Heilmittel oder Mythos?

Honig Test

Prof. Dr. Jost H. Dustmann

In der Volksmedizin gilt Honig als Heilmittel – ob bei Erkältung, Schnittwunden oder Herzflattern. Befürworter der Honigtherapie wie Professor Dr. Jost H. Dustmann, Beirat für Honigfragen im Deutschen Imkerbund, heben vor allem die anti­bakterielle Wirkung des Honigs hervor. Der Nachweis zur tatsächlichen Wirksamkeit in klinischen, statistisch abgesicherten Studien steht allerdings noch aus. test hat die Fakten zum Thema Honig und Gesundheit zusammengetragen.

Hat Honig eine pharmakologische Wirkung?

Dustmann: Honig wirkt antibakteriell, entzündungshem­mend. Verantwortlich dafür sind der hohe Zuckeranteil und Inhibine wie Wasserstoffperoxid, das durch die Aktivität des Bienenenzyms Glucoseoxidase entsteht. Kleinere Wunden und Verbrennungen heilen gut, wenn sie mit naturbelassenem Honig behandelt werden. Das haben Studien in verschiedenen Ländern gezeigt. Die Honigtherapie wird in Frankreich, den USA, Kuba und Osteuropa auch von Schulmedizinern praktiziert – in Deutschland tun das nur Imker und wenige Naturheilkundler. Manche dem Honig zugeschriebenen Heilwerte beruhen allerdings lediglich auf Erfahrungswerten.

test-Kommentar: Auf eine pharmakologische Wirkung des Honigs sollte sich niemand verlassen. Die Menge der vorhandenen Enzyme ist zu gering, um bei einer Infektion nachhaltig zu wirken. Wer ernsthaft krank ist, sollte zum Arzt gehen und gegebenenfalls verschriebene Arzneimittel an­wenden. Ein Löffel Honig schadet allerdings auch nicht. Bei aufkommender Erkältung kann warme Milch oder Tee mit Honig „Wunder“ wirken – mit Sicherheit in puncto subjektives Wohlbefinden. Rückstandsfreier Honig ist zweifellos eines unserer natürlichsten Lebensmittel – und für viele ein Genuss.

Welche Bedeutung haben sekundäre Pflanzenstoffe?

Dustmann: Sekundäre Pflanzenstoffe wie Flavonoide wirken als Antioxidantien. Sie unterstützen den Körper beim Kampf gegen freie Radikale. Der Gehalt an Antioxidantien und deren biologische Effekte schwanken je nach Honigsorte extrem. Aktuelle amerikanische Studien haben das gezeigt. Die ge­sundheitsfördernde Wirkung des Honigs lässt sich insgesamt durch das Zusammenwirken verschiedener Inhaltsstoffe be­gründen.

test-Kommentar: Der Gehalt an Flavonoiden im Honig ist sehr gering. Laboruntersuchungen haben beispielsweise keine Wirkung auf bestimmte Enzymaktivitäten der Leber nachweisen können.

Wie schädlich ist Honig für die Zähne?

Dustmann: Naturbelassener, inhibinreicher Honig kann durch seine antibakteriellen Eigenschaften den Karieserreger Streptococcus mutans wirksam bekämpfen. Er begünstigt auch aufgrund seines Gehalts an Fruktose/Glukose weit weniger die gefürchtete Plaquebildung als Haushaltszucker. Allerdings können auch beim Honigverzehr die sich bildenden Säuren die Oberfläche der Zähne angreifen.

test-Kommentar: Honig kann wie andere klebrige Zucker Karies verursachen. Wer Honig nascht, sollte sich die Zähne putzen. Vor allem bei häufigem und andauerndem Verzehr – etwa in gesüßten Getränken – besteht die Gefahr, dass der Zahnschmelz angegriffen wird. Das gilt auch für Nuckel, die mit Honig bestrichen wurden.

Ist Honig ernährungsphysiologisch wertvoller als Haushaltszucker?

Dustmann: Honig ist aufgrund seines hohen Fruktose/Glukose-Gehalts ein an­haltend wirksamer und leicht be­köm­mlicher Energiespender. Ne­ben Aromastoffen, Acetylcholin und Enzymen stecken Mineralstoffe wie Ka­lium, Kalzium, Magnesium, Phosphor und etliche Spurenelemente da­rin.

test-Kommentar: Streng wissenschaftlich betrachtet ist Honig dem Haushaltszucker nicht wirklich überlegen. Die wenigen enthaltenen Vitamine, Mineralstoffe und Spurenelemente leisten keinen wirksamen Beitrag zur täglichen Bedarfsdeckung. Zwar können die reichlich vorhandenen Zucker Fruktose und Glukose schnell resorbiert werden – doch Leistungssportler machen sich für den Wettkampf heute lieber mit Nudeln gegen eine Unterzuckerung fit.

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