Hunde-Trockenfutter Test

Die meisten Trockenfutter im Test eignen sich bedenkenlos als tagtägliches Allein­futter für Hunde. Sieben jedoch nicht. Mit ihnen drohen Mangel­erscheinungen.

Zu diesem Thema bietet test.de einen aktuel­leren Test:Hundefutter.

Über eine Milliarde Euro gaben Hunde­besitzer im vergangenen Jahr für Bellos Mahl­zeit aus, das meiste für Trockenfutter. Das ist oft billiger als Feucht­futter aus Schalen und Büchsen, praktisch auch auf Reisen und verursacht keinen Dosenmüll. Der Tierfreund spart eher am eigenen Fleisch als an der Qualität von Waldis Fressen, weiß die Branche.

Kringel, Flocken und Brocken mit Gesund­heits­note liegen im Trend. Mahnende Sprüche à la „Denken Sie daran: Auch Ihr Hund will gesund leben!“ wie bei Markus-Mühle Natur­nah appellieren an Herr­chens und Frauchens Herz. Und so ist auch bei Hundefutter von Geschmack­serleb­nissen, erlesenen und wert­vollen Zutaten, Vitalität und geschmeidiger Haut die Rede.

Gesund füttern für 14 bis 88 Cent

Trotz mancher Vorbehalte frisch­fleisch­liebender Hunde­besitzer: Die Auswahl an gesunden Fertigmahl­zeiten aus der rascheligen Packung ist riesig. Von 32 untersuchten Trocken­futtermitteln eignen sich 19 sehr gut und 4 gut. Viel kosten muss die tägliche Ration auch nicht. Romeo von Aldi (Süd) und Orlando von Lidl – beide in der Spitzengruppe – schlagen zum Beispiel mit mageren 18 Cent am Tag zu Buche. Das sehr gute Fit+fun von Fress­napf sowie die guten Draft Voll­wert­brocken kosten sogar nur 14 Cent. Hingegen sind für das auch sehr gute Yarrah Bio täglich satte 88 Cent fällig.

Acht sind mangelhaft

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Doch nicht jeder Griff ins Regal ist ein Glücks­griff fürs Tier. Acht Trockenfutter kassierten ein Mangelhaft. Magnusson Original Kennel kam wegen lückenhafter Infos auf der Verpackung schlecht weg. Und mit Defu, Happy Dog, Mera Dog, K-Classic von Kauf­land, Lukullus Charolais, Orijen und Schecko fit von Sche­cker drohen auf Dauer Mangel­erscheinungen. Hunde, die diese Portionen tagtäglich vorgesetzt bekommen, können sogar krank werden.

Manche mit zu wenig Vitamin A

Die meisten Packungen sind als Allein­futtermittel für ausgewachsene, adulte Tiere ausgewiesen. Jeder Hund ab einem Jahr soll damit rundum richtig ernährt sein, egal welcher Rasse und welcher Größe. Selbst wenn Waldi bis an sein Lebens­ende ausschließ­lich dieses Futter vorgesetzt bekäme, dürfte er keinen Mangel erleiden und müsste gesund bleiben, ohne zusätzliche Mineralstoffe und Vitamine. Genau hier liegt das Problem. Defu, Happy Dog und Mera Dog enthalten zu wenig Vitamin A. Das Tier bekommt damit deutlich weniger als 80 Prozent seines Minimalbe­darfs.

Das geht auf die Augen

Mit Schecko fit frisst der erwachsene Hund sogar nur rund ein Drittel der minimal nötigen Vitamin-A-Ration. Fehlt Vitamin A längere Zeit, droht eine Sehschwäche, und die Hunde werden anfäl­liger für Infekte.

Sieben Trockenfutter haben keinerlei Alters­beschränkung. Demnach dürften auch Welpen sie unbe­denk­lich fressen. Mit den Happen von Alnutra von Aldi (Nord) und Markus-Mühle Natur­nah gedeiht der Nach­wuchs auch tatsäch­lich, wenn­gleich nicht ganz optimal. Zwei wichtige Fett­säuren reichen für Welpen nicht aus: Docosa­hexa­ensäure (DHA) und Eicosapentaensäure (EPA). Hundebabys können sie nicht selbst produzieren, diese Fett­säuren fördern aber die Entwick­lung ihres Nerven­systems, sollten deshalb im Futter sein.

Gar nicht fressen sollten Welpen die mangelhaften Brocken von Kauf­land, Lukullus, Orijen und Sche­cker. Als Allein­futter können sie wachsenden Tieren schaden.

Wenig Kalzium geht auf die Knochen

Lukullus Charolais-Rind & Forelle mit „19 sorgfältig ausgewählten Zutaten“ enthält nur etwa halb so viel Kalzium wie für Welpen nötig. Kalzium ist Grund­baustein für die Knochen, besonders wichtig im Wachs­tum. Ist davon dauer­haft zu wenig im Fressen, entkalkt das Skelett, die Knochen können schwach und brüchig werden. Großen Rassen drohen dann Knochenbrüche ohne ersicht­lichen Grund, etwa wenn Dogge Asta vom Sofa hüpft. Kalzium muss auch im richtigen Verhältnis zum Phosphor stehen, weil das die gegen­seitige Verwertung beein­flusst. Optimal ist, wenn 1,3 bis 2 Teile Kalzium auf einen Teil Phosphor kommen. Lukullus hat aber nur unter 1,1 zu 1.

Viel Kalzium kann auch krank machen

Was Lukullus fehlt, bieten Orijen, Kauf­land und Sche­cker im Über­fluss. Sie enthalten viel zu viel Kalzium für Welpen. Auch das ist riskant, weil ein Kalzium­über­schuss ebenfalls krank machen kann. Besonders bei großen Hunde­rassen leiden die Knochen; manchmal bekommen die Welpen krumme Beine davon. Sind die Skelett­schäden sehr gravierend, muss das Jung­tier­möglicher­weise sogar einge­schläfert werden. Gesunden, ausgewachsenen Hunden macht zu viel Kalzium weniger aus. Herr­chen und Frauchen zahlen dann bloß für ernährungs­physiologisch nutzloses Futtergewicht. Riskant sind Kalziumexzesse allerdings für ausgewachsene Tiere, die zu Harn­steinen neigen oder andere Nieren­probleme haben. Die könnten sich womöglich verschlimmern.

Bei anderen Inhalts­stoffen gab es wenig zu meckern. Zucker, bei Hunden beliebt, aber ein Dick­macher, liegt maximal bei unter 8 Prozent. Das ist unbe­denk­lich. Unver­dauliche Ballast­stoffe sind ebenfalls im richtigen Maß enthalten. Schad­stoffe wie Schwer­metalle waren nicht zu bean­standen, gentech­nisch veränderte Organismen nicht nach­weisbar. Nur bei Happy Dog Naturcroq lag die Mikrobiologie im Argen. Hier stellten wir eine erhöhte Gesamt­keimzahl fest, darunter auch Schimmelpilze.

Gestatten, Couch-Potato

Ausschlag­gebend für die Güte eines Hunde­allein­futters ist die ernährungs­physiologische Qualität nach den Vorgaben des National Research Council, des Nationalen Forschungs­rats der USA. Fachleute aus aller Welt haben die Bedarfs­zahlen erarbeitet. Teure und lang­wierige Fütterungs­versuche konnten wir uns sparen, wie übrigens auch die Anbieter, die groß­spurig „ohne Tier­versuche“ auf die Packung schreiben. Im Labor analysierten wir, wie viel Energie das Futter liefert und wie viel Nähr­stoffe, Vitamine und Mineralstoffe in einer Tages­ration stecken. Unser mittel­großer Modell­hund war vom Typ Couch-Potato: wenig Bewegung und leichtes Überge­wicht. Experten schätzen, dass jeder zweite Hund in Deutsch­land zu viel wiegt. Entsprechend knapp sollte die Tages­ration ausfallen.

Schlampige Angaben auf der Packung

Wer seinem Vierpföter Royal Canin, Schle­cker/AS oder Kauf­land/K-Classic nach Anweisung gibt, über­füttert ihn möglicher­weise, bei Markus-Mühle oder Lukullus magern kleine und mittel­große ab. Ganz schlecht ist es, wenn keine Angaben zu finden sind wie bei Magnusson und Schecko. Da müssen Herr­chen und Frauchen schätzen. Dabei könnte ihr Schätz­chen Rippenspeck ansetzen – alles andere als gesund.

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