Hunde am Arbeits­platz Special

Teil des Teams. In einigen Firmen gehören Hunde zum Büroall­tag. Wichtig ist, dass Hunde­besitzer, Vorgesetzte und Kollegen die Bedingungen vorher absprechen.

Hunde können für gute Stimmung im Büro sorgen – oder für Zoff. In manchen Büros sind sie erlaubt, anderswo bleibt ihnen der Zutritt verwehrt. Klare Regeln helfen, Konflikte zu vermeiden. Doch was ist von Gesetzes wegen erlaubt? Die Rechts­experten der Stiftung Warentest erklären die recht­liche Lage.

Im Bundes­tag gilt: „Wir müssen draußen bleiben“

Im Sommer 2013 planten knapp 20 Bundes­tags­abge­ordnete eine kleine Revolution: Sie beantragten beim damaligen Parlaments­präsidenten Norbert Lammert, dass sie ihre Hunde mit ins Hohe Haus nehmen dürfen. Der lehnte ab. Für Hunde im Bundes­tag heißt es deshalb noch immer: „Wir müssen draußen bleiben.“

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Die meisten Hundehalter stehen mitten im Berufs­leben

Bei anderen Arbeit­gebern sind Hunde will­kommen, schlummern Bernhardiner unter Schreibtischen, stromern Terrier durch Flure. Die Nach­frage nach Arbeits­plätzen, an denen Hunde erlaubt sind, dürfte in den vergangenen Jahren gestiegen sein. Zählte die Statistik im Jahr 2 000 rund 5 Millionen Hunde in Deutsch­land, waren es 2017 bereits 8,4 Millionen – und die meisten Hundehalter stehen mitten im Berufs­leben.

Hunde können beim Stress­abbau helfen, sind aber unbe­rechen­bar

„Studien zeigen, dass Hunde die Kreativität der Mitarbeiter fördern und helfen, Stress abzu­bauen,“ sagt Markus Beyer, Gründer vom Bundes­verband Bürohund. Sein ehren­amtlicher Verein berät Hunde­besitzer und Unternehmen zu dem Thema. Kritisch sieht hingegen der Berliner Arbeits­recht-Experte Alexander Bredereck das Thema Vier­beiner im Büro: „Mit einem Hund kommt etwas Unkontrollier­bares ins Büro. Wenn der Rott­weiler des Kollegen einem anderen mit dem Fang­zahn am Ohr hängt, kann das eine Menge Ärger geben.“

Der Arbeit­geber darf entscheiden

Voraus­setzung für Bello im Büro: Der Boss muss zustimmen. „Das Direktions­recht regelt, dass Arbeit­geber entscheiden dürfen, ob Hunde in ihren Räumen erlaubt sind“, sagt Bredereck. „Wollen Arbeitnehmer ihren Hund mitbringen, müssen sie die ausdrück­liche Genehmigung des Vorgesetzten einholen.“ Das gilt auch dann, wenn der Dackel nur mal ausnahme­weise mit soll, etwa weil der Hundesitter ausgefallen ist. Gibt es in dem Unternehmen noch keine Hunde, muss man von einem Verbot ausgehen.

„Die Angst der anderen“

Ist der Chef einverstanden, sollten Herr­chen oder Frauchen auch die Kollegen fragen, ob sie mit dem Team­zuwachs leben können. „Die Angst der anderen ist immer das Limit“, sagt Markus Beyer und rät, die Erlaubnis des Arbeit­gebers schriftlich fest­zuhalten. „Wichtig ist, genau zu regeln, was die Rechte und Pflichten aller Beteiligten sind und wie die Integration ablaufen soll.“ Klare Vorgaben (siehe Der richtige „Hund-im-Büro-Vertrag“ - grauer Kasten, unten auf der Seite) können Konflikte verhindern. Sinn­voll sei zudem ein Notfall­plan, falls der Hund für Ärger sorgt. Bellt er regel­mäßig andere Kollegen an, könnte die erste Konsequenz heißen: Ein Hundetrainer muss ran. Die letzte: Der Hund darf nicht mehr ins Büro.

Haftungs­frage klären

Auch die Haftungs­frage sollte im Vorfeld geklärt sein: Wer über­nimmt die Kosten, wenn der Hund Schaden anrichtet? In Berlin, Hamburg, Nieder­sachsen, Sachsen Anhalt, Schleswig-Holstein und Thüringen müssen Hunde­besitzer eine Tierhalterhaft­pflicht­versicherung abschließen. In anderen Bundes­ländern könnten Arbeit­geber ihre Mitarbeiter dazu verpflichten. Gute Policen sind ab etwa 60 Euro im Jahr zu haben.

Tipp: Weitere Informationen erhalten Sie auf unserer Themenseite Tierhalterhaftpflicht.

Der richtige „Hund-im-Büro-Vertrag“

Um Konflikte zu vermeiden, sollten Arbeit­geber und Hunde­besitzer in schriftlichen Verträgen die Rechte und Pflichten aller Beteiligten fest­halten. Eine Betriebs­ver­einbarung kann außerdem Grund­sätzliches zur Hundehaltung fest­legen. Der Betriebsrat muss der Vereinbarung zustimmen. Folgende Fragen sollten geklärt werden:

Räume. In welchen Räumen darf sich das Tier aufhalten? Gibt es Tabuzonen wie Küche, Konferenzsaal oder das Chefbüro?

Haftung. Wer wird zur Verantwortung gezogen, wenn der Hund den Drucker atta­ckiert oder auf den Teppich macht? Muss der Hunde­besitzer vorab eine Tierhalter-Haft­pflicht­versicherung abschließen?

Gassi. Wie oft muss der Hund täglich raus und wie lange etwa? Verändert sich durch lange Gassigänge die Kern­arbeits­zeit?

Probleme. Welche Konsequenzen gibt es, wenn ein Kollege Angst vor Hunden oder eine Allergie entwickelt hat? In welchen Situationen sollte ein Hundetraining erfolgen?

Um Erlaubnis fragen

Gehört bereits ein Vier­beiner zur Firma, stehen die Chancen auf den eigenen Bürohund gut. Der Gleichbe­hand­lungs­grund­satz schreibt vor, dass Arbeit­geber nicht will­kürlich einem Mitarbeiter den Hund erlauben dürfen und anderen nicht. Um Erlaubnis fragen muss der Hundehalter trotzdem. Liegen sachliche Gründe vor, kann sich der Chef dagegen aussprechen. Nur weil nebenan ein ruhiger Labrador wacht, kann niemand darauf pochen, einen ungestümen Boxerwelpen mitzubringen

Angst vor knurrendem Bürohund

Grund­sätzlich gilt: Knurrt ein Bürohund, wütet oder beißt er, kann der Arbeit­geber die Erlaubnis jeder­zeit zurück­ziehen. So hat das Landes­arbeits­gericht Düssel­dorf entschieden (Az. 9 Sa 1207/13). Eine Angestellte hatte jahre­lang ihren drei­beinigen Misch­ling namens Kaya mit ins Büro gebracht. Plötzlich benahm sich der Hund jedoch aggressiv und knurrte Kollegen an. Darauf­hin beschloss der Chef: Kaya bleibt zu Hause. Die Mitarbeiterin klagte dagegen und unterlag vor Gericht. Für das Urteil war die Angst der anderen entscheidend.

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