Interview: „Obstbauern suchen Bienen“

Honig Test

Dr. Kaspar Bienefeld, Leiter des Länderinstituts für Bienenkunde in Hohen Neuendorf, zum Bienensterben.

Wie viele Bienen starben 2008?

Die in unserer Bienenüberwachung erfassten Imker verloren 14 Prozent ihrer Völker. Manche Imkerlandesverbände melden sogar Verluste von 20 bis 30 Prozent. Normal sind 5 bis 10 Prozent. Ob das Bienensterben zunimmt, können wir noch nicht sagen. Präzise Daten gibt es erst seit vier Jahren und in dieser Zeit hatten wir auch zwei Jahre mit unterdurchschnittlichen Verlusten.

Woran sterben die Bienen?

Hauptursache ist bei uns die Varroa-Milbe. Dieser aus Asien eingeschleppte Parasit saugt Bienenpuppen das Blut aus und überträgt Viren. Ein zu warmer Winter begünstigt die Milbenvermehrung. Das Bienensterben im Mai 2008 in der Rheinebene war dagegen eindeutig auf das Insektizid Clothianidin aus Maissaatgut zurückzuführen.

Welche Folgen beobachten Sie?

Nach einem Komplettverlust der Völker geben die meist älteren Imker häufig auf. Einige Obstbauern suchen schon händeringend nach Bienen zur Bestäubung. Wir vermuten auch Auswirkungen auf das Ökosystem: Fehlen die Bienen als Bestäuber, ist der Fortbestand vieler Pflanzen- und Tierarten bedroht. Wer die Bienenhaltung fördern will, kauft direkt bei den Imkern. Sie bleiben trotz generell hoher Nachfrage teilweise auf ihrem Honig sitzen. Dabei ist der nur etwas teurer als Supermarkthonig.

Wie lassen sich Bienen schützen?

Wir versuchen, Bienen zu züchten, die die Varroa-Milbe selbst bekämpfen. Der Imker kann Verlusten vorbeugen, indem er seine Völker mit organischen Säuren behandelt und junge widerstandsfähigere Königinnen heranzieht.

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