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Hotelsterne im Katalog sind wenig verbindlich. Der Streit um den Reisepreis lohnt sich darum nur selten.

Knapp 5.500 Mark für zwei Wochen Tunesien sind nicht wenig, aber ein Schnäppchen, wenn man dafür zu dritt im Fünf-Sterne-Hotel wohnt. Das dachte sich Familie Reibach* und buchte.

Empört waren Reibachs allerdings, als in dem Hotel dann nicht Adlige den Ton angaben, sondern Billigtouristen, die durch "Körpergeruch" und "Rülpsen" auffielen, so ihre Beschreibung. Kein Fünf-Sterne-Niveau, fanden die Reibachs und forderten ein Drittel des Reisepreises zurück. Das Amtsgericht Hamburg wies die Klage jedoch ab. Wer ein Luxushotel buche, könne heutzutage nicht mehr ein spezielles Publikum erwarten (Az. 9 C 2334/94).

Sternenwirrwarr

Das Beispiel zeigt: Die Aussagekraft von Hotelsternen ist äußerst begrenzt. Sie zu deuten, grenzt an Astrologie. Selbst innerhalb Deutschlands gibt es keinen einheitlichen Sternestandard.

Der halboffizielle Deutsche Hotel- und Gaststättenverband (Dehoga) schreibt zwar seit 1996 genau vor, was der Urlauber bei wie viel Sternen von seinem Hotel erwarten darf. Hoteliers können sich ihre Sterne aber auch anderweitig verdienen.

Wem nämlich von Varta-Führer und Co. Sterne verliehen werden, der darf auch mit diesen werben. Doch während die Dehoga beispielsweise für die Vergabe von drei Sternen ein Frühstücksbüfett voraussetzt, legen die

Varta-Tester andere Maßstäbe an. Ein Drei-Sterne-Frühstück muss für sie nicht vom Büfett stammen ­ wenn die Qualität stimmt.

Grundverschieden sind die Standards erst recht im Ausland. Ausschlaggebend sind dort die örtlichen Geschmäcker. Fünf Sterne in Vietnam werden kaum den gleichen Luxus bieten wie das Adlon in Berlin.

Viele Sterne ohne Luxus

Weltweit gleiche Standards halten auch die Gerichte für Humbug. Auf den Prozesskosten blieb etwa ein verärgerter Tourist sitzen, der einen Teil des Reisepreises zurückhaben wollte, weil sein Hotelzimmer in der Türkei "bei weitem nicht dem Standard eines Vier-Sterne-Hotels entsprochen" habe. Nichts da, entschied das Amtsgericht Hamburg (Az. 22 C 204/97). Die vier Sterne im Katalog entsprächen nur der eigenen Einordnung des Reiseveranstalters und seien keinesfalls gleichzusetzen mit vier Sternen in Deutschland.

Selbst wenn das versprochene Vier-Sterne-Hotel in Wirklichkeit einen Stern weniger hat, können Touristen nur dann Geld zurückfordern, wenn sie nachweisen, was konkret an dem Hotel schlechter als erwartet war (Amtsgericht Essen, Az. 21 C 327/90).

Ärger beim Umquartieren

Wer vor Ort wegen Überbuchung des Wunschhotels in eine andere Herberge umziehen muss, darf den Reisepreis nach Ansicht des Landgerichts Frankfurt am Main in jedem Fall um 10 bis 25 Prozent mindern (Az. 2/24 S 156/82).

Die meisten anderen Gerichte verweigern jedoch eine Minderung, wenn das Ersatzquartier gleichwertig ist oder sogar mehr Sterne bietet. Preisnachlass dürfe dann nur verlangt werden, wenn das neue Hotel besonderen Ärger bereite, zum Beispiel weil es zwar zwei Sterne mehr hat, dafür aber als Großhotel viel lebhafter als das gebuchte familiäre Hotel ist (Amtsgericht Düsseldorf, Az. 29 C 20253/96).

Letzter Ausweg Kündigung

Egal wie viele Sterne das Hotel an der Tür hat: Ist es so miserabel, dass mindestens 50 Prozent Minderung möglich wären, darf der entnervte Tourist die Reise ausnahmsweise sogar kündigen und abreisen. Das wäre beispielsweise dann der Fall, wenn man die Sterne durch das Dach sehen kann.

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