Der Ruf von Holz­spielzeug ist besser als sein Test­ergebnis. Viele Produkte enthalten gefähr­liche Stoffe — in Lack, Sperr­holz oder Schnüren. Von manchen lösen sich Kleinteile. Nicht einmal jedes Zweite ist gut oder befriedigend.

Holz­spielzeug Test

Unterm Messer. Sein nettes Grinsen nützt ihm nichts. Der Frosch kommt im Labor unters Skalpell und der Lack ab.

Unterm Messer. Sein nettes Grinsen nützt ihm nichts. Der Frosch kommt im Labor unters Skalpell und der Lack ab.

Freundlich grinst der grüne Holz­frosch in die Welt. Mit lustigen Glubsch­augen, knubbeligen Armen und bunten, an Rädern hängenden Holz­kugeln lädt er kleine Racker zum Spielen ein. Die Kugeln wirbeln und klappern, wenn ein Kind den Frosch durch die Räume schiebt.

Nicht schieben, sondern schaben heißt es im Test­labor. Der Frosch muss unters Skalpell und der grüne Lack ab. Er kommt ins Reagenz­glas für die Schad­stoff­analyse. Akribisch kratzen die Mitarbeiter die Farb­schicht herunter, vorsichtig, stunden­lang.

Holz­spielzeug Test

Mit Löse­mittel. Vor der Analyse müssen die Schad­stoffe heraus­gelöst werden.

Im Glas. Die Lack­schnipsel werden für die Schad­stoff­prüfung gesammelt.

„Die kritischen Stoffe stecken häufig in den Lacken der Holz­spielzeuge“, erläutert Projektleiterin Renate Ehrns­perger. So ist es auch beim sympathisch grinsenden Frosch von New Classic Toys. Das Labor findet im grünen Lack Chrysen, einen krebs­erzeugenden poly­zyklischen aromatischen Kohlen­wasser­stoff, kurz PAK genannt. In der roten Schnur des Spiel­zeugs steckt krebs­erzeugendes Benzidin, ein Bestand­teil des Farb­stoffs. Das Urteil ist eindeutig: mangelhaft.

Der Frosch ist nicht der einzige, der gefähr­liche, lang­fristig wirkende Schad­stoffe enthält. Von 30 Spielsachen für Kinder bis drei Jahre schneiden insgesamt 7 mangelhaft ab, 9 ausreichend. Schad­stoffe steckten auch in Lacken anderer Holz­spielzeuge, in Schnüren und Sperr­holz­platten. Zwei Spielzeuge gefährden Kinder durch verschluck­bare Kleinteile. Nur 14 Produkte im Test sind gut und befriedigend.

Die Europäische Kommis­sion informiert mit ihrem Schnell­warn­system Rapex über gefähr­liche Produkte in der EU. Im vergangenen Jahr hat sie hier 2 278 Konsumgüter gemeldet. Etwa jedes fünfte davon war ein Spielzeug. Viele stammten aus China.

Unsicheres Spielzeug aus Deutsch­land

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Schlagprüfung. Die Metall­scheibe fällt aus zehn Zenti­metern Höhe auf den Holz­ring. Er zerbricht in Kleinteile, die Kinder verschlu­cken könnten.

Schlagprüfung. Die Metall­scheibe fällt aus zehn Zenti­metern Höhe auf den Holz­ring. Er zerbricht in Kleinteile, die Kinder verschlu­cken könnten.

„Made in Germany“ bietet keine Garantie für sicheres Spielzeug. Das Motorik­spiel Teich und der Wagen­schmuck Clown der Firma Hess aus Sachsen setzen Kinder einer direkten Gefahr aus. Projektleiterin Ehrns­perger: „Bei ihnen lösten sich Kleinteile. Kinder können sie verschlu­cken, im schlimmsten Fall daran ersti­cken.“

Ein leichter Fehl­tritt im Kinder­zimmer, schon ist es passiert: Das Spielzeug zerbricht. Im Labor haben wir die Situation mit einer Schlagprüfung simuliert. Eine ein Kilogramm schwere Metall­scheibe fällt aus zehn Zenti­metern Höhe auf das Clown-Spielzeug von Hess (siehe Foto). Zwei Holz­ringe zer­brechen. Das darf nicht passieren. Die Teile sind so klein, dass sie in den Prüf­zylinder passen, der einen Kinder­rachen nach­ahmt. Auch der Clip, mit dem Eltern den Clown am Kinder­wagen befestigen können, ist gefähr­lich. „Babys können ihn zu tief in den Rachen schieben. Da sie auf dem Rücken liegen, bekommen sie ihn womöglich nicht mehr heraus“, erläutert der Prüf­leiter im Labor.

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Zugprüfung. Der Greifer der Prüf­maschine zieht das Entchen zu leicht aus dem Sperr­holz­teich der Firma Hess.

Zugprüfung. Der Greifer der Prüf­maschine zieht das Entchen zu leicht aus dem Sperr­holz­teich der Firma Hess.

Das Hess-Motorik­spiel Teich scheitert an der Zugprüfung. Sie klärt, ob sich kleine Teile zu leicht ablösen (siehe Foto). Die bieg­same Sperr­holz­konstruktion des Teichs gibt zu sehr nach. Kinder können die Entchen und Fisch­chen zu einfach heraus­ziehen — und verschlu­cken.

Mängel wie verschluck­bare Teile gefährden kleine Kinder sofort. Schad­stoffe entfalten ihre Wirkung oft erst nach Jahren. Das Fatale: Ob ein Spielzeug kritische Stoffe enthält, kann man ihm nicht ansehen und nur selten riechen. Kinder atmen sie ein und nehmen sie über Mund und Haut auf, während sie am Spielzeug lutschen, knabbern oder es einfach nur anfassen.

Gefähr­liche Substanzen

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Prüf­zylinder. Teile, die hier hinein­passen, könnten Kinder verschlu­cken.

Prüf­zylinder. Teile, die hier hinein­passen, könnten Kinder verschlu­cken.

Die Lacke enthielten oft mehrere gefähr­liche Stoffe gleich­zeitig. So fand das Labor beim Holz­zug von Eichhorn höhere Mengen PAK, einen gesund­heits­gefähr­denden Farb­stoff und das Umwelt­gift NPEO (Nonylphenoleth­oxylate). Organozinn­verbind­ungenund Blei steckten in der roten Jeepfigur von Ostheimer. Die Puzzle von HappyPeople und Toys“R“Us gaben aus ihren Sperr­holz­platten höhere Mengen Form­aldehyd ab; ebenso die Bodenplatte der Box, in der die Schloss­bausteine von Heros liegen. Das Gas Form­aldehyd steht im Verdacht, Krebs zu erzeugen.

Im Juli 2013 traten neue chemische Anforderungen der EU-Spielzeug-Richt­linie in Kraft. Sie enthält jetzt Rege­lungen für mehr Substanzen als zuvor, zum Beispiel für Organozinn­verbindungen. Für sie gilt ein neuer Grenz­wert. Einige Organozinn­verbindungen können die Fort­pflan­zungs­fähig­keit und das Immun­system schädigen, wenn sie in den Körper gelangen. Aus den Lacken vom Hess-Teich und -Clown tritt so viel davon aus, dass sie den Grenz­wert 30 bis 40-fach über­schreiten.

Viele Schad­stoffe weiter umstritten

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Abge­lutscht. Spielzeug für Klein­kinder sollte keine gefähr­lichen Stoffe enthalten.

Experten in der EU diskutieren über die Risiken gefähr­licher Stoffe in Spielzeug wie bestimmte PAK, Schwer­metalle oder Nitrosamine – letztere können bei der Herstellung von Gummi entstehen. „Für viele Stoffe, die Krebs erzeugen, das Erbgut oder die Fort­pflan­zungs­fähig­keit schädigen können, sind die Grenz­werte in der Spielzeug-Richt­linie nach wie vor zu hoch“, warnt Dr. Bärbel Vieth, Expertin vom Bundes­institut für Risiko­bewertung. Hier seien weitere Nachbesserungen nötig. Dies gelte auch für Nitrosamine. Vieth: „Einige davon wirken stark krebs­erzeugend. Selbst kleinste Mengen können gefähr­lich sein.“

Seit neuestem gelten in der EU für Nitrosamine und nitrosier­bare Stoffe laxere Grenz­werte als in Deutsch­land, das seine strengeren Werte beibehalten darf. Das ist gut so, denn gerade die Kleinsten lutschen viel am Spielzeug, zum Beispiel am Greifling-Ball der Firma Heim­ess. In seiner Gummi­schnur fanden wir höhere Mengen nitrosier­barer Stoffe. Sie lassen sich bei der Herstellung vermeiden. Darauf sollten Produzenten achten, schließ­lich können sich im Körper aus den Substanzen die gefähr­lichen Nitrosamine bilden. Bisher wurde vor allem Gummi­spielzeug auf Nitrosamine und nitrosier­bare Stoffe hin untersucht. Aber auch Einzel­teile wie Schnüre sollen diese nicht enthalten.

Tut-Tut tut gut

Die acht mit gut bewerteten Spielsachen sind sicher und unbe­lastet, zum Beispiel die Bausteine und der Greifling Tut-Tut von Haba sowie die Holz­bausteine von Heros. Akzeptabel ist aber auch Spielzeug, das im Test befriedigend abge­schnitten hat. Die Kleinen können damit spielen. Zur Vorsorge sollten Hersteller kritische Stoffe aber voll­ständig ersetzen. Dann können Kinder auch Frösche gefahr­los anfassen, herum­schieben und ablutschen.

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