Honig im Test

Wo Honig heil­sam sein kann

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Honig im Test - Jeder vierte Honig ist mangelhaft
Keine Wunder­mittel. Das gilt für für Wabenhonig und Gelée Royale sowie Propolisgranulat. © WILDLIFE / D. Harms, Getty Images

Seit jeher ist Honig ein Haus­mittel. Doch taugt er als Medikamenten-Alternative? Wir erklären, was von Gesund­heits­versprechen – etwa von Manuka-Honig – zu halten ist.

Honig im Test Alle Testergebnisse für Honig 02/2019

Honig bei Erkältung besser als Placebo

Warme Milch oder Tee mit Honig vor dem Schlafen regen den Speichelfluss an. Das kann zum Beispiel bei Hals­schmerzen im wunden Rachen ein subjektives Wohl­befinden bewirken. Mehr ist durch Studien nicht beleg­bar. Erkältungs­symptome wie Husten „reduziert Honig wahr­scheinlich besser als Placebo“, lautet das Fazit nigeria­nischer Forscher. Sie werteten neun Studien aus, an denen 1 230 Kinder beteiligt waren.

Tipp: Den Honig nie zusammen mit der Milch erhitzen, sondern immer erst ganz am Ende einrühren. Bei Temperaturen über 40 Grad gehen die empfindlichen Enzyme des Honigs kaputt.

„Medizinalhonig“ für Wunden

Der hohe Zucker­gehalt des Honigs bewirkt, dass er Bakterien Wasser entzieht und sie so hindert, sich zu vermehren. Vor allem die Inhalts­stoffe Wasser­stoff­per­oxyd und Methylglyoxal wirken antibakteriell. In vielen Kliniken kommt eigens für therapeutische Zwecke hergestellter „Medizinalhonig“ zur Wundbe­hand­lung zum Einsatz.

Wissenschaftler aus Groß­britannien und Neuseeland analysierten 26 Studien zur Wundheilung mit Honig mit insgesamt 3 011 Teilnehmern und fanden für die Behand­lung von Brandwunden gute Belege. Zudem gibt es Hinweise, dass Wund­auflagen mit Honig antibiotikaresistente Keime bekämpfen können.

Tipp: Zuhause sollten Sie keine Wunden mit Speisehonig behandeln. Darin können Keime lauern.

Wie gut ist Manuka-Honig wirk­lich?

Das ist Manuka-Honig.
Der sehr teure Manuka-Honig aus Neuseeland gilt als supergesund. Manche halten ihn für ein wahres Wunder­mittel. Ihm werden zahlreiche positive Wirkungen nachgesagt: Er soll zum Beispiel bei Nasen­neben­höhlen­entzündung helfen, die Abwehr stärken und unreine Haut klären. 250 Gramm Manuka-Honig kosten bis zu 80 Euro.
Manuka und Bakterien.
Amerikanische Forscher fanden Hinweise, dass Manuka-Honig hartnäckige Bakterienfilme reduziert, also antiseptisch wirkt und sich deswegen als Desinfektions­mittel eignen könnte. Laborversuche an der Universität Ottawa zeigten bei einer chro­nischen Nasen­neben­höhlen­entzündung (Sinusitis) eine wirk­samere Bekämpfung des Bakterienfilms als durch Antibiotika. Wie er in der Praxis beim Patienten zur Anwendung kommen soll, ist aber noch nicht geklärt (Sinusitis: So werden Sie den Schleim wieder los). Wissenschaftler der Technischen Universität Dresden um die Lebens­mittel­chemiker Thomas Henle und Karl Speer stellten tatsäch­lich sehr hohe Methylglyoxal-Gehalte in Manuka-Honig fest, die eine stark antibakterielle Wirkung haben. „Es gibt auch Hinweise zu einer möglichen Wirkung bei Magen­infektionen“, sagt Henle, „bislang jedoch keine fundierten klinischen Studien. Gleiches gilt für eine Stärkung des Immun­systems durch medizinalen Manuka-Honig.“

Honig kein Mittel gegen Heuschnupfen

Im Internet wird das Kauen von Wabenhonig und der regel­mäßige Konsum von Blütenhonig als Alternative zur Pollen-Hyper­sensibilisierung propagiert. Mediziner bezweifeln das. Für eine Immun­therapie braucht es große Mengen des All­ergens – viel mehr Pollen als Blütenhonig enthält.

Angeblicher Jung­brunnen Gelée Royale

Gelée Royale ist das Sekret der Bienen, mit dem vornehmlich die Bienenkönigin gefüttert wird. Dem Menschen soll der Verzehr unter anderem eine hohe Lebens­erwartung bescheren und eine bessere Libido, zudem Wechsel­jahr­beschwerden lindern und die Abwehr­kräfte stützen. Belegt ist das nicht.

Hoch­allergenes Propolis – das Harz der Bienen

Ob in Kapseln und Zahn­creme, als Tinktur oder Granulat: Propolis – das Harz der Bienen – findet sich in vielfältiger Form in Drogeriemärkten, Apotheken und Online-Shops. Bienen bekämpfen mit dem Harz in ihrem Stock Pilze und Bakterien. Daraus lässt sich aber nicht ableiten, dass Propolis beim Menschen antibakteriell wirkt oder gar eine Alternative zu Antibiotika sein kann. Auch eine Stärkung des Immun­systems ist wissenschaftlich nicht ausreichend nachgewiesen.

Tipp: Bei Propolis ist Vorsicht geboten, es ist hoch­allergen. Wer auf Bienen- oder Wespenstiche allergisch reagiert, sollte das Harz in jedem Fall meiden.

Nach dem Naschen Zähne putzen

Wie andere Zucker ist Honig für Zähne schädlich. Er kann Karies verursachen. Wer Honig nascht, sollte sich also die Zähne putzen (zum Zahnbürsten-Test). Vor allem bei häufigem Verzehr – etwa in gesüßten Getränken – besteht die Gefahr, dass der Zahn­schmelz angegriffen wird. Eine kalorien­arme Alternative zu anderen Süßungs­mitteln ist Honig ebenfalls nicht. Er besteht zu 80 Prozent aus den Einfach­zuckern Glukose und Fruktose, beide liefern je Gramm 4 Kilokalorien. Was beim Backen und Kochen mit Honig zu beachten ist, steht in den Tipps rund um den Honig.

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Profilbild Stiftung_Warentest am 10.02.2021 um 12:57 Uhr
Produktauswahl - Honige aus Deutschland

@SweeterDieter: Es ist durchaus ein interessanter Aspekt, nur deutsche Imkerhonige zu untersuchen. Allerdings besteht die Hauptaufgabe der Stiftung Warentest im vergleichenden Produkttest. Um möglichst viele Wünsche unserer breiten Leserschaft abzudecken, müssen wir bei der Auswahl der Produkte verkaufsstarke und möglichst überregional erhältliche Erzeugnisse einzubeziehen. Dabei galt es auch ein breites Spektrum der verschiedenen Honigsorten sowie Bioprodukte zu berücksichtigen. Zudem sind unsere Testplätze begrenzt, so dass wir für diesen Test 36 Honig, darunter 9 Mischhonige und 27 Sortenhonige ausgewählt haben. Unter diesen befanden sich 9 Bio-Erzeugnisse und 3 Honige mit dem Siegel des Deutschen Imkerbundes. 5 Honige stammten ausschließlich aus Deutschland. (bp)

SweeterDieter am 04.02.2021 um 17:37 Uhr
Deutscher Honig

Überall liest man wie wichtig es ist regionale Produkte zu konsumieren. Auch in diesem Artikel werden die minderwertigen Produktionsstandards in anderen Ländern und die entsprechend unklaren Deklarierungen bemängelt. Leider spielt die Regionalität (und damit wohl auch zu großen Teilen die Umweltkosten bzw. der co2 Fußabdruck) dann in der Bewertung im Endeffekt überhaupt keine Rolle. Ich suche den besten regionalen (deutschen) Bio Honig und kann mit diesem gesamten Test leider so gut wie gar nichts anfangen. Schade!

SweeterDieter am 04.02.2021 um 17:28 Uhr

Kommentar vom Autor gelöscht.

karl.doetze am 01.09.2020 um 07:09 Uhr
Manipulationsmöglichkeiten der Imker

Welche Möglichkeiten hat ein Imker, seinen Honig zu manipulieren? Warum kandiert ein Honig nicht und bleibt zu flüssig? Kann der Imker Wasser zugeben? Wie wirkt sich der Schleuder- und Rührvorgang aus? Kann ein Honig zu lange gerührt werden? Werden Honige gemischt? Welche andere Zusätze können dem Honig beigemischt werden? Was genau bedeutet eine zu hohe Erwärmung des Honigs? Prüft jemand die teuren Manuka Honige auf Echtheit? Hier hätte ich genauere Informationen erwartet.
Karl Dötze

Sternenkleid am 01.07.2019 um 09:58 Uhr
Das hätte ich nicht gedacht

Der Artikel ist echt informativ - Ich wusste nicht, dass unsere Lebensmittel so belastet sind. Danke an test.de für den Artikel. Ich finde es schade, dass trotz der vielen Kampagnen gegen Glyphosat immer noch kein Stopp in Sicht ist, was sich auf unseren wunderbaren Honig auswirkt.
Wie sollte man nun verfahen? Ich finde es schon wichtig die einheimische Wirtschaft zu stärken. Sollte man trotzdem Lebensmittel aus dem Ausland kaufen? Das ist echt eine schwere Entscheidung.