Interview: „Die Frauen sollen selbst entscheiden können“

Kommen Frauen schon mit dem Wunsch nach Hormonmitteln in die Praxis?

Die meisten kommen als Fragende. Nicht alle, die ihre klimakterischen Körperwahrnehmungen schildern, wünschen eine Behandlung. Oft sind sie beeindruckt von der Intensität des Erlebens, möchten darüber sprechen. Andere leiden heftig und wortlos, müssen ermutigt werden, sich Linderung zu verschaffen, so mithilfe der Hormontherapie.

Wie wird die Therapie vorbereitet?

Mit einer exakten Diagnose – eine Aufgabe für die Frauen und Ärzte. Oft verbergen sich hinter den „klimakterischen“ Beschwerden zum Beispiel Erschöpfungszustände. Dann braucht eine Frau psychosoziale Unterstützung oder sie muss mal raus aus dem Alltag, etwa in eine Kur. Es ist manchmal schwer zu beurteilen, wie stark der Leidensdruck ist.

Gibt es Ängste wegen der Risiken?

Zu uns kommen viele Frauen von anderen Kollegen, weil sie die Mittel absetzen wollten, aber vom behandelnden Arzt darin nicht unterstützt worden sind. Bekannt ist vor allem das Brustkrebsrisiko, weniger die Risiken Herzinfarkt und Schlaganfall – dabei sind diese viel häufiger.

Was tun nach jahrelanger Einnahme?

Bei etwa zehn Prozent der Frauen, die über das 60. Lebensjahr hinaus Hormone einnehmen, ist es schwierig umzusteuern und die Medikation zu beeinflussen. Sie haben den Eindruck, dass man ihnen etwas wegnehmen will, was ihnen jahrelang Lebenskraft gegeben hat. Hier geht es darum, die Dosis allmählich zu verringern, Vertrauen in die eigenen Regulationskräfte zu geben. Ich wünsche mir niedriger dosierte Präparate, die man, wenn es um Dosisverringerung geht, zum Beispiel nicht teilen muss.

Helfen Verordnungsveränderungen?

Es sollte nicht in die Richtung gehen, dass Frauen Hormontabletten nicht mehr auf Kassenkosten bekommen. Man kann das Problem auf diese Weise nicht einfach umdrehen. Frauen sollten die Entscheidungsfreiheit behalten – aber über die Hormontherapie gut aufgeklärt sein. Wir möchten die Frauen durch Aufklärung befähigen, selbst zu entscheiden, ob sie Hormone benötigen.

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