Honig Test

Naschkatzen lieben Honig. In unserem Test schnitt mehr als die Hälfte der Honige schlecht ab: Durch Fremdgeschmack  und Rückstände alles andere als ein Genuss.

So mancher im Laden angebotene Honig kann die Lust auf das „flüssige Gold“ gründlich verderben. Zahlreiche Produkte schmecken fremdartig, viele Sortenhonige tragen ihre Namen zu Unrecht, wie unser Test zeigt. Für einen bitteren Beigeschmack sorgen Rückstände von Arznei- und Bienenvertrei­bungs­mitteln – darunter Antibiotika, die im Verdacht stehen, Krebs zu erzeugen. Vergorenen Honig fanden wir – anders als bei unserem letzten Test (test 10/99) – nicht. Insgesamt ein deprimierendes Ergebnis: Mehr als jeder zweite untersuchte Honig ist „mangelhaft“. Glücksspiel Honigkauf?

Dabei lieben die Deutschen Honig. Knapp 1,5 Kilo vernascht hier jeder im statistischen Durchschnitt pro Jahr – so viel wie nirgendwo sonst auf der Welt. Wir haben insgesamt 34 Honige getestet, davon 19 Mischblütenhonige, 7 Akazien-, 4 Raps- und 4 Tannenhonige. Wir prüften Geruch, Geschmack, Sortencharakter und untersuchten auf Wärmeschäden, Schad­stoffe aus den Metalldeckeln sowie Rückstände von Bienenvertreibungsmitteln und Medikamenten.

Schadstoffe im Deckel

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Bienen reichern gesammelten Blütennektar oder Honigtau mit körpereigenen Sekreten, vor allem Enzymen, an.

Im Honig darf nichts anderes sein als Honig, so schreibt es die Honigverordnung vor. Das heißt: Rückstände von Medikamenten haben darin ebenso wenig zu suchen wie solche von Pestiziden. Mit Letzteren ist nur bei Kulturpflanzen zu rechnen. Daher haben wir auch nur die Rapshonige überprüft – sie waren in puncto Pestizide sauber. Auch Industriezucker, Stärke oder andere Fremdstoffe gehören nicht in den Honig. In den Metalldeckeln von fünf Honigen fanden wir Semicarbazid. Diese Substanz kann beim Aufschäumen von Dichtungen mit dem derzeit noch zugelassenen Treibmittel Azodi­car­bon­amid entstehen oder aus dem verbotenen Tierarzneimittel Nitrofuran stam­men. Die gute Nachricht: Im Honig dieser fünf Gläser konnten wir Semicarbazid nicht nachweisen. Noch ist relativ wenig über die Wirkung dieses unerwünschten Stoffes auf die Gesundheit des Menschen bekannt: Erste Studien deuten auf ein schwaches Erbgut schädigendes Potenzial hin. Ob er auch Krebs erzeugt, ist wissenschaftlich noch nicht hinreichend belegt. Weitere Untersuchungen müssen Licht ins Dunkel bringen. Aus Gründen des vorbeugenden Gesundheitsschutzes sollen Semicarbazidbelastungen in Lebensmitteln reduziert werden. Ab 2. August 2005 ist das Aufschäumen mit Azodicarbonamid für Lebensmittelverpackungen verboten.

Viermal verbotene Antibiotika

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Der Einsatz von Antibiotika ist in der Bienenhaltung verboten. Umso schlimmer, dass in zwei Honigen (Kaiser's Tengelmann/Naturkind und Wal Mart/Great Value) Umwandlungsprodukte des seit 1995 EU-weit verbotenen Antibiotikums Nitrofuran nachweisbar waren. Der Sammelname Nitrofurane gilt für eine Gruppe von Antibiotika, die zwar sehr wirksam gegen Parasiten ist, aber für die Verwendung bei lebensmittelliefernden Tieren – also auch in der Bienenzucht – nicht erlaubt ist. Dagegen werden Nitrofurane auch heute noch in Südamerika in der Schweine- und Fischmast legal eingesetzt. Vor kurzem fand man auch in Honigen aus Argentinien und der Türkei Nitrofurane. Sie gelten als Krebs erzeugend und Erbgut schädigend.

Außerdem entdeckten wir im Bio-Akazienhonig Grünes Land Rückstände des Antibiotikums Streptomycin – der Gehalt war doppelt so hoch wie die zulässige Höchstmenge. Tetracyclin, ein weiteres Antibiotikum, fanden wir im Weißtannenhonig von Langnese. Auch diese beiden Honige hätten deshalb nicht verkauft werden dürfen.

In den Bio-Akazienhonigen Dr. Ritter und Grünes Land fanden wir außerdem Oxalsäurewerte, die leicht über dem natürlichen Gehalt lagen. Oxalsäure ist ein in Deutschland noch nicht zugelassenes Öko-Arzneimittel gegen die aus Asien eingeschleppte bös­­­­­­artige Varroa-Milbe. Zulässig ist in der Bio-Imkerei hingegen das Arzneimittel Thymol. Im Dr. Ritter Honig hat es aber Geruch und Geschmack beeinträchtigt.

Im Geschmack auch noch fremdartig

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Die Mischblütenhonige ließen vor allem in Geruch und Geschmack zu wünschen übrig: Gleich sieben Produkte (Bienenkorb Meissen, Aldi Nord/Vom Besten, Immenhof, Kaiser's Tengelmann/Bärenfreund, Penny/Immenland, Lebkuchen Schmidt, Wal Mart/Great Value) rochen und schmeckten fremdartig und bestanden den sensorischen Test nicht. Bei drei Honigen schmeckten die Experten klar Phenylacetaldehyd heraus, ein so genanntes Bee Repellent, das bei der Honig­ernte eingesetzt wird. Imker nutzen es, um die Bienen aus dem Stock zu vertreiben und ohne Stiche schnell an den Honig zu kommen. Sie rauchen zu diesem Zweck auch Pfeife, doch rauchig darf der Honig nicht schmecken. Honige mit fremdem Geruch oder Geschmack dürften nur noch als Back- oder Industriehonig verkauft werden. Wir bewerteten sie mit „mangelhaft“. Diese Note erhielten auch fünf Sortenhonige, weil sie für die deklarierte Sorte untypisch schmeckten.

Etikettenschwindel

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Welche Honigsorte wirklich im Glas steckt und aus welcher Region sie stammt, lässt sich im Labor durch eine Pollenanalyse klären: Etikettenschwindel hat damit kaum eine Chance. Um einen vergleichsweise teuren Sortenhonig verkaufen zu können, müssen die Bienen Nektar oder Honigtau überwiegend von einer Pflanzenart gesammelt haben. Diese Anforderung erfüllten aber gleich 7 der 15 Sortenhoni­ge nicht: Drei Akazienhonige (Breitsamer und die beiden Biohonige Biophar und Dr. Ritter), zwei Tannenhonige (Nook und Stöckmann) und zwei Rapshonige (Dreyer und Müngersdorff) fielen durch. Auch der Lidl-Wildblütenhonig und der Wiesenblütenhonig Na­turkind von Kaiser´s Tengelmann wa­­ren schlichte Blü­­­­ten­ho­nige.

Pollen auf der Spur

Die mikroskopische Honiganalyse ist eine Wissenschaft für sich. Spezialisten wie Harald Rußmann können mithilfe der untersuchten Pollen Manipulationen im Ho­nig aufspüren. Fast 50 Jahre lang hat der pensionierte Honigexperte Pollen unter dem Mikros­kop identifiziert. Sie geben Auskunft über die botanische Herkunft des Honigs: Größe, Form und Aussehen (glatt, stachelig, Anzahl der Poren) sind Indizien dafür. Man­che Pflanzenarten sind pol­len­reich (Edelkastanie), andere pollenschwach (Akazie). Mi­mo­sen­pollen setzen sich aus verschiedenen Teilpollen zusammen. Darüber hinaus verraten Pollenkombinationen, welche geographi­sche Herkunft ein Honig hat. So werden in deutschem Honig kaum Eukalyptus- oder Mimosenpollen zu finden sein. Die sind eher in argentini­schen Produkten üblich, sagt Rußmann. Der Blick durchs Mikros­kop bringt auch an den Tag, ob ein Honig mit Hefen oder Fremdkörpern verunreinigt ist. Hat der Imker nicht sauber gearbeitet, können Teile der Brut im Honig zu finden sein. Größere Mengen Stärke könnten auf Glukosesirup oder mit Mehl gemischte Arzneimittel hin­weisen. Kris­talline Masse, Sporen und Grünalgen zeigen Honigtauhonig an.

Bisher werde die Pollenanalyse in der amtlichen Lebensmittelüberwachung zu wenig genutzt, um falsch deklarierte Sortenhonige ausfindig zu machen, kritisiert Rußmann. Es dürfte bald noch schwieriger werden: Die neue Honigverordnung erlaubt seit Januar auch den Verkauf von gefiltertem Honig. Damit er länger flüssig bleibt, dürfen anorganische und organische Bestandteile entzogen werden. Beim Filtrieren gehen aber auch Pollen verloren. Produkte dieser Art müssen zwar als „gefilterter Honig“ gekennzeichnet werden, doch ohne Pollen keine Pollenanalyse und damit „keinerlei Auskunft über Herkunft und Sorte des Bienenprodukts“, sagt Rußmann. Im Gegenzug muss deklariert werden, aus welchem Land oder welcher Region der Honig stammt. Eine Kontrolle ist dann jedoch kaum mehr möglich und Verfälschungen Tür und Tor geöffnet.

Honig ist wärmeempfindlich

Was die Bienen sorgfältig zusammentragen, kann der Mensch leicht verderben. So reagiert Honig sehr empfindlich auf Wärme, es entsteht Hydroxymethylfurfural (HMF). Liegt die Temperatur bei Gewinnung, Lagerung oder Transport deutlich über 38 Grad Celsius, steigt der HMF-Wert und die Honigenzyme Invertase und Diastase werden zerstört und damit die Honigqualität gemindert. In unserem Test gab es nur wenig Kritik. Der laut Honigverordnung vorgeschriebene HMF-Wert von maximal 40 Milligramm je Kilogramm (mg/kg) wurde nicht überschritten. Der Deutsche Imkerbund (DIB) ist mit 15 mg/kg strenger als die Honigverordnung. Bio-Imker legen die Messlatte sogar bei 10 mg/kg an.

Gentechnik

In puncto Gentechnik gab es keinen Grund, die Deklaration zu bemängeln: In keinem Rapshonig fanden wir Hinweise auf gentechnisch veränderten Raps. Künftig könnte das anders werden. Noch in diesem Jahr soll der Anbau gentechnisch veränderter Pflanzen in Deutschland per Gesetz geregelt werden. Bienen bestäuben bei der Nektarsuche Obstbäume, Nutz-, Kultur- und Wildpflanzen. Dass sie dabei zwischen herkömmlichen und genveränderten Pflanzen unterscheiden, ist nicht zu erwarten.

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