Sicher. In den Aluboxen für den Kofferraum über­standen die Hunde-Dummys die Crashtests unbe­schadet. Auch echte Vier­beiner fühlen sich in ihnen wohl.

Bei Unfällen und riskanten Fahr­manövern schützen nur stabile Metall­boxen Hund und Mensch. Geschirre und Stoff­boxen versagen im Crashtest.

Mit voller Wucht schleudert der Hund beim Aufprall durch die Luft. Das Geschirr, das ihn auf der Rück­bank des Fahr­zeugs sichern sollte, reißt wie ein Bindfaden. Zum Glück besteht der Hund aus Metall, Leder und Stoff statt aus Fleisch und Blut. Er lässt sich nach unserem Crashtest reparieren. Die Kräfte, die bei einem Unfall mit 50 Kilo­meter pro Stunde wirken, sind enorm. Ein Hund kann da für die vorn sitzenden Personen zum tödlichen Geschoss werden. Auto­fahrer sind deshalb verpflichtet, Tiere im Wagen zu sichern. Dafür bietet der Markt eine Vielzahl von Vorrichtungen. Allerdings schützen nur wenige Mensch und Tier zuver­lässig.

Unser Rat

Hoch­preisige Metall­boxen sichern Tier und Mensch im Auto am besten. Sehr gut ist Testsiegerin Schmidt-Box Premiumkennel für 595 Euro, die auch unter dem Namen Klein­metall Alustar Rück­sitz-Hundebox erhältlich ist – dann allerdings 80 Euro mehr kostet. Ebenfalls sehr gut schützt 4pets Pro 2 Large für 420 Euro. Gut und recht günstig ist die Trixie Trans­portbox für 210 Euro.

Verschiedene Systeme im Test

Sicher montiert. Die 4pets-Box hat ein stabiles Gehäuse aus Alu und lässt sich mit mitgelieferten Gurten eng an die Rück­bank zurren. Je näher dran, desto besser der Schutz.

Für den Test wählten wir alle gängigen Produkt­typen für den Hunde­trans­port aus: Boxen aus Kunststoff, Stoff und Metall, Drahtkäfige sowie Geschirre, die sich am Drei­punkt­gurt des Autos befestigen lassen. Nicht berück­sichtigt haben wir Trenn­gitter und -netze, die den Kofferraum vom Fond des Wagens separieren sollen. Solche Gitter können, wenn sie fest im Auto verankert sind, Insassen vor herum­fliegender Ladung schützen. Allerdings bieten sie wenig Schutz für den Hund. Er hat zu viel Platz: Bei einem Unfall oder plötzlichen Ausweichmanöver kann das Tier über eine größere Distanz fliegen und gegen die Wände des Kofferraums geschmettert werden. Von Netzen und Gittern, die nicht fest im Auto montiert sind, raten Experten generell ab. Solche Vorrichtungen können größere Tiere und Gepäck nicht zurück­halten.

Inno­vativ. Testsieger Schmidt Premiumkennel eignet sich für die Rück­sitz­bank. Die Box liegt dank eines Keils eng an der Lehne an und hielt so dem Crashtest stand.

Crashtests und Fahr­manöver zeigen, wie sicher die 21 ausgewählten Produkte sind. Wir haben zudem bewertet, ob sie sich gut hand­haben lassen und ob Hunde in den Boxen und Geschirren möglichst stress­frei reisen. Das Ergebnis ist eindeutig: Eine sichere Fahrt gewähren nur Metall­boxen – wenn sie im Auto richtig platziert sind. Die Stoff­boxen und fast alle Geschirre rissen beim Aufprall; an den Drahtkäfigen kann sich vor allem der Hund verletzen.

Im Crash fliegt fast eine Tonne

Völlig losgelöst. Mit der Wucht von etwa 1000 Kilogramm knallt der Dummy beim Aufprall nach vorn und zerfetzt das Hunter-Geschirr im Bruch­teil einer Sekunde.

Völlig losgelöst. Mit der Wucht von etwa 1000 Kilogramm knallt der Dummy beim Aufprall nach vorn und zerfetzt das Hunter-Geschirr im Bruch­teil einer Sekunde.

Für die Prüfungen entwickelten die Tester zwei Hunde-Dummys: den liegenden Lucky für die meisten Boxen und den sitzenden Murphy für Geschirre. Die Tüftler fertigten für sie ein Stahlgerüst an, das einem Hundeskelett nach­empfunden ist. Sie hüllten es in Leder und eine gepols­terte Außenhaut aus Kunst­faser. Lucky und Murphy wiegen 19 Kilo – so viel wie mittel­schwere Hunde, etwa Border Collies.

Die Dummys mussten extreme Kräfte bei den Crashtests aushalten: Beim abrupten Stopp aus einer Geschwindig­keit von 50 Kilo­meter pro Stunde wirkt etwa das 50-Fache des Hundegewichts. Die Boxen und Geschirre müssen dementsprechend um die 1 000 Kilo standhalten. Das entspricht einem statt­lichen Rind.

Die Geschirre von Hunter, Julius, Karlie und Trixie rissen unter dieser Belastung. Tier-Dummy Murphy flog ungebremst durch die Luft. Ein echter Hund würde das kaum über­leben. Und auch für die menschlichen Passagiere bestünde Lebens­gefahr. Die Geschirre von Klein­metall und Kurgo blieben beim Crash heil. Sie schützen dennoch nicht. Ihre Gurte ziehen sich zu weit aus. Der Hund würde beim Unfall mit voller Wucht gegen den Vordersitz prallen.

Drahts­täbe verbiegen zu Spießen

Spitze Gefahr. Im Crashtest verbiegen die Stäbe der beiden geprüften Drahtkäfige, wie hier beim Savic.

Spitze Gefahr. Im Crashtest verbiegen die Stäbe der beiden geprüften Drahtkäfige, wie hier beim Savic.

Verletzungen, wie verbogene Metall­knochen und eine aufgerissene Stoff­haut, zogen sich die Hunde-Dummys auch in den Drahtkäfigen, Plastik- und Stoff­boxen zu. Einige Anbieter und Händler bewerben falt­bare Stoff­boxen als Alternative zu sper­rigen Metall­boxen, die Fahrer auf die Rück­sitz­bank stellen können. Kerbl Journey besitzt dafür extra Schlaufen, durch die der Sicher­heits­gurt des Autos geführt wird. Die Tester montierten die Stoff­boxen auf dem Rück­sitz. Sicherheit bieten sie dort allerdings nicht: Der Dummy durch­schlug den Stoff, als wäre er aus Papier – und sauste aus beiden Stoff­boxen heraus.

Tipp: Im Kofferraum bieten Stoff­boxen mehr Schutz als im Fond, zumindest für die Menschen. Die Rück­bank kann verhindern, dass der Hund nach vorn fliegt.

Die anderen Boxen­typen sind so groß, dass sie sich nur für den Kofferraum eignen. Boxen aus Plastik und Drahtkäfige bieten selbst dort nur ausreichenden Schutz. Der Dummy durch­brach im Crashtest die Rück­seiten der Plastikboxen. Es entstanden scharfe Kanten, die das Tier verletzen können. Zudem besteht die Gefahr, dass der Hund bei einem Unfall entkommt und in Panik auf die Straße rennt. Bei den Draht­gestellen von Nobby und Zooplus blieb der Hund im Käfig, da die Rück­bank ihn stoppte, allerdings verbogen die schmalen Drahts­täbe zu zackigen Spießen. Sie bringen Vier­beiner zusätzlich in Gefahr. Kaum beschädigt waren dagegen die Aluboxen von 4pets, Schmidt und Klein­metall nach den Crashtests. Sie bieten Tier und Mensch den größt­möglichen Schutz.

Tipp: Vorsicht, Plastikboxen und Drahtkäfige für kleine Hunde passen zwar auf die Sitze, stehen dort aber gefähr­lich. Sie werden bei einem Aufprall nur zurück­gehalten, wenn sie im Kofferraum direkt an der Rück­sitz­bank anlehnen.

Beim Fahren rutscht Hund vom Sitz

Bei der praktischen Fahr­prüfung sicherten die Tester zunächst die Dummys im Auto. Mit einer Geschwindig­keit von um die 70 Stundenkilo­metern führte ein Testfahrer dann rasante Spur­wechsel durch und holperte über einen unbe­festigten, mit Schlaglöchern über­säten Waldweg.

Bei den Manö­vern verbogen die beiden Drahtkäfige und störten den Fahrer mit ihrem Geklapper. Auch Geschirre schützen Hunde auf unweg­samen Pisten und in engen Kurven kaum: Im Test wurde Dummy Murphy hin und her geschleudert und endete mit jedem Geschirr im Fußraum. Hunde haben bei den Geschirren einen zu großen Bewegungs­radius. Je mehr Platz das Tier hat, desto höher das Risiko, dass es beim Fahren in Stress gerät oder sich in einer brenz­ligen Situation verletzt.

Den Hund an die Box gewöhnen

In den Metall­boxen über­standen die Dummys die Fahr­manöver problemlos. Die stabilen Kisten eignen sich am besten für Vier­beiner. Außer der Alvaris-Box sind alle innen mit rutsch­festem Material ausgelegt. Das ist wichtig, damit das Tier beim Ein- und Aussteigen nicht ausrutscht und etwas Unangenehmes mit der Trans­portbox verbindet.

Tipp: Vielen Hunden sind Boxen anfangs suspekt. Wie Sie es schaffen, dass Ihr Vier­beiner gern hinein­geht, erläutert Hundetrainer Martin Rütter.

Mehr Infos. Läuft Ihr Hund vor ein Auto oder Fahr­rad, ist eine Hundehaft­pflicht­versicherung wichtig. In unserem Test Hundehaftpflichtversicherungen, Finanztest 4/2016, finden Sie gute Policen.

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