Hundehaft­pflicht­versicherung Test

Süß und putzig? Auch harmlose Hunde können enorme Schäden anrichten. Die Rechnung bekommt meist der Besitzer – egal ob er Schuld am Verhalten seines Hundes trägt oder nicht. Selbst wenn er gar nicht dabei war, ist er haft­bar.

Hundehalter brauchen eine spezielle Haft­pflicht­versicherung. Guten Schutz gibt es ab 58 Euro im Jahr.

Selbst im Schlaf kann ein Tier großen Schaden anrichten. Diese Erfahrung machte eine 61-jährige Frau, als sie über einen dösenden Schäferhund stol­perte und sich schwer am Knie verletzte. Für die Besitzerin des Hundes hatte das teure Folgen.

Die verletzte Frau forderte vor Gericht Schaden­ersatz und Schmerzens­geld in Höhe von 15 000 Euro. Zu Recht, denn nach Paragraf 833 des Bürgerlichen Gesetz­buchs haften Tierhalter grund­sätzlich für die Schäden, die ihr Tier anrichtet (Ober­landes­gericht Hamm, Az. 19 U 96/12).

Herr­chen gut geschützt

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Gebell kann Passanten erschre­cken und zu Fall bringen. Der Halter haftet (Land­gericht Coburg, Az. 13 O 150/11).

Halter von Kleintieren wie Katzen sind durch ihre private Haft­pflicht­versicherung geschützt sind. Schäden durch einen Hund deckt sie jedoch nicht ab. Hier springt eine Hundehalterhaft­pflicht­versicherung ein, auch genannt Hundehaft­pflicht.

Unser Test von 116 Tarifen zeigt: Die Preise am Markt variieren stark. Ab 57 Euro und bis über 200 Euro kann eine Police jähr­lich kosten. Doch längst nicht alle Angebote enthalten die gleichen Leistungen. Finanztest hat einen Grund­schutz definiert. Dazu gehören: Schutz auch bei Verstoß gegen Halter­pflichten, Hundehüter sind versichert, Mietsach­schäden sind mindestens bis zu einer Höhe von 250 000 abge­deckt, Deck­schäden sind versichert, Auslands­auf­enthalt ist für mindestens 1 Jahr versichert und Hundewelpen sind grund­sätzlich mindestens für sechs Monate versichert. In der Tabelle zur Hundehaft­pflicht­versicherung sind die Tarife nach diesen Leistungen sowie nach Preis und Anbieter filter­bar.

Preise können abweichen

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Beißt Bello den Tier­arzt, kann der vom Halter Schaden­ersatz fordern (OLG Celle, Az. 20 U 38/11).

Die Preise der Tarife beim Versicherer können sich von den Angaben in der Tabelle unterscheiden. Wer bereits einen anderen Vertrag bei einem Anbieter hat, zahlt oft weniger. Manche Versicherer gewähren auch Nach­lass bei weiteren Hunden.

Besitzer von großen und als gefähr­lich einge­stuften Hunden müssen dagegen häufig mehr zahlen. Sie bekommen auch längst nicht jeden Tarif für einen gefähr­lichen Hund. Etliche Versicherer führen Listen von Hunden, die sie grund­sätzlich nicht versichern. Durch einen Klick in unsere Tabelle können Sie die Tarife der Versicherer anzeigen lassen, die auch gefähr­liche Hunde versichern.

In sechs Bundes­ländern Pflicht

Immer mehr Bundes­länder schreiben eine Hundehaft­pflicht­versicherung vor, unabhängig davon, wie groß oder bissig der Hund ist. Neben Berlin, Sachsen-Anhalt, Hamburg, Nieder­sachsen und Thüringen herrscht seit Januar 2016 auch in Schleswig-Holstein eine Versicherungs­pflicht für Hundehalter.

Auch ohne Zwang – eine Hundehalterhaft­pflicht ist aus Sicht von Finanztest notwendig. Schließ­lich haften Besitzer für die sogenannte typische Tiergefahr. Sie haften, auch wenn sie nichts falsch gemacht haben, weil das Tier per se als gefähr­lich gilt.

Verstoß gegen Halter­pflicht

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Radfahrer und Jogger können den Weg eines Hundes kreuzen und stürzen. Wieder haftet der Besitzer.

Viele Tarife aus unserer Tabelle springen auch ein, wenn der Halter gegen seine Pflichten verstößt. So ein Fall liegt vor, wenn Herr­chen keine Leine anlegt, obwohl Leinen­zwang herrscht, und ein Unfall passiert. Da so ein Miss­geschick schnell passiert, gehört diese Leistung zu unserem Grund­schutz und die Tarife in der Tabelle können nach dieser Leistung ausgewählt werden.

Beispiel: Der Besitzer eines Germa­nischen Bärenhunds musste einer Fahr­radfahrerin Schmerzens­geld und Schaden­ersatz zahlen (Land­gericht Tübingen, Az. 5 O 218/14). Trotz Leinen­pflicht hatte er seinen Hund nicht fest­gehalten. Die Radlerin wich dem Hund aus, stürzte und verletzte sich schwer.

Deck- und Welpen­schutz

Manchmal läuft das Spiel kämpfender Hunde aus dem Ruder und es kommt zum ernst­haften Kampf. Grund­sätzlich haften alle Besitzer der beteiligten Hunde für Schäden, die daraus folgen. Die Hundehaft­pflicht­versicherung kommt für diese Schäden in der Regel auf.

Wichtig sind aber auch Deck- und Welpen­schutz. Längst nicht jeder Besitzer freut sich über Nach­kommen. Wenn ein Rüde eine Rassehündin schwängert, haftet der Besitzer. Ihm drohen Schaden­ersatz­forderungen von mehreren Tausend Euro. Dieser Schutz ist besonders für Halter von Rüden wichtig. Halter einer Hündin sollten darauf achten, dass ihre Police einen umfassenden Schutz für Welpen enthält.

Schäden in der Miet­wohnung

Hunde können in Miet­wohnungen großen Schaden anrichten. Zerkratzt der Vier­beiner Böden und Türen, muss der Hundehalter haften. Deshalb gehört die Absicherung von Mietsach­schäden zu unserem Grund­schutz. Wichtig: Hundehalter sind auch dann geschützt, wenn der Hund eine Ferien­wohnung verwüstet.

Schäden durch Verschleiß sind aber nicht versichert. Hat der Parkett­boden über die Jahre unter den Krallen des Hundes gelitten, muss der Hunde­besitzer die Reno­vierungs­arbeiten aus eigener Tasche bezahlen.

Mit dem Hund im Ausland

Für viele Tierfreunde ist auch der Versicherungs­schutz im Ausland wichtig. Denn dann springt die Versicherung auch ein, wenn ein Hund auf Mallorca oder Gran Canaria einen Schaden anrichtet. Zum Grund­schutz gehört für uns eine Reisedauer von mindestens einem Jahr.

Haften beim Hundesitten

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Spiel oder Kampf? Wenn sich Hunde streiten, sind in der Regel ihre Halter alle für Schäden haft­bar.

Bleibt der Hund zu Hause und wird von Freunden gehütet, während der Halter verreist ist, bleibt dieser haft­bar.

Passiert unter der Aufsicht des Hundesitters ein Schaden, sollte dies versichert sein. Bei vielen Tarifen greift der Schutz selbst dann, wenn der Hundesitter fahr­lässig handelt und den Hund beispiels­weise trotz Leinen­pflicht frei laufen lässt. Wer seinen Hund einem anderen anver­traut, kann den Hüter also beruhigen.

Außerdem decken auch viele Tarife der privaten Haftpflichtversicherung das Hüten eines fremden Hundes ab. Schließt der Hundesitter einen solchen Tarif ab, ist er umfassend geschützt. Seine Police greift, wenn es sonst keinen Schutz gibt.

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