In Hospizen erhalten Sterbende menschliche Zuwendung und Fürsorge. Mit den Zuschüssen der gesetzlichen Kranken- und Pflegekassen wird der Aufenthalt finanzierbar.

Die Ärzte des Berliner Sankt Marien-Krankenhauses hatten lange um das Leben der fast 80-jährigen Cornelia Schneider* gekämpft. Im vergangenen Frühjahr gaben sie schließlich auf. Der Lymphdrüsenkrebs hatte den Körper der alten Dame zu sehr zerfressen. Keine der Behandlungen schlug noch an. Ihr Sohn erinnert sich: "In dieser Situation hatte ich zunächst ein ganz praktisches Problem. Ich musste meine Mutter irgendwo unterbringen. Die Krankenkasse wollte die Klinikrechnungen nicht weiter bezahlen." Die Mutter mit nach Hause zu nehmen, hielt der Sohn aber nicht für sinnvoll. Zum einen fehlte es an der nötigen Ausstattung. Zum anderen konnte er sich nicht die ganze Zeit über freinehmen. Ein Pflegeheim lehnte er aber auch ab.

Liebevolle Atmosphäre

Schließlich ergab sich eine "sehr gute" Lösung, berichtet der Sohn. Am 13. Mai 1999 brachte er seine Mutter in das Lazarus-Hospiz der Diakoniestiftung im Berliner Stadtteil Wedding. Das Personal dort sei sehr liebevoll gewesen und die Atmosphäre hätte kaum etwas mit einem Krankenhaus zu tun gehabt. "Bei schönem Wetter schoben die Pfleger die Betten auf die Veranda. Und wenn jemand zwischendurch ein Spiegelei wollte, war das auch kein Problem", erzählt er. Einer Schwester habe seine Mutter auch noch ihre halbe Lebensgeschichte erzählt. Am 3. Juni ist die alte Dame dann gestorben. In den 22 Tagen im Hospiz sei sie nach dem anstrengenden Klinikaufenthalt noch einmal zur Ruhe gekommen und habe auch für sich etwas Abschied genommen, erinnert sich ihr Sohn.

Das Lazarus-Hospiz ist eines von rund 70 stationären Hospizen in Deutschland, die es sich zur Aufgabe gemacht haben, todkranken Menschen in ihren letzten Wochen und Monaten noch etwas Lebensqualität zu bieten. Neben Schmerztherapien, die die Leiden lindern sollen, erhalten die Patienten hier vor allem menschliche Zuwendung. Die Hospize in Deutschland haben sich zu einer Bundesarbeitsgemeinschaft zusammengeschlossen und verstehen sich als gesellschaftliche Bewegung. Eine Stiftung soll die Idee weiter in die Öffentlichkeit tragen.

Auf den ersten Blick scheint der Aufenthalt in einem Hospiz für einen Patienten fast unbezahlbar. Die hohen Personalkosten und der Komfort führen zu Tagespflegesätzen, die zum Beispiel in Nordrhein-Westfalen zwischen 385 und 440 Mark liegen, wie die Bundesarbeitsgemeinschaft Hospiz berichtet. Im Monat summieren sich diese Kosten auf über 10.000 Mark. Unter bestimmten Bedingungen gewähren die gesetzlichen Kassen aber hohe Zuschüsse. Frau Schneider zum Beispiel musste im Lazarus-Hospiz nur noch 47,91 Mark am Tag zuzahlen ­ bei Gesamtkosten in Höhe von 438,55 Mark täglich.

Nur für unheilbar Kranke

Allerdings müssen relativ viele Voraussetzungen erfüllt sein, damit die gesetzlichen Krankenkassen zahlen. Zum einen muss ein Patient unheilbar krank sein und eine Lebenserwartung von nur wenigen Wochen oder Monaten haben. Außerdem darf keine Krankenhausbehandlung mehr nötig sein. Ein Arzt muss zudem die Notwendigkeit eines Hospizaufenthalts bestätigen. Und zwischen dem Hospiz und den Krankenkassen muss es einen Versorgungsvertrag geben.

Außerdem zahlen die Kassen nur, wenn ein Sterbender zu Hause nicht versorgt werden kann. Sagt eine Familie, dass sie sich das nicht zutraut, wird das in der Praxis meistens akzeptiert. Die Bewohner von Pflegeheimen hingegen haben nur geringe Chancen, in den Genuss der Zuschüsse zu kommen. Die Kassen gehen nämlich davon aus, dass sterbende Menschen auch in Pflegeheimen gut versorgt werden. Ein Hospiz halten sie zum Beispiel nur dann für notwendig, wenn ein Sterbender in seinem Pflegeheim keine ausreichende Schmerzbehandlung erhält.

Sind die Bedingungen erfüllt, müssen die gesetzlichen Krankenkassen einen Hospizaufenthalt mitfinanzieren. Das steht in Paragraph 39 a Sozialgesetzbuch V. Die Patienten haben dabei Anspruch auf einen Mindestzuschuss. Er wird jährlich neu festgelegt. Zurzeit beträgt er 268,80 Mark am Tag. Häufig sind so bereits über die Hälfte der anfallenden Kosten gedeckt.

Die privaten Krankenversicherungen hingegen haben sich in der Regel nicht verpflichtet, einen Hospizaufenthalt mitzufinanzieren. Privat Versicherte können dann nur an die Kulanz ihres Unternehmens appellieren.

Pflegebedürftigkeit beantragen

Gesetzlich wie privat Versicherte können außerdem die Leistungen aus der Pflegeversicherung zur Finanzierung eines Hospizaufenthalts nutzen. Hat die Versicherung die Pflegebedürftigkeit noch nicht anerkannt, sollte dies spätestens mit der Aufnahme in das Hospiz beantragt werden. Der Patient muss das nicht selbst tun. Seine Angehörigen können das erledigen.

Gesetzlich Versicherte wenden sich für den Antrag an die Pflegekasse, die der eigenen Krankenkasse zugeordnet ist. Für privat Versicherte ist die jeweilige private Pflegepflichtversicherung zuständig. Seit 1995 sind privat Krankenversicherte verpflichtet, eine solche Versicherung abzuschließen. Die Leistungen sind hier die gleichen wie bei der gesetzlichen Pflegeversicherung. Die Kassen entscheiden über die Anträge häufig nach Aktenlage. Dem Kranken soll so der Besuch eines Gutachters erspart werden. Der Leiter des Lazarus- Hospizes, Pfarrer Wolfgang Weiß, berichtet, dass die Kassen den Anträgen in der Regel stattgeben.

Die meisten Pflegekassen bezahlen die Zuschüsse dann gemäß der ermittelten Pflegestufe. Einzelne Hospize haben mit den Kassen aber auch einheitliche Leistungen vereinbart: Alle pflegebedürftigen Patienten erhalten dann vom ersten bis zum letzten Tag die gleichen Leistungen. Die Hospize wollen damit vermeiden, dass die Kranken in ihren letzten Lebenswochen noch alle Pflegestufen durchlaufen.

Wichtig ist darauf zu achten, dass das Hospiz auch als Pflegeeinrichtung zugelassen ist. Die Patienten erhalten in diesen Häusern nämlich höhere Zuschüsse als in nicht anerkannten Pflegeheimen. In Häusern mit Zulassung kann ein Patient bei vollstationärer Versorgung in der Pflegestufe II bis zu 2.500 Mark im Monat erhalten. Fehlt die Anerkennung, behandelt die Kasse den Kranken meistens so, als würde er sich privat von Verwandten oder Freunden pflegen lassen. In der Pflegestufe II werden dann nur noch 800 Mark bezahlt. Die meisten Hospize sind als Pflegeeinrichtungen anerkannt, aber nicht alle.

Die Hospize selbst beteiligen sich aus ideellen Gründen ebenfalls an den Kosten. Die Spitzenverbände der Krankenkassen und der Hospize haben vereinbart, dass die Einrichtungen mindestens 10 Prozent der Kosten am Tag selbst übernehmen, etwa durch ehrenamtliche Arbeit. Der Betrag, der für den Patienten übrig bleibt, ist dann meistens erschwinglich. Im Lazarus-Hospiz schlüsseln sich die Anteile in diesem Jahr zum Beispiel so auf. Tagessatz: 438,55 Mark. Davon trägt die gesetzliche Krankenkasse 268,80 Mark, die gesetzliche Pflegekasse 82,19 Mark, das Hospiz 43,85 Mark und der Patient 43,71 Mark.

Wer den Eigenanteil nicht aufbringen kann, hat die Möglichkeit, Sozialhilfe zu beantragen. Bei den Grundsatzverhandlungen zwischen den Krankenkassen und den Hospizen in den Jahren 1997 und 1998 saßen Vertreter der Sozialhilfeträger mit am Tisch. Sie haben zugesagt, die Leistungen im Notfall mitzufinanzieren.

Nicht auf Dauer

Probleme mit den Zuschüssen kann es allerdings geben, wenn es einem Patienten wieder besser geht und er nicht wie erwartet stirbt. Die Krankenkassen bewilligen ihre Gelder nämlich zunächst nur für vier Wochen. Danach entscheiden sie neu. Die Deutsche Hospiz Stiftung berichtet zwar, dass die Kassen in der Regel weiter bezahlen, aber nicht endlos lange. Im Berliner Lazarus-Hospiz zum Beispiel geschah es bereits, dass eine kranke Frau auf eine Pflegestation verlegt werden musste. Ein anderer Patient hingegen verbrachte sieben Monate im Hospiz, bis er starb. Für den Betroffenen ist es dann eine sehr ambivalente Situation, in eine Pflegestation verlegt zu werden: Der Alltag dort ist rauher, der Tod aber nicht mehr so nah.

Auch wenn im Hospiz eine freundliche Atmosphäre herrscht, ist es doch ein trauriger Ort: Pfarrer Weiß berichtet zum Beispiel, dass die Patienten sich ihre Zimmer selbst einrichten können. Aber kaum einer täte das. Eine Dame habe ihm auch einmal der Grund dafür gesagt: "Ich bin doch hier, um loszulassen."

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