde besondere gesundheitliche Risiken mit?

Es gibt viele Leute, die mit so einem Hund glück­lich sind. Doch das Risiko, einen schwer verhaltens­gestörten oder kranken Hund zu bekommen, ist ungleich höher, als wenn man Kontakt zum Züchter hat, die Eltern­tiere kennt und die Welpen quasi aufwachsen sehen kann.

Intensivbe­hand­lung kostet Tausende von Euro

Sind Ihnen Fälle bekannt, wo Leute einen Hund gekauft haben, der dann schnell krank wurde?

Ja. Bei jungen Hunden, die zu früh trans­portiert wurden, kommt zum Beispiel Parvovirose vor. Das ist eine hoch anste­ckende, akut verlaufende und oft tödliche Infektions­krankheit. Muss ein Hund mit Parvovirose eine Woche lang zur Intensivbe­hand­lung in die Tierklinik, kostet das Tausende von Euro. Trotzdem ist nicht gesichert, dass er über­lebt.

Menschen, die einfach nur einen Hund wollten, fallen aus allen Wolken, wenn sie merken, worauf sie sich da emotional und finanziell einge­lassen haben.

Gesundheitliche Risiken gibt es aber auch bei bestimmten Hunde­rassen wie der Französischen Bull­dogge – auch wenn der Hund von einem Züchter kommt. Aufgrund ihrer kurzen Kopf­form ist die Rasse prädestiniert für bestimmte Krankheiten. Um das typische Aussehen zu erreichen, wurden diesen Hunden schwere Atem­probleme und eine Neigung zu Augen­schäden, Haut­erkrankungen, Keilwirbeln und Band­scheiben­vorfällen regelrecht angezüchtet.

Sind Hunde­besitze­rinnen und -besitzer manchmal über­rascht, wie teuer eine Behand­lung sein kann?

Vor allem junge Leute schätzen das häufig falsch ein. Sie haben mitunter selber wenig Geld und trotzdem aus Tier­schutz-Motiven einen Hund „gerettet“. Und dann stehen sie beim Tier­arzt, und es kommt der Einschlag in der realen Welt. Das ist oft bitter.

MRT und Anästhesie haben ihren Preis

Wie kommt es, dass Hunde-Neulinge die Höhe der Folge­kosten so unterschätzen?

Wer zum ersten Mal einen Hund hat, liest im Internet wider­sprüchliche Botschaften. Einer­seits berichten Leute in Tierhalterforen triumphierend, wie wenig sie für eine Behand­lung bezahlt haben.

Anderer­seits orientieren sich Menschen bei der Tier­arzt­suche zunehmend an Online-Bewertungen. Entscheiden sie sich, ihr krankes Haustier in eine Praxis zu bringen, die für ihre Kompetenz, ihre Freundlich­keit oder ihre Spezialisierung gelobt wird, sind manche dann über­rascht, dass gute Tiermedizin teurer ist, als sie dachten.

Werden Tier­arzt­kosten in den letzten Jahren generell höher, und wenn ja, woran liegt das?

Die tier­ärzt­lichen Preise in Deutsch­land waren im europäischen Vergleich lange nied­rig. Das ändert sich gerade. Der wichtigste Faktor ist die Arbeits­zeit. Praxen und Kliniken müssen mehr für die Arbeits­zeit ihrer Mitarbeitenden bezahlen – da macht sich der Fach­kräfte­mangel bemerk­bar.

Ein weiterer Grund: Diagnostik und Therapie in der Tiermedizin sind mitt­lerweile annähernd auf dem Niveau der Humanmedizin. Wenn ein Hund einen Band­scheiben­vorfall hat, gibt man sich heute nicht mehr mit Röntgen zufrieden, sondern schickt ihn gleich zur Magnetresonanztomo­graphie (MRT), die genauere Ergeb­nisse liefert.

Auch die Narkosen sind aufwendiger geworden. Das geht von den Vorunter­suchungen zur Bestimmung der Nieren- und Leber­werte bis hin zur Anästhesie selbst, wo heute ähnlich wie beim Menschen die Konzentration des Narkosemittels und die Vital­werte des Patienten permanent kontrolliert werden. In größeren Kliniken oder Praxen wird die Narkose von einer weiteren Person über­wacht – auch das kostet natürlich Geld. Unter Umständen ist so bei einer großen, aber harmlosen Wunde die Anästhesie teurer als das Zunähen.

50 000 Euro Kosten im Laufe eines Hunde­lebens

Wer seinen Hund medizi­nisch gut versorgen will, braucht also Geld. Wie viel pro Jahr ist für das tier­ärzt­liche „Routine­programm“ einzuplanen, und was kann an besonderen Kosten bei Erkrankungen oder Verletzungen hinzukommen?

Für einen mittel­großen Hund kommt man mit etwa 250 bis 300 Euro im Jahr für den regel­mäßigen Checkup, die nötigen Impfungen und das Entwurmen hin.

Aber dann geht es erst richtig los: Diese Woche hatte ich zum Beispiel einen kleinen Hund in Behand­lung, erst vier Jahre alt. Wegen einer aggressiven Parodontitis mussten mehrere Groß­zähne operativ entfernt werden. Die Rechnung betrug am Ende um die 2 000 Euro. Wird ein Hund vom Auto angefahren und kommt spät abends mit komplizierten Knochenbrüchen in die Klinik, kommen auch schnell 5 000 Euro zusammen.

Ähnlich ist es bei schweren Infektions­krankheiten, wenn ein Tier eine Woche in der Klinik behandelt wird.

Bei chro­nischen Erkrankungen gehen eher die laufenden Kosten ins Geld, zum Beispiel für Medikamente und Unter­suchungen.

Hinzu kommen noch Futter, Hundeschule, Zubehör – wie viel kostet es insgesamt, einen Hund zu halten?

Grob geschätzt kostet ein „normaler“ Hund im Lauf seines Lebens etwa 25 000 bis 30 000 Euro, bei einem kranken Hund müssen Sie eher von 40 000 bis 50 000 Euro ausgehen.

Für viele Hunde­besitzer lohnt sich eine Versicherung

Würden Sie Tierhalte­rinnen und Tierhaltern empfehlen, für die medizi­nische Versorgung ihrer Hunde finanziell vorzusorgen?

Wer eine Rechnung von 5 000 Euro jeder­zeit problemlos bezahlen kann, braucht keine Versicherung. Wenn jemand aber in so einem Fall den Familien­urlaub streichen müsste oder sich für solche Ausgaben verschulden müsste, sollte er unbe­dingt eine Versicherung abschließen.

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17.08.2021
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