Hundehalter-Haft­pflicht­versicherung Test

Stefan Reck aus Berlin hängt an seiner Hündin Lizzy. In der Haupt­stadt müssen alle Hunde­besitzer seit Anfang 2010 haft­pflicht­versichert sein. Reck hatte seine Police schon immer.

Jeder Hund sollte versichert sein. Sonst können den Besitzer Haftungs­ansprüche teuer zu stehen kommen.

Lizzy ist lieb. Und kuschelig und anhäng­lich ist sie auch“, sagt Lizzys Besitzer Stefan Reck. Er hat die Jagd­hund­mischung vor fast drei Jahren über eine Tier­schutz­organisation bekommen. Sie hatte die Hündin in Zypern verlassen auf der Straße gefunden und ein Herr­chen gesucht. „Lizzy hat ein total entspanntes Verhältnis zu Menschen und anderen Hunden“, betont Reck.

Doch eine Hundehalter-Haft­pflicht­versicherung hat er trotzdem abge­schlossen. „Es kann immer mal etwas passieren“, weiß er. Einmal hat Lizzy in der Wohnung einer Freundin von Stefan Reck eine Zahn­spange zerbissen. „Die Versicherung hat den Schaden über­nommen“, erzählt der Berliner.

Doch nicht in erster Linie wegen eines solch kleinen Malheurs ist ein Haft­pflicht­schutz für Hundehalter ein Muss. Für Schäden, die Bello oder Hasso anrichten, haften die Halter in unbe­grenzter Höhe. Beißt der Hund zu und verletzt einen Menschen , kann dies den Besitzer sehr teuer zu stehen kommen. Noch viel größer kann der Schaden sein, wenn ein Hund auf die Straße läuft und einen Verkehrs­unfall mit schwer verletzten oder gar getöteten Personen verursacht. Dann können Forderungen in Millionenhöhe auf den Hunde­besitzer zukommen. Der Deutsche Tier­schutz­bund empfiehlt deshalb „dringend“ den Abschluss einer Hundehalter-Haft­pflicht­versicherung.

Reck zahlt knapp 68 Euro im Jahr für die Versicherung. Das ist erschwing­lich. Doch unser Test zeigt: Es gibt noch güns­tigere Angebote. 58 Euro kostet ein Vertrag bei Baden-Badener oder NV. Der teuerste Versicherer im Test verlangt 204 Euro.

Ganz entspannt Gassi gehen

Wir haben uns aber nicht nur die Preise, sondern auch den Leistungs­umfang der Verträge angeschaut. So zahlen alle Versicherungen im Test grund­sätzlich auch dann, wenn der Halter gegen Auflagen einer Gemeinde verstößt, also gegen Leinen­zwang und Maulkorb­pflicht zum Beispiel.

Geht das Nach­barkind ab und zu mit dem Hund Gassi, ist es ebenfalls bei allen Tarifen im Test als Tierhüter mitversichert. Wenn auch die Privathaft­pflicht­versicherung der Eltern das Hüten von Tieren einschließt, ist das Kind hierbei gar doppelt versichert. Auch wenn ein Familien­mitglied das Tier ausführt, ist es mitversichert, wenn der Hund andere schädigt. Beißt der Hund jedoch in der Familie seines Halters um sich, bekommen die Angehörigen keinen Schaden­ersatz.

Die Unterschiede bei der Leistung

In fast allen Tarifen mitversichert sind sogenannte Deck­schäden. Das ist gut, denn schwängert ein liebes­toller Vier­beiner eine Rassehündin, kann der wirt­schaftliche Schaden ein paar tausend Euro betragen. Für Weibchen ist ein integrierter „Welpen­schutz“ sinn­voll. Dann ist der Nach­wuchs von Geburt an einige Monate kostenlos mitversichert. Dies bieten aber längst nicht alle Angebote in unserem Test (siehe Tabelle Haftpflichtversicherungen für Hunde).

Auch Mietsach­schäden sind nicht bei allen Angeboten mitversichert. Dabei ist dieser Schutz nicht nur sinn­voll für Hunde­besitzer, die in einer Miet­wohnung wohnen, sondern für alle Hundehalter.

Wenn sie mit ihrem Hund auf Reisen sind, und er zerkratzt den Parkett­boden des Hotel­zimmers oder eine Tür in der gemieteten Ferien­wohnung, kommt die Versicherung für den Schaden auf – voraus­gesetzt, die Police umfasst auch den Schutz bei Mietsach­schäden.

Ausgeschlossen sind jedoch Ansprüche wegen Abnut­zung und über­mäßiger Bean­spruchung. Dies gilt zum Beispiel dann, wenn der Hund über einen längeren Zeitraum und nicht durch einen einzelnen „Unglücks­fall“ Schäden an Tapeten und Türen verursacht, so das Amts­gericht Köln (Az. 139 C 580/07). In diesem Fall hatte der Hund Tapetenflächen und Türen über einen längeren Zeitraum hinweg erheblich beschädigt. Dies hätte die Hunde­besitzerin unterbinden müssen, urteilte das Gericht.

Zu viele Herr­chen ohne Versicherung

Rund fünf Millionen Hunde gibt es in Deutsch­land. Doch nur 2,15 Millionen Hunde­besitzer haben eine Hundehalter-Haft­pflicht­versicherung abge­schlossen. Auch wenn viele mehrere Hunde halten und Jagd­hunde nicht in dieser Statistik vorkommen, da sie nicht mit einer Hundehalter-, sondern in einer Jagd­haft­pflicht­versicherung versichert werden müssen, bleibt eine große Lücke: Nach Schät­zung des Branchen­verbands GDV gibt es nur für rund 70 Prozent aller Hunde in Privatbesitz eine Haft­pflicht­versicherung.

Pflicht ist sie für alle Hundehalter nur in Berlin, Hamburg und Sachsen-Anhalt. In den meisten anderen Bundes­ländern ist sie beschränkt auf gefähr­liche Hunde. Und in Thüringen und Meck­lenburg-Vorpommern gibt es über­haupt keine Versicherungs­pflicht. (siehe Meldung Hundehalter in der Pflicht.)

Besitzer von gefähr­lichen Hunden wie Pitbull-Terrier oder Bull­terrier bekommen aber längst nicht über­all Versicherungs­schutz: Viele Versicherer im Test versichern sie über­haupt nicht. Andere verlangen für diese Hunde­rassen einen Aufpreis. Dann kann der Schutz wie beispiels­weise bei der HanseMerkur schnell doppelt so teuer werden. Wieder andere Gesell­schaften wie etwa Allianz, DEVK oder Haft­pflicht­kasse Darm­stadt verlangen für Kampf­hunde und als gefähr­lich einge­schätzte Hunde gar keinen Aufpreis.

„Es gibt keine Rassen, die von vorn­herein gefähr­lich sind“, sagt Tier­schutz­bund-Sprecher Marius Tünte. „Das Problem liegt meist am anderen Ende der Leine, weil der Hundehalter sich nicht mit dem Wesen seines Hundes auseinander­gesetzt hat und es ihm nicht gelungen ist, seinen Hund sozial­verträglich zu erziehen und zu führen. Da dies leider immer wieder vorkommt, ist die gesetzliche Vorschrift einer Hundehalter-Haft­pflicht­versicherung sicher sinn­voll.“ Noch gibt es sie nicht über­all.

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