Nachtrag zum Honigtest

Die Stiftung Warentest hat viele Fragen zu ihrem Honigtest bekommen. Hauptthema sind abweichende Ergebnisse zur Honiguntersuchung von Öko-Test 1/2009. Die Experten der Stiftung Warentest nehmen im Folgenden Stellung.

Gentechnik im Fokus

Das Thema „Gentechnisch veränderte Organismen“ (GVO) spielt bei Lebensmitteluntersuchungen der Stiftung Warentest seit Jahren eine große Rolle. So haben wir uns schon mehrfach gezielt verschiedene Lebensmittelgruppen angesehen und nach gentechnisch veränderten Zutaten gesucht – für die Veröffentlichung 04/2000 waren es mehr als 80 einzelne Lebensmittel, für den Test 06/2002 ebenso viele. In beiden Untersuchungen sind wir auch fündig geworden. Doch nicht nur in diesen Schwerpunktuntersuchungen wurde auf GVO geprüft, sondern regelmäßig bei allen Lebensmitteln, wenn GVO nicht auszuschließen sind – beispielsweise bei Sushi, Kartoffelpüree und Margarine und selbst im Katzenfutter. Wir greifen dabei analytisch immer auf den neuesten methodischen Entwicklungsstand zurück und sichern unsere Ergebnisse stets ab.

Auch bei unseren Honigtests (test 10/1999, 04/2004 und aktuell 02/2009) sind Prüfungen auf GVO fester Bestandteil des Untersuchungsprogramms, denn von welchen Pflanzen die Bienen den Nektar sammeln, kann der Imker ihnen nicht vorschreiben. Es ist somit immer mit Pollen von gentechnisch veränderten Pflanzen zu rechnen, wenn diese im Flugkreis der Bienen angebaut worden sind und zur Flugzeit blühen. Je mehr Felder mit gentechnisch veränderten Pflanzen bewirtschaftet werden, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, auf Pollen von GVO im Honig zu treffen.

Dies bedeutet aber nicht, dass der Nachweis, ob die Bienen Nektar von gentechnisch veränderten Pflanzen gesammelt haben, immer geführt werden kann. Beispielsweise sind im Fall gentechnisch veränderter Sojapflanzen mehrere Gründe dafür denkbar, dass man einmal einen positiven Befund erhält und ein anderes Mal nicht, obwohl es sich um Honig derselben Marke handelt:

  • Da Honig meist nicht nur einer Herkunft entstammt, sondern gemischt wird aus unterschiedlichen Lieferungen und Provenienzen, kann die Zusammensetzung von Mischung zu Mischung schwanken.
  • Woher die Honige für eine Mischung im Einzelnen stammen, ist anhand des Etikettes nicht zu erkennen. Somit können die einzelnen Honige manchmal auch aus Ländern stammen, in denen GVO-Pflanzen zugelassen sind und auch angebaut werden (z. B. aus Argentinien, Mexiko, Uruguay oder Kanada).
  • Das Mischen erfolgt mit dem Ziel, einen in Bezug auf Konsistenz und Geschmack standardisierten Honig herzustellen. Dabei kann die Pollenverteilung sehr inhomogen sein.
  • Sojapflanzen können sorten- und klimabedingt auch nektararm sein. Wenn sie wenig Nektar haben, werden die Bienen sie nur dann anfliegen, wenn keine größeren Nektarerträge auf anderen Pflanzen zu finden sind. Zudem sind Sojapflanzen eher pollenarm. Schwankungen in der Pollenanzahl und im Pollenspektrum sind in einem Mischblütenhonig damit vorprogrammiert.
  • Der Pollenanteil in Honig beträgt zirka 0,1 bis 0,5 Prozent. Da nur ein kleiner Teil davon möglicherweise überhaupt gentechnisch veränderten Pflanzen entstammt, ist die Menge an Pollen, über die der GVO-Nachweis geführt werden kann, sehr eingeschränkt. Dies belegt auch die jeweilige Pollenanalyse in unserem aktuellen Honigtest, in der Sojapollen lediglich Begleitpollen (in geringer Anzahl), aber keine Leitpollen (in großer Anzahl) waren.

Die Methodik der Stiftung Warentest

Von jedem Honig im Test haben wir drei Gläser/Spender untersucht. Für jede Untersuchung wurden jeweils 50 g Honig entsprechend der von WAIBLINGER et al. [1] beschriebenen Methodik zentrifugiert und anschließend die DNS (Erbsubstanz) aus dem Zentrifugat extrahiert.

Die Prüfung auf GVO-DNS erfolgte mittels Polymerase-Ketten-Reaktion (PCR) nach dem REAL-Time-Verfahren. Dafür wurden pro Reaktionsansatz etwa 40 ng des gewonnenen DNS-Extraktes eingesetzt. Damit haben wir eines der empfindlichsten Nachweisverfahren angewendet, mit dem man auf jeden Fall auch Roundup Ready Soja nachweisen kann. Während die Nachweisgrenze von gentechnisch verändertem Soja in Sojamehl deutlich unter 0,1 Prozent liegt, ist sie im Honig aufgrund der geringen Menge an Sojaerbsubstanz mindestens um den Faktor 10 bis 20 höher.

Trotz dieses optimalen Verfahrens waren in keinem unserer 35 getesteten Honige Pollen von gentechnisch verändertem Soja, Mais oder Raps nachweisbar. Zweifel an der Richtigkeit unserer Testergebnisse haben wir nicht. Dennoch können andere Untersuchungen wie z. B. die von Öko-Test – aus oben genannten Gründen – durchaus zu anderen Ergebnissen kommen.

Unabhängig davon, ob in Honigen Pollen von gentechnisch veränderten Pflanzen gefunden werden oder nicht – kein Ergebnis überrascht.

Der Anteil an gentechnisch veränderter Erbsubstanz in Honig liegt in einer wesentlich niedrigeren Dimension als in einem eiweißreichen Lebensmittel, das vollständig oder zum überwiegenden Teil aus gentechnisch veränderten Pflanzen hergestellt wird.

Eine von vielen Verbrauchern gewünschte Wahlfreiheit für GVO-freie Produkte ist bei Honig allerdings aufgrund der unterschiedlich interpretierten Kennzeichnungsvorschriften nicht gegeben. Doch unabhängig davon: Selbst wenn alle Pollen im Honig von gentechnisch veränderten Pflanzen stammen würden, müsste der Honig nicht entsprechend gekennzeichnet werden, weil Pollen nicht zu den GVO im Sinne des Gentechnikgesetzes gerechnet werden – so das Urteil des Verwaltungsgerichts Frankfurt (Oder) vom 8. Mai 2007.

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Anmerkung
[1] Waiblinger HU, Ohmenhäuser M, Pietsch K, Ritter W, Steegmüller J, Krech, A, Horn, P, Schröder A (2005). Die Untersuchung von transgenem Rapspollen in Honigen mittels Realtime-PCR. Dtsch. Lebensm. Rundsch. 101 (12), 543–549.

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