Hoch­wertig und bedarfs­gerecht – so preisen viele Anbieter ihr Feucht­futter an. Doch die Ergeb­nisse sind verheerend: Jedes zweite fällt durch.

Hundefutter Test

Wieder fit. Heute rennt Island­hund Fúni übers Feld. Zuvor hatte er Schmerzen – seinem Futter fehlten Nähr­stoffe.

Quick­lebendig läuft der Island­hund von Ursula Thiel übers Feld. Vor wenigen Wochen war er nicht so gut drauf. Fúni – so sein islän­discher Name für Feuerfuchs – schmerzten plötzlich die Pfoten. „Ich dachte, er hat sich vertreten“, erzählt die erfahrene Hunde­besitzerin. Seit ihrer Jugend hat sie immer einen Hund gehalten. Für sie ist er mehr als ein Begleiter, er ist Teil der Familie. Der Tier­arzt verschrieb Fúni Schmerz­tabletten, doch die Beschwerden blieben. Erst eine weitere Unter­suchung ergab: Dem Hund fehlen Kalzium und Phosphor. Ursula Thiel war enttäuscht: „Das muss doch alles im Futter stecken.“

14 von 30 ohne wichtige Nähr­stoffe

Hundefutter Test

Belohnt. Ursula Thiel gibt ihrem Hund einen Snack. Seit er Kalzi­umprä­parate nimmt, geht es ihm besser.

Fúnis Geschichte ist kein Einzel­fall. Fehlende Nähr­stoffe, unausgewogene Zusammenset­zung – bei Hundefutter keine Seltenheit, wie der Test von 30 feuchten Allein­futtern zeigt. Fast jedes zweite scheitert am richtigen Nähr­stoff­mix, den die Vier­beiner brauchen, um gesund zu bleiben Alleinfutter: Das muss drin sein. Mal fehlte Kalzium, mal Linolsäure oder Kupfer, mal konnten wir kein Vitamin B1 nach­weisen. Fazit: 14 Futter sind deshalb mangelhaft, und das im doppelten Sinn. Sie weisen selbst Mängel auf und können auch beim Hund Mangel­erscheinungen hervorrufen.

Morscher Kiefer durch Kalzium­mangel

Hundefutter Test

Fit bleiben. Ausgewogenes Futter und viel Bewegung halten Hunde fit und beugen Überge­wicht vor.

Bei vier Produkten ist zum Beispiel ein Kalzium­mangel programmiert: beim Biofutter von Herr­mann’s – es deckt nur gut 17 Prozent des Bedarfs –, bei Animonda Gran Carno, bei O’Canis und beim vegetarischen Futter des nieder­ländischen Herstel­lers Yarrah, dessen Tages­ration mit 6,40 Euro zu den teuersten zählt.

Hunde brauchen dreimal so viel Kalzium wie der Mensch. Sie müssen den Mineralstoff über das Futter aufnehmen. Enthält es zu wenig, leidet lang­fristig das Skelett. „Als Erstes kann der Hund nicht mehr kräftig zubeißen, er bekommt einen morschen Kiefer“, sagt Ellen Kienzle, Professorin für Tier­ernährung in München. „Später werden dann andere Knochen brüchig. Dabei ließe sich das Problem spielend leicht beheben. Die Hersteller müssten einfach mehr Knochen­anteile ins Futter geben.“

Amaranth und Basilikum

Die richtige Rezeptur beherr­schen viele Anbieter nicht – voll­mundige Werbung schon. Wer die ansprechenden Etiketten der Test­verlierer betrachtet, glaubt, sein Tier kulinarisch verwöhnen zu können. Fress­napf etwa bietet „Rind mit Kartoffeln und Schwarz­kümmelöl“, Terra Canis „Huhn mit Tomaten, Amaranth & Basilikum“. Naturplus Activa verspricht „eine hoch­wertig und bedarfs­gerecht zusammen­gestellte Zutaten­liste“.

Der Bezeichnung „Allein­futter“ werden 14 mangelhafte Produkte nicht gerecht: Dazu müssten sie es schaffen, den gesamten Nähr­stoff­bedarf abzu­decken.

Acht Futter sind top

Immerhin acht Feucht­futter geben alles. Sie sind sehr gut. Dazu zählen die güns­tigen Produkte von Netto Marken-Discount, Ross­mann, Edeka, Aldi (Nord) und Kauf­land sowie drei Futter der Marken Pedigree, Hill’s und Cesar. Diese acht versorgen Hunde ausgewogen mit den Nähr­stoffen, die sie brauchen. Und sie nennen für die verschiedenen Gewichts­klassen meist die richtigen Futtermengen. Auch waren Schad­stoffe für sie kein Problem, so wie für die meisten Produkte im Test. Einzige Ausnahme: die zwei Futter mit Pferde­fleisch. Sie enthielten vergleichs­weise viel Kadmium – Pure Instinct Strong Mustang über­schritt sogar den Grenz­wert für Tierfutter und ist deshalb mangelhaft.

Der Hund ist kein Wolf

Hundefutter Test

Mit Schad­stoff belastet. Pure Instinct Strong Mustang enthält sehr hohe Mengen an Kadmium. Auf dem Etikett wird der Hund wie ein Wolf dargestellt.

Mit Schad­stoff belastet. Pure Instinct Strong Mustang enthält sehr hohe Mengen an Kadmium. Auf dem Etikett wird der Hund wie ein Wolf dargestellt.

Auch ohne den Kadmi­umfund fällt die Dose von Pure Instinct auf. Mit ihrer dunklen Farbe und dem geheim­nisvollen Wolfs­gesicht spielt sie auf das Wilde im Hund an – ein Trend auf dem Markt. Doch ein Hund ist kein Wolf. Wölfe sind Beutetier­fresser, sie verspeisen nahezu das ganze erlegte Tier. Sie nehmen etwa Kalzium aus dem Skelett, Natrium aus dem Blut und Vitamine aus dem Darm auf. Der Haushund wurde vor mehr als 15 000 Jahren domestiziert. Er ist auf sein Herr­chen angewiesen, um optimales Futter zu bekommen. Er kann Stärke besser verdauen als sein Urahn – Getreide ist für ihn kein Problem.

Der Hund ist kein Mensch

Nicht nur der Wolfs­vergleich hinkt, auch der mit dem Menschen. Unsere Ernährungs­regeln und Modediäten lassen sich ebenso wenig auf Hunde über­tragen. Da Mensch und Tier heute haut­nah zusammenleben, wird der Hund mehr und mehr als Mensch betrachtet. Die Folge ist Über­ernährung. Die meisten Hunde in Deutsch­land sind bereits überge­wichtig. Neben mangelnder Bewegung könnten dazu auch Hundesnacks ihren Teil beitragen: Der Absatz dieser Leckerlies nimmt zu.

Zusatz­stoffe müssen sein

Hundefutter Test

Von Rentier keine Spur. Trotz nordischer Aufmachung und eindeutigen Abbildungen fanden wir im Futter von Bozita nicht die geringste Spur von Rentier.

Von Rentier keine Spur. Trotz nordischer Aufmachung und eindeutigen Abbildungen fanden wir im Futter von Bozita nicht die geringste Spur von Rentier.

Wie setzt es sich nun zusammen, das optimale Futter? Edles Filet und Muskel­fleisch müssen nicht sein. Wünschens­wert sind vor allem Neben­produkte vom Schlachten wie Leber, Herz und Innereien. Das sind nicht etwa minderwertige Abfälle, sondern wichtige Nähr­stoff­quellen (Häufige Fragen rund ums Thema Hundefutter). Unerläss­lich sind auch Vitamine, einige wie B1 lassen sich in ausreichender Menge nur als Zusatz­stoff zufügen. „Ein Allein­futter, das wirbt, frei von Zusatz­stoffen zu sein, ist nicht glaubwürdig“, schluss­folgert Expertin Ellen Kienzle.

Nicht nur die Nähr­stoff­versorgung entpuppte sich als Problem. Wir staunten nicht schlecht über unzäh­lige falsche Angaben zu Futtermengen und andere abenteuerliche Angaben auf den Etiketten. So lobt der schwe­dische Hersteller Bozita Rentier aus – im Laborfanden wir nicht mal jene kargen 4 Prozent, die Futter haben muss, wenn es vorn auf der Packung mit einer Tier­art wirbt. Auch Happy dog verspricht zu viel. Statt „100 % Rind“ offen­barte die Analyse auch Schwein und Geflügel.

Ginge es auch ohne Fleisch? In Groß­städten finden sich zunehmend kleine Läden, die auf Bio- und vegetarisches Futter spezialisiert sind. Biopur und Yarrah, die zwei fleisch­losen Kandidaten im Test, fallen jedoch durch – nicht weil vegetarische Kost per se für Hunde unge­eignet ist. Ihnen fehlen vor allem Vitamine.

So macht es das Tierheim

Hundefutter Test

Erfahren. Janin Tiedemann vom Tier­schutz­ver­ein für Berlin verköstigt 300 Heimhunde. Unver­träglich­keiten zeigen sich, so ihre Erfahrung, nach kurzer Zeit.

Mit oder ohne Fleisch, nass oder trocken – wenn sich jemand bei der Futtersuche auskennt, dann Tier­heime. Sie verköstigen viele verschiedene Hunde. Beim Tier­schutz­ver­ein für Berlin sind es an die 300. „Normaler­weise nehmen wir gespendetes Futter“, erzählt die Geschäfts­führerin Janin Tiedemann. „Bei vielen Hunden hier funk­tioniert das aber nicht. Wir haben ihnen verschiedene Futter angeboten, um lang­fristig eins für alle zu finden. Wir haben die Hunde beob­achtet, auf Durch­fall geachtet und die Nähr­stof­fangaben geprüft.“ So entdeckte sie im Laufe der Zeit ein Futter, das der über­wiegende Teil der Tierheimhunde gut verträgt. „Die übrigen bekommen Spezialfutter, etwa weil sie Allergien oder Zahn­probleme haben.“ Das gibt Hoff­nung, dass auch Hunde­besitzer zuhause mit Geduld das Richtige für ihr Tier finden.

Zurück zu Fúni, dem Island­hund mit den schmerzenden Pfoten. Ursula Thiel gibt ihm seit Wochen ein kalziumreiches Ergän­zungs­futter. Seitdem geht es ihm besser. Hätte er früher ein ausgewogenes Futter bekommen, wären ihrem Feuerfuchs die Schmerzen erspart geblieben.

Dieser Artikel ist hilfreich. 387 Nutzer finden das hilfreich.