Wo Honig heil­sam sein kann und wo nicht

Honig im Test Test

Keine Wunder­mittel. Das gilt für Propolisgranulat (links) sowie für Wabenhonig und Gelée Royale (rechts im Bild).

Seit dem Altertum ist Honig ein Haus­mittel. Doch taugt er wirk­lich als Alternative zu Medikamenten? In der EU sind gesund­heits­bezogene Werbeaussagen zu Honig nicht erlaubt. Aktuelle Studien­auswertungen deuten auf bestimmte positive Effekte hin. Manches Versprechen aber ist zu hoch gegriffen. Die Stiftung Warentest erklärt, was stimmt und was nicht – und sagt auch, was der von vielen geschätzte Manuka-Honig leistet.

Honig bei Erkältung besser als Placebo

Warme Milch oder Tee mit Honig vor dem Schlafen regen den Speichelfluss an. Das kann zum Beispiel bei Hals­schmerzen im wunden Rachen ein subjektives Wohl­befinden bewirken. Mehr ist durch Studien nicht beleg­bar. Erkältungs­symptome wie Husten „reduziert Honig wahr­scheinlich besser als Placebo“, lautet das Fazit nigeria­nischer Forscher. Sie werteten neun Studien aus, an denen 1 230 Kinder beteiligt waren.

Tipp: Den Honig nie zusammen mit der Milch erhitzen, sondern immer erst ganz am Ende einrühren. Bei Temperaturen über 40 Grad gehen die empfindlichen Enzyme des Honigs kaputt.

„Medizinalhonig“ für Wunden

Der hohe Zucker­gehalt des Honigs bewirkt, dass er Bakterien Wasser entzieht und sie so hindert, sich zu vermehren. Vor allem die Inhalts­stoffe Wasser­stoff­per­oxyd und Methylglyoxal wirken antibakteriell. In vielen Kliniken kommt eigens für therapeutische Zwecke hergestellter „Medizinalhonig“ zur Wundbe­hand­lung zum Einsatz.

Wissenschaftler aus Groß­britannien und Neuseeland analysierten 26 Studien zur Wundheilung mit Honig mit insgesamt 3 011 Teilnehmern und fanden für die Behand­lung von Brandwunden gute Belege. Zudem gibt es Hinweise, dass Wund­auflagen mit Honig antibiotikaresistente Keime bekämpfen können.

Tipp: Zuhause sollten Sie keine Wunden mit Speisehonig behandeln. Darin können Keime lauern.

Wie gut ist Manuka-Honig wirk­lich?

Das ist Manuka-Honig. Der sehr teure Manuka-Honig aus Neuseeland gilt als supergesund. Manche halten ihn für ein wahres Wunder­mittel. Ihm werden zahlreiche positive Wirkungen nachgesagt: Er soll zum Beispiel bei Nasen­neben­höhlen­entzündung helfen, die Abwehr stärken und unreine Haut klären. 250 Gramm Manuka-Honig kosten bis zu 80 Euro.

Manuka und Bakterien. Amerikanische Forscher fanden Hinweise, dass Manuka-Honig hartnäckige Bakterienfilme reduziert, also antiseptisch wirkt und sich deswegen als Desinfektions­mittel eignen könnte. Laborversuche an der Universität Ottawa zeigten bei einer chro­nischen Nasen­neben­höhlen­entzündung (Sinusitis) eine wirk­samere Bekämpfung des Bakterienfilms als durch Antibiotika. Wie er in der Praxis beim Patienten zur Anwendung kommen soll, ist aber noch nicht geklärt (Sinusitis: So werden Sie den Schleim wieder los). Wissenschaftler der Technischen Universität Dresden um die Lebens­mittel­chemiker Thomas Henle und Karl Speer stellten tatsäch­lich sehr hohe Methylglyoxal-Gehalte in Manuka-Honig fest, die eine stark antibakterielle Wirkung haben. „Es gibt auch Hinweise zu einer möglichen Wirkung bei Magen­infektionen“, sagt Henle, „bislang jedoch keine fundierten klinischen Studien. Gleiches gilt für eine Stärkung des Immun­systems durch medizinalen Manuka-Honig.“

Honig kein Mittel gegen Heuschnupfen

Im Internet wird das Kauen von Wabenhonig und der regel­mäßige Konsum von Blütenhonig als Alternative zur Pollen-Hyper­sensibilisierung propagiert. Mediziner bezweifeln das. Für eine Immun­therapie braucht es große Mengen des All­ergens – viel mehr Pollen als Blütenhonig enthält.

Angeblicher Jung­brunnen Gelée Royale

Gelée Royale ist das Sekret der Bienen, mit dem vornehmlich die Bienenkönigin gefüttert wird. Dem Menschen soll der Verzehr unter anderem eine hohe Lebens­erwartung bescheren und eine bessere Libido, zudem Wechsel­jahr­beschwerden lindern und die Abwehr­kräfte stützen. Belegt ist das nicht.

Hoch­allergenes Propolis – das Harz der Bienen

Ob in Kapseln und Zahn­creme, als Tinktur oder Granulat: Propolis – das Harz der Bienen – findet sich in vielfältiger Form in Drogeriemärkten, Apotheken und Online-Shops. Bienen bekämpfen mit dem Harz in ihrem Stock Pilze und Bakterien. Daraus lässt sich aber nicht ableiten, dass Propolis beim Menschen antibakteriell wirkt oder gar eine Alternative zu Antibiotika sein kann. Auch eine Stärkung des Immun­systems ist wissenschaftlich nicht ausreichend nachgewiesen.

Tipp: Bei Propolis ist Vorsicht geboten, es ist hoch­allergen. Wer auf Bienen- oder Wespenstiche allergisch reagiert, sollte das Harz in jedem Fall meiden.

Nach dem Naschen Zähne putzen

Wie andere Zucker ist Honig für Zähne schädlich. Er kann Karies verursachen. Wer Honig nascht, sollte sich also die Zähne putzen (zum Zahnbürsten-Test). Vor allem bei häufigem Verzehr – etwa in gesüßten Getränken – besteht die Gefahr, dass der Zahn­schmelz angegriffen wird. Eine kalorien­arme Alternative zu anderen Süßungs­mitteln ist Honig ebenfalls nicht. Er besteht zu 80 Prozent aus den Einfach­zuckern Glukose und Fruktose, beide liefern je Gramm 4 Kilokalorien. Was beim Backen und Kochen mit Honig zu beachten ist, steht in den Tipps rund um den Honig.

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