Honig Test

Die Deutschen sind Weltmeister: im Honigschlecken. Fast 1,5 Kilo essen sie pro Person und Jahr. Mehr, als jede andere Nation. Doch der Honig, der in Deutschland verkauft wird, ist kein reiner Genuss. Mal schmeckt er fremdartig, mal enthält er Rückstände von Antibiotika, oft stimmen die Angaben auf dem Etikett nicht mit dem Inhalt überein. Die Stiftung Warentest hat 34 Honige getestet. Gut die Hälfte ist mangelhaft. test.de zeigt gute und weniger gute Sorten.

Zu diesem Thema bietet test.de einen aktuelleren Test: Honig

Zusätze sind verboten

Honig ist ein Naturprodukt. Von Bienen gemacht und vom Menschen geerntet. Ohne Zusätze, ohne Veränderungen soll er in den Handel: Das schreibt die Honigverordnung vor. Leider wird sie oft nicht eingehalten. 34 Honige hat die Stiftung Warentest geprüft. 18 verstießen gegen die Vorschriften, 10 davon hätten nicht als Honig verkauft werden dürfen. Neun trugen die Sortenbezeichnung zu Unrecht. Ein katastrophales Ergebnis.

Geschmacksfehler

Fünf Honigexperten kosteten im Auftrag der Stiftung Warentest. Drei Honige schmeckten nach Phenylacetaldehyd. Ein Bienenabwehrmittel, mit dem sich Imker vor den Bienen schützen. Der Aromastoff kommt auch von Natur aus im Honig vor. Die Verunreinigung mit dem Bienenvertreibungsmittel schmeckten die Honigexperten jedoch deutlich heraus: Wertung „fremdartig“. Die Mischblütenhonige von Aldi Nord, Immenhof und Kaiser's Tengelmann (Bärenfreund) schmeckten danach. test-Urteil: mangelhaft. Viele Imker schützen sich stattdessen durch Rauch. Auch der darf sich aber nicht auf den Honig niederschlagen. So geschehen bei Norma Sommerland und Schneekoppe Extra-Auslese. Doch auch weitere Honige schmeckten fremdartig, ohne dass die Experten die Fehler genau beschreiben konnten. So fielen die Mischblütenhonige von Bienenkorb Meissen, Lebkuchen Schmidt, Penny und Wal Mart negativ auf und damit bei der sensorischen Prüfung durch.

Etikettenschwindel

Untypisch – das ist der Tadel, der an manch teuren Sortenhonig geht. Akazie, Tanne oder Raps: Eine Sorte darf laut Honigverordnung nur angegeben werden, wenn der Honig überwiegend vom Nektar oder dem Honigtau einer Pflanze stammt. Der Tannenhonig von Nook schmeckte statt nach Tanne überwiegend nach Edelkastanie, der von Stöckmann nach Fichte. Der „echte deutsche Rapshonig“ von Müngersdorff ist in Wirklichkeit nur ein Blütenhonig. Auch der Rapshonig von Dreyer hat die Sortenbezeichnung nicht verdient. Was die Honigexperten bereits schmeckten, bestätigte sich im Labor: Eine Analyse der Pollen verrät die pflanzliche und sogar die geografische Herkunft des Honigs.

Per Mikroskop enttarnt

Ergebnis: Der Wildblütenhonig von Lidl stammt von Kultur- und Nutzpflanzen: Es ist kein Wildblütenhonig. Auch der Naturkind Wiesenhonig von Kaiser's Tengelmann stammt nicht überwiegend von Wiesenblüten. Das Mikroskop zeigt schlichte Blütenpollen und etwas Honigtau. Honigtau wird von Pflanzen und Blattläusen ausgeschieden und von Bienen gesammelt. Typisch für Tannenhonig. Auch die Akazienhonige von Biophar, Breitsamer und Dr. Ritter sind nur Blütenhonige mit Akazienanteilen. Echter Akazienhonig muss überwiegend aus Akaziennektar stammen. Solche Honige können zwar munden, verstoßen aber gegen die Honigverordnung und führen den Genießer hinters Licht. test-Urteil: mangelhaft.

Reste von Antibiotika

Ebenfalls mangelhaft sind Honige, die Antibiotika enthalten. In Kaiser's Tengelmann/Naturkind und Wal Mart/Great Value fanden die Tester Umwandlungsprodukte von Nitrofuranen. Diese Antibiotika sind seit 1995 EU-weit verboten. In Südamerika – wo die betroffenen Honige herkommen – sind sie dagegen erlaubt. Zumindest in der Schweinemast und Fischzucht. Nitrofurane gelten als Krebs erzeugend und Erbgut schädigend. Der Bio-Akazienhonig Grünes Land enthielt Rückstände des Antibiotikums Streptomycin in unerlaubter Höhe, der Langnese Weißtannenhonig Tetracyclin. Alle vier Honige dürften so nicht verkauft werden.

14 sind gut

Doch immerhin 14 Honige schnitten gut ab. Bei den Mischblütenhonigen liegen Biophar, Gepa Lacandona und Tip vorn. Tip ist besonders günstig: zwei Euro für 500 Gramm. Biophar kostet drei Euro, Gepa Lacandona 4,30 Euro. Dafür trägt der Gepa Honig das Transfair-Siegel: Der faire Handel unterstützt die Bauern in Mexiko. Der Bärenanteil des in Deutschland verkauften Honigs wird übrigens importiert. Vornehmlich aus Mittel- und Südamerika, aber auch aus Europa. Nur etwa 20 Prozent des Honigs schaffen deutsche Bienen heran.

Testen Sie selbst

Gute Akazienhonige kommen von Stöckmann (Deutschland), Allos (Rumänien) und Eden (Osteuropa), gute Rapshonige von Blütenland Bienenhöfe und Biophar (beide aus Deutschland). Der beste Tannenhonig ist der teuerste im Test: 500 Gramm Echter Deutscher Weißtannenhonig von Bäcker kosten 11,50 Euro. Die können sich lohnen: Tannenhonig ist dunkel und besonders würzig im Geschmack. Honig ist eben nicht gleich Honig: Jede Sorte schmeckt anders. Testen Sie selbst und finden Sie Ihren Lieblingshonig.

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