Honig Test

Wir fanden im Honig weder Pestizid- oder Arz­neimittelrückstände noch Pollen gentechnisch veränderter Pflanzen. Nicht immer entspricht der Honig der Sorte, die auf dem Etikett steht. Und manchmal ist nicht einmal Honig im Glas.

Ein süßlicher Geruch von Honig breitet sich in der nasskalten Winterluft aus, als Marc-Wilhelm Kohfink einen Bienenkasten öffnet. Nur wenige Bienen nutzen die Chance für einen Flug durch Berlin-Kaulsdorf. Die meisten lassen sich die Dusche gefallen, die der Bio-Imker ihnen mit einer Spritzflasche verpasst. Was da über Bienen und Waben läuft, ist Zuckerwasser mit Oxalsäure. Diese organische Säure, die von Natur aus in Rhabarber, Spinat und in geringen Mengen auch in Honig vorkommt, soll seine Bienen retten. Wie jedes Jahr sind sie von einem hartnäckigen Bienenparasiten, der Varroa-Milbe, bedroht.

Honig Test

Im Winter muss der 44-jährige Bio-Imker seine Bienen mit Oxalsäure gegen die Varroa-Milbe behandeln.

Die meisten Imker setzen gegen die Milbe mehrere Mittel ein. Doch sind Rückstände davon auch noch im Honig zu finden? Das war einer der Prüfpunkte im Test von 35 Honigen, und zwar Misch-, Berg- und Wildblütenhonige sowie Akazien-, Wald-, Raps- und Sonnenblumenhonige.

Im Vergleich zu unseren letzten Tests steht es insgesamt besser um den Honig. Wir fanden diesmal keine Rückstände von Arznei- und Pflanzenschutzmitteln, und die geringen Mengen an Metallen und Bienenvertreibungsmitteln, sogenannte Bee Repellents, gaben keinen Grund zur Beanstandung. Außerdem gute Nachricht: In keinem einzigen untersuchten Honig fanden sich Pollen gentechnisch veränderter Pflanzen wie Raps, Mais oder Soja. Wir können aber nicht ausschließen, dass dies nur Zufall war – obwohl wir gleich mehrere Gläser jedes Honigs untersucht haben. Denn Gläser derselben Marke können mal gentechnisch veränderte Pollen enthalten, mal nicht. Bienen unterscheiden nicht zwischen herkömmlichen und gentechnisch veränderten Pflanzen. Und selbst größere Entfernungen zu den betreffenden Feldern garantieren nicht, dass der Honig frei von gentechnisch veränderten Pollen ist.

Fremdzucker bei Plus, Stärke bei Lidl

Trotzdem gibt es Qualitätsmängel: Honig darf nichts hinzugefügt werden, im Amiel-Mischblütenhonig von Plus haben wir aber Fremdzucker nachgewiesen. Er ist damit kein Honig im Sinne der Honigverordnung, ebenso wie der Mischblütenhonig Marlene von Lidl. Er enthält zu viel Stärke, die in dieser Menge im Honig nichts zu suchen hat.

Honig Test

Sonnenblumenpollen

Ob wirklich die Honigsorte im Glas ist, die auf dem Etikett steht, lässt sich durch die chemische und sensorische Prüfung sowie die Pollenanalyse feststellen. Anhand der Anzahl,

Größe, Form, Farbe und Oberfläche der Pollen ist die botanische und geografische Herkunft zu erkennen. Wir fanden zu wenig Sonnenblumenpollen bei beiden Sonnenblumenhonigen im Test: von Immenhof und von der Bienenwirtschaft Meissen. Sie sind nicht sortentypisch und deswegen „mangelhaft“. Außerdem waren sie nicht cremig wie deklariert, sondern unten fest und oben flüssig.

Tipp: Entmischten Honig können Sie wieder zu einer homogenen Masse rühren. Verdorben ist ein solcher Honig nicht.

Auch der Waldhonig NektarQuell trägt eine falsche Sortenangabe. Für einen Waldhonig hat er einen zu hohen Blütenanteil und zu wenig Honigtau (siehe „Nektar und Honigtau“).

Viel Raps im Langnese-Akazienhonig

Nicht ganz sortenrein sind auch einige Akazien- und Rapshonige. Bei ihnen macht sich die Beitracht, also der sortenfremde Anteil, durch einen nicht ganz charakteristischen Geschmack und in der Farbe bemerkbar. Der typisch blasse Akazienhonig ist etwas zu dunkel, Rapshonig leicht gelblich statt weiß. So auch der Rapshonig von Dreyer: Er enthält zwar genügend Rapspollen, aber sein Verhältnis von Fruktose zu Glukose (Frucht- zu Traubenzucker) ist untypisch. Deshalb schneidet dieser Honig „ausreichend“ ab. Im Langnese-Akazienhonig war der Anteil namensgebender Pollen grenzwertig, sodass auch sein test-Qualitätsurteil nur „ausreichend“ heißen konnte.

Wegen zu geringer überregionaler Marktbedeutung war kein Honig von Marc-Wilhelm Kohfink im Test. 14 Sorten bietet er in seiner „Imkerei Am Pflanzgarten“ an, sogar Buchweizen- und Spargelhonig. Solche Sorten entstehen, wenn er die Bienen dort fliegen lässt, wo hauptsächlich die gewünschte Pflanzenart wächst, und den Honig erntet, bevor die Bienen anderen Nektar bringen.

Zu viel Wärme hat geschadet

Auch im Winter bei Außentemperaturen um den Gefrierpunkt schaffen es die Bienen, das Innere der Bienenstöcke auf 35 Grad Celsius zu heizen. Viel wärmer darf es für den Honig auch nicht sein. Temperaturen über 38 Grad Celsius zerstören die Honig­enzyme Invertase und Diastase und mindern so die Honigqualität. Außerdem bildet sich Hydroxymethylfurfural (HMF). Der HMF-Gehalt ist eine wichtige Größe, um herauszu­finden, wie frisch ein Honig ist und ob er schonend behandelt wurde. Maximal 40 Milligramm je Kilogramm lässt die Honigverordnung zu. Mit einem HMF-Wert von 43,3 Milligramm überschreitet der Mischblütenhonig Star Marke von Kaiser’s Tengelmann diesen Grenzwert. Dazu kommt: Seine Mindesthaltbarkeit ist viel zu lang angegeben. Deshalb schneidet er nur „mangelhaft“ ab. Auch der K Classic Blütenhonig von Kaufland weist schon jetzt Qualitätsschäden auf. Bis zum Mindesthaltbarkeitsdatum hat er noch dreieinhalb Jahre vor sich, dann wird er noch mehr geschädigt sein.

80 Prozent werden importiert

Honig Test

Wie für 98 Prozent der deutschen Imker ist die Honigproduktion für Marc-Wilhelm Kohfink nur ein Nebenerwerb. Doch mit 50 Bienenvölkern und jährlich etwa zwei Tonnen Honig gehört er nicht mehr zu den Kleinproduzenten.

Imker Kohfink verkauft seinen Honig direkt, in Naturkostläden und übers Internet problemlos – kein Wunder: Jeder Deutsche verbraucht pro Jahr im Schnitt fast eineinhalb Kilogramm des süßen Goldes. Einheimische Imker können diesen Bedarf allein nicht decken. 80 Prozent des Honigs werden deshalb importiert, vor allem aus Argentinien, Mexiko und Urugay, aber auch aus Ungarn, Rumänien und Spanien.

Auf dem Etikett eines Honigs muss die Herkunft stehen. Im Test war diese Angabe bei Mischungen von Honigen aus EG- und Nicht-EG-Ländern durch die mikroskopische Prüfung nicht immer überprüfbar. Dass die dafür erforderlichen Pollen nicht nachweisbar waren, kann zum Beispiel an der Zusammensetzung der Honige liegen, aber auch daran, dass sie vor der Abfüllung nicht gleichmäßig durchmischt wurden.

Biho ist nicht gleich Bio

Aus Deutschland kommt nur der „befriedigende“ Rapshonig von Bihophar. Achtung: Verwechseln Sie konventionell erzeugten Honig der Marke Bihophar nicht mit Bio-Honig der Marke Biophar. Nach EU-Öko-Verordnung müssen Produkte, die „Bio“ im Namen führen, seit Juni 2006 auch Bio sein. Fürsten-Reform, der Hersteller beider Marken, nannte seine konventionellen Honige daraufhin in Bihophar um.

Bio-Imker wie Marc-Wilhelm Kohfink benutzen nur Holz-Bienenkästen und wenden nur organische Säuren gegen Varroa-Milben an. Außerdem lassen sie ihren Bienen eigene Honigvorräte für den Winter und füttern, wenn überhaupt, nur gelösten Biozucker zu.

Zucker ist Honig-Hauptbestandteil

Ernährungsphysiologisch bewertet haben wir die Honige nicht, sie unterscheiden sich in ihrer Nährstoffzusammensetzung kaum. Honig besteht zu rund 80 Prozent aus Zucker, vor allem Glukose und Fruktose, und zu 16 bis 19 Prozent aus Wasser. Der Rest sind etwa 180 Begleitstoffe wie Enzyme, Aminosäuren, Mineralstoffe, Vitamine, organische Säuren, Pollen sowie pflanzliche Aroma- und Farbstoffe. Vor allem diesen nur in sehr geringen Mengen vorkommenden Stoffen werden die gesundheitlichen Wirkungen des Honigs zugesprochen (siehe „Honig als Heilmittel“). Auch seine leichte Verdaulichkeit wird geschätzt. Und Honig-Fans legen Wert auf Naturbelassenheit.

Sein Zuckergehalt ist zwar hoch, Diabetiker müssen Honig dennoch nicht meiden. Mit rund 300 Kilokalorien pro 100 Gramm hat Honig einen etwas höheren Energiegehalt als Konfitüre. Für die Zähne besteht auch durch Honig Kariesgefahr.

Tod im Bienenstock

Imker Kohfink ist fast fertig mit dem Träufeln der Oxalsäure, als er eine enttäuschende Entdeckung machen muss: Ein Bienenkasten ist fast leer, nur eine Handvoll toter Bienen steckt noch in den Waben – ein typischer Varroa-Schaden. Die Ameisensäure, die kurz nach der Honigernte die Milben vernichten sollte, ist nicht vollständig verdunstet. Entmutigen lässt sich Kohfink dadurch aber nicht. Ganz im Gegenteil: Seine Erfahrungen mit der Imkerei gibt er auch an angehende Imker weiter.

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