Honig: 35 Marken im Test

Honig ist ein Naturprodukt. Von Bienen gesammelt, von Menschen geerntet. Ohne Zusätze und naturbelassen soll er in den Handel. So schreibt es die Honigver­ord­nung vor. Leider erfüllt nicht jeder Honig diese Anforderung. Die Stiftung Warentest hat 35 Honige geprüft. Nur neun waren gut.

Fremdzucker und Stärke

Bienen lieben Süßes. Deshalb fliegen sie bevorzugt Blüten mit hohem Zuckergehalt an. Den dort gesammelten Nektar lagern sie in Waben ein, reichern ihn mit Enzymen an und lassen ihn reifen. Imker dürfen diesen Honig nur aus den Waben holen, von sichtbaren Verunreinigungen befreien und abfüllen. Hinzufügen dürfen sie nichts. Im Mischblütenhonig Amiel von Plus fanden die Tester aber honigfremden Zucker. Damit ist er kein Honig mehr nach der strengen Definition der Honigverordnung. Gleiches gilt für den Mischblütenhonig Marlene von Lidl. Er enthält zu viel Stärke. In diesen Mengen hat Stärke nichts im Honig zu suchen.

Etikettenschwindel

Honig Test

Sonnenblumenpollen

Um einen vergleichsweise teuren Sortenhonig zu produzieren, müssen die Bienen Nektar oder Honigtau überwiegend einer Pflanzenart sammeln. Welche Honigsorte im Glas steckt, offenbart unter anderem die Pollenanalyse. An Größe, Form und Farbe der Pollen lässt sich ihre Herkunft erkennen. Etikettenschwindel hat damit keine Chance. Die Sonnenblumenhonige Immenhof und von der Bienenwirtschaft Meissen enthalten zu wenig Sonnenblumenanteile. Sie dürften nur als schlichte Blütenhonige verkauft werden. Der Imkerhonig NektarQuell trägt die Aufschrift „Waldtracht“. Doch zum Großteil besteht er aus Mischblütentracht und nur wenig Honigtau. Damit ist er kein Waldhonig. Für alle drei Honige gilt das test-Qualitätsurteil mangelhaft.

Raps im Akazienhonig

Auch die Akazien- und Rapshonige im Test sind nicht ganz sortentypisch. Sie enthalten zwar genügend Honig der namensgebenden Sorte. Bei allen macht sich jedoch eine Beitracht von anderen Pflanzen in Farbe und Geschmack bemerkbar. Beispiel Akazien-Honig von Langnese: Für den normalerweise blassen Honig der Robinie ist er etwas zu dunkel. Sein Anteil Akazienhonig liegt an der unteren Grenze. Dafür dominiert die Beitracht Raps. Das Urteil der Tester: Ausreichend (Note: 4,0).

Wärme schadet dem Honig

Was die Bienen sorgfältig zusammentragen, kann der Mensch leicht verderben. So reagiert Honig sehr empfindlich auf Wärme. Liegt die Temperatur bei Gewinnung, Lagerung oder Transport deutlich über 38 Grad Celsius, sinkt die Aktivität der Honigenzyme Invertase und Diastase. Außerdem entsteht Hydroxmethylfurfural, kurz HMF. Der HMF-Gehalt zeigt, wie frisch ein Honig ist und ob er schonend behandelt wurde. Maximal 40 Milligramm je Kilogramm Honig sind erlaubt. Der Mischblütenhonig Star Marke von Kaiser's Tengelmann kommt jedoch auf 43,3 Milligramm. Den Namen Honig hat er damit nicht mehr verdient.

Neun sind gut

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Immerhin: Neun Honige schnitten gut ab. Bei den Mischblütenhonigen liegen Goldland von Aldi Süd sowie Edeka Gut & Günstig vorn. Mit 1,69 Euro je 500 Gramm sind beide preisgünstig. Gute Bergblütenhonige kommen von Langnese, Bihophar und der Bienenwirtschaft Meissen. Auch der Flotte Biene Wildblütenhonig von Langnese bekam ein Gut. Der beste Akazienhonig ist gleichzeitig einer der teureren Produkte im Test: der Bio-Honig von Allos für 5,50 Euro je 500 Gramm. Freunde von würzig-herbem Honig finden bei Aldi Süd einen guten Waldhonig.

Frei von Gentechnik

In keinem einzigen der untersuchten Honige fanden die Tester Pollen gentechnisch veränderter Pflanzen wie Raps, Mais oder Soja. Zufall? Bienen unterscheiden zumindest nicht zwischen herkömmlichen und gentechnisch veränderten Pflanzen. Im Test wurden von jeder Marke drei Gläser auf gentechnisch veränderte Pollen untersucht. Keine Spur von gentechnisch veränderten Pollen. Bei Gläsern einer anderen Charge kann das aber schon wieder anders aussehen. Imker können jedenfalls nur schwer steuern, welche Pflanzen ihre Bienen anfliegen.

Direkt beim Imker

1,5 Kilo Honig verbraucht jeder Deutsche im Jahr. Das ist Weltrekord. 80 Prozent des hierzulande verzehrten Honigs stammt aus dem Ausland, vor allem aus Süd- und Mittelamerika sowie Osteuropa. Regionalen Obstbauern hilft das jedoch nicht. Sie suchen händeringend nach Bienen zum Bestäuben ihrer Plantagen. Wer die Bienenhaltung unterstützen will, kauft also am besten direkt beim Imker. Oft ist der Honig dort nur wenig teurer als im Supermarkt.

Editorial:  Honig jetzt besser
Nachtrag:  Stellungnahme der Stiftung Warentest

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